Menschen wünschen sich, die eigenen oder auch fremde Geschicke selbst lenken zu können. Dies gilt insbesondere bei schwierigen Entscheidungen mit gewisser Zukunftsbedeutung. Damit einher geht auch seit jeher der Wunsch nach Prognosen (z.B. das Orakel von Delphi).
Prognosen über zukünftige Kursverläufe bspw. von Wertpapieren dienen heute etwa der kurzfristigen Gewinnerzielung und -maximierung durch den Handel entsprechender Positionen.
Fehlen solche Prognosen, so mag der Eindruck fehlender Sicherheit entstehen. Eine Sicherheit, mit der ein Teil der eigenen Zukunft selbstständig gestaltet werden könnte.
Prognosen werden befolgt, um die Ungewissheit über den Erfolg von Entscheidungen, ob monetärer oder mentaler Natur, zu beseitigen.
Tatsächlich ist es schwierig, dauerhaft fundierte Prognosen zu erstellen. Da von Analysten eine möglichst hohe Trefferquote hinsichtlich des Eintritts von Prognosen gefordert wird, behelfen sich diese mitunter mit „unscharfen“ Prognosen (z. B. Eintrittswahrscheinlichkeit 70 %).
Wenn Prognosen doch nicht eintreffen, wissen Marktteilnehmer vielfach nicht, was zum Scheitern der Prognose geführt hat. Besonders problematisch ist dies, wenn durch das Befolgen der falschen Prognose etwa aus einem Absicherungsmotiv heraus angelegtes Kapital eingebüßt wurde.
Die vorliegende Seminararbeit soll exemplarisch aufzeigen, warum Menschen an den Finanzmärkten bestimmte, mitunter fehlerhafte Entscheidungen treffen und diese ggf. nicht korrigieren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Problemstellung
- Inhalte der Behavioral Finance
- Charakteristika und Entwicklung der Behavioral Finance
- Erkenntnisse der Behavioral Finance
- Die Prospect Theory
- Die fünf Rationalitätsfallen
- Bewertung der Behavioral Finance
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit analysiert die Behavioral Finance und ihre Relevanz im Kontext der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften. Sie beleuchtet die Schwächen der klassischen „Modernen Kapitalmarkttheorie“ und präsentiert zentrale Erkenntnisse der Behavioral Finance, insbesondere die Prospect Theory und die fünf Rationalitätsfallen. Darüber hinaus wird die Bedeutung der Behavioral Finance für das Verständnis menschlicher Entscheidungsverhalten an den Finanzmärkten untersucht.
- Die Grenzen der klassischen Kapitalmarkttheorie
- Zentrale Postulate der Behavioral Finance
- Einfluss von Emotionen und kognitiven Verzerrungen auf Finanzentscheidungen
- Systematische Fehler in der Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung
- Praktische Relevanz der Behavioral Finance für Anleger und Marktteilnehmer
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Behavioral Finance ein und beleuchtet die Bedeutung von Prognosen in der Finanzwelt. Sie stellt die Problematik fehlerhafter Entscheidungen an den Finanzmärkten in den Vordergrund und kündigt die Zielsetzung der Seminararbeit an.
- Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die klassischen Annahmen der Modernen Kapitalmarkttheorie, die von rational handelnden Marktteilnehmern ausgeht. Es werden die Grenzen dieser Theorie in Bezug auf die realen Entscheidungsverhalten von Menschen aufgezeigt und die Notwendigkeit der Behavioral Finance hervorgehoben.
- Inhalte der Behavioral Finance: Dieses Kapitel behandelt die Charakteristika und Entwicklung der Behavioral Finance sowie zentrale Erkenntnisse wie die Prospect Theory und die fünf Rationalitätsfallen. Es wird gezeigt, wie diese Erkenntnisse die irrationalen Aspekte menschlichen Verhaltens an den Finanzmärkten erklären.
Schlüsselwörter
Behavioral Finance, Prospect Theory, Rationalitätsfallen, Entscheidungsverhalten, Anlegerverhalten, Finanzmärkte, Informationsverarbeitung, Markteffizienz, Homo oeconomicus, Moderne Kapitalmarkttheorie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Behavioral Finance?
Es ist ein Teilgebiet der Finanzwissenschaft, das untersucht, wie psychologische Faktoren und irrationale Verhaltensweisen die Entscheidungen von Anlegern an Finanzmärkten beeinflussen.
Was besagt die Prospect Theory?
Die von Kahneman und Tversky entwickelte Theorie erklärt, dass Menschen Gewinne und Verluste unterschiedlich bewerten und bei Verlusten oft risikofreudiger handeln, um diese zu vermeiden.
Was sind „Rationalitätsfallen“ im Finanzkontext?
Es sind systematische kognitive Verzerrungen (Biases), die dazu führen, dass Anleger trotz gegenteiliger Informationen an Fehlentscheidungen festhalten.
Wie unterscheidet sich Behavioral Finance vom Homo oeconomicus?
Während die klassische Theorie vom rein rationalen „Homo oeconomicus“ ausgeht, erkennt Behavioral Finance an, dass Emotionen und kognitive Fehler die Markteffizienz stören.
Warum sind Prognosen an Finanzmärkten so problematisch?
Menschen suchen Sicherheit in Prognosen, um Ungewissheit zu vermeiden, doch oft führen fehlerhafte Annahmen oder „unscharfe“ Vorhersagen zu herben Kapitalverlusten.
Welchen Nutzen hat Behavioral Finance für Anleger?
Das Verständnis der eigenen psychologischen Fallstricke kann Anlegern helfen, disziplinierter zu entscheiden und typische Fehler in der Informationsverarbeitung zu vermeiden.
- Quote paper
- Nils Franke (Author), 2011, Gegenstand und zentrale Erkenntnisse des "Behavioral Finance", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300560