Mit Einbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine Reihe von außergewöhnlichen Maßnahmen eingeleitet, um die ungewöhnlich hohe Unsicherheit und Instabilität an den Finanzmärkten zu bekämpfen. Neben konventionellen Zinssenkungen auf ein historisch niedriges Niveau entschloss sich der EZB-Rat, erweiterte Maßnahmen zur Unterstützung der Kreditvergabe einzuführen. Außerdem wurden ein Programm für die Wertpapiermärkte und weitere unkonventionelle Maßnahmen, wie der massive Ankauf von Staatsanleihen, entwickelt. Diese Maßnahmen werden in diesem Essay beschrieben und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der EZB-Politik bewertet.
Inhaltsverzeichnis
Einführung in die Geldpolitik und Glaubwürdigkeits-Problematik
Die unkonventionellen Maßnahmen der EZB
Bereitstellung von Liquidität über Mengentender mit Vollzuteilung
Erweiterung des Verzeichnisses zugelassener Sicherheiten
Längerfristige Liquiditätsbereitstellung
Bereitstellung von Liquidität in Fremdwährungen
Änderungen des Mindestreservesatzes
Ankauf bestimmter Schuldverschreibungen
ABS
OMT
Bewertung hinsichtlich der Glaubwürdigkeit
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geldpolitischen Sondermaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 und analysiert kritisch, inwiefern diese Maßnahmen die Glaubwürdigkeit der EZB sowie ihre Fähigkeit zur Steuerung der Geldmenge und Preisstabilität beeinträchtigen.
- Geldpolitische Standardinstrumente vs. unkonventionelle Maßnahmen
- Auswirkungen von Liquiditätsbereitstellung und Ankaufprogrammen
- Glaubwürdigkeitsverlust durch Verwischung von Geld- und Fiskalpolitik
- Rolle der EZB bei der Stabilisierung von Finanzmärkten und Staatsfinanzen
- Kritik an der Abweichung vom 2-Säulen-Modell
Auszug aus dem Buch
Die unkonventionellen Maßnahmen der EZB
Unter normalen Umständen beurteilt die EZB bei der Durchführung ihrer Offenmarktgeschäfte den Gesamtliquiditätsbedarf des Bankensektors und bietet diesen als festen Betrag in Ausschreibungen an. Durch die Geldnachfrage der Banken wird dann der Zins bestimmt, den die Banken bereit sind zu zahlen (Zinstenderverfahren). Alternativ kann die EZB ihre Ausschreibungen auch als Mengentenderverfahren durchführen, indem sie den Zinssatz vorgibt und die Banken die Menge des Geldes, die sie für den festen Zinssatz erwerben wollen, angeben. Dazu und zu einer vollständigen Zuteilung der erwünschten Beträge ist sie im Zuge der einsetzenden Finanzmarktanspannungen und Staatsschuldenkrise im Jahr 2008 übergegangen. Somit hatten die zugelassenen Finanzinstitute des Eurogebiets – entgegen der üblichen Praxis – unbegrenzt Zugang zu Zentralbankliquidität zum geltenden Hauptrefinanzierungssatz.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung in die Geldpolitik und Glaubwürdigkeits-Problematik: Das Kapitel erläutert das Hauptziel der Preisstabilität und die Bedeutung der Glaubwürdigkeit als notwendige Voraussetzung für die Wirksamkeit der EZB-Geldpolitik.
Die unkonventionellen Maßnahmen der EZB: Hier werden die verschiedenen Kriseninstrumente der EZB detailliert beschrieben, darunter Tenderverfahren, Sicherheitenanpassungen und Ankaufprogramme.
Bereitstellung von Liquidität über Mengentender mit Vollzuteilung: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang zur unbegrenzten Liquiditätszuteilung für Banken ab 2008 als Reaktion auf die Finanzkrise.
Erweiterung des Verzeichnisses zugelassener Sicherheiten: Der Inhalt fokussiert sich auf die Ausweitung notenbankfähiger Sicherheiten, einschließlich ABS und nicht verbriefter Kredite, zur Liquiditätsstärkung.
Längerfristige Liquiditätsbereitstellung: Zusammenfassung der Maßnahmen zur Verringerung der Unsicherheit bei Banken durch verlängerte Laufzeiten bei Refinanzierungsgeschäften.
Bereitstellung von Liquidität in Fremdwährungen: Erläuterung der Unterstützung des Bankensystems durch Währungsswap-Vereinbarungen, insbesondere mit US-Dollar.
Änderungen des Mindestreservesatzes: Behandlung der Senkung des Mindestreservesatzes als Instrument zur Beeinflussung der Buchgeldschöpfung.
Ankauf bestimmter Schuldverschreibungen: Übersicht über Programme zum Ankauf von gedeckten Schuldverschreibungen und Staatsanleihen zur Wiederbelebung von Finanzmarktsegmenten.
ABS: Beschreibung des Ankaufprogramms für Asset-Backed Securities zur Förderung der Kreditvergabe an KMU.
OMT: Erläuterung der technischen Merkmale geldpolitischer Outright-Geschäfte und der Bedingungen für teilnehmende Länder.
Bewertung hinsichtlich der Glaubwürdigkeit: Analyse der kritischen Auswirkungen der Sondermaßnahmen auf das 2-Säulen-Modell und das Vertrauen in die EZB.
Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass die Sondermaßnahmen die Glaubwürdigkeit belastet haben und eine Rückbesinnung auf das Mandat ratsam sein könnte.
Schlüsselwörter
Europäische Zentralbank, EZB, Geldpolitik, Preisstabilität, Glaubwürdigkeit, Finanzkrise, Liquidität, Vollzuteilung, Offenmarktgeschäfte, OMT-Programm, Staatsanleihen, Mindestreservesatz, Währungsunion, Asset-Backed Securities, Transmissionsmechanismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die geldpolitischen Sondermaßnahmen der Europäischen Zentralbank, die seit der Finanzkrise 2007 eingeführt wurden, um die Stabilität des Euro-Währungsgebiets zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die geldpolitische Strategie der EZB, verschiedene unkonventionelle Instrumente wie Liquiditätsbereitstellung und Ankaufprogramme sowie deren Einfluss auf die Glaubwürdigkeit der Institution.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob die EZB durch ihre unkonventionellen Maßnahmen zur Krisenbekämpfung ihre Glaubwürdigkeit gefährdet und inwiefern dies ihr Mandat der Preisstabilität beeinträchtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analytischen Auswertung geldpolitischer Berichte der EZB, rechtlicher Grundlagen wie der EU-Verträge sowie wirtschaftswissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil detailliert die verschiedenen Sondermaßnahmen, von Mengentendern über die Erweiterung von Sicherheiten bis hin zu spezifischen Ankaufprogrammen für Staatsanleihen und ABS, gefolgt von einer kritischen Bewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind EZB, Glaubwürdigkeit, unkonventionelle Maßnahmen, Preisstabilität, Finanzkrise, Liquiditätssteuerung und OMT-Programm.
Inwiefern hat das OMT-Programm die Glaubwürdigkeit der EZB in Zweifel gezogen?
Das Programm wird kritisch gesehen, da der Ankauf von Staatsanleihen als indirekte Staatsfinanzierung interpretiert wird, was durch Art. 123 AEUV untersagt ist und die Grenze zur Fiskalpolitik verwischt.
Wie wirkt sich die Vollzuteilungspolitik auf die Marktwirtschaft aus?
Kritiker führen an, dass sie die freie Zinsbildung behindert und Banken vor dem Scheitern bewahrt, wodurch ein notwendiges, marktwirtschaftliches Bereinigungsverfahren verhindert wird.
- Arbeit zitieren
- Larissa Naujoks (Autor:in), 2014, Krisenbekämpfung der Europäischen Zentralbank mit unkonventionellen Maßnahmen. Verliert die EZB ihre Glaubwürdigkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300316