Diese Arbeit versucht, die ägyptische postkoloniale Erinnerungskultur der näheren Betrachtung zu unterziehen. Die wichtigste Frage ist, ob es überhaupt eine ägyptische postkoloniale Erinnerungskultur gibt bzw. gab.
Ägypten musste eine jahrhundertelange Erfahrung mit der Fremdherrschaft machen. Für Jahrhunderte musste Ägypten dem osmanischen Reich angehören und sich dem osmanischen Sultan unterordnen. Die Ägyptenexpedition Napoleons ist ebenso nicht übersehbar. Im Laufe der Arbeit wird den Lesern ebenso klar, dass Ägypten von dem Vereinigten Königreich regiert bzw. kolonisiert worden ist. In der vorliegenden Arbeit wird zudem versucht, die ägyptische Position von den Briten bzw. der britischen Kolonialmacht zu verfolgen und zu betrachten.
In dem ersten Kapitel der Untersuchung wird ein Überblick über die orientalische Position des Postkolonialismus gegeben. Dabei handelt es sich u. a. um eine Identitätsfrage und die Orient-Okzident-Beziehung. In dem zweiten Kapitel werden besondere Beispiele der sogenannten ägyptischen postkolonialen Literatur der näheren Betrachtung unterzogen. Unverzichtbar für das vorliegende Kapitel war der bekannteste Schriftsteller Ägyptens Naguib Mahfouz, der im Jahre 1988 den Nobelpreis für Literatur bekam. Zudem wurde ein zeitgenössischer Autor ausgewählt, der die koloniale Zeit Ägyptens erneut aufgreift, aufarbeitet und sogar neu präsentiert: Ahmed Murad.
Der dritte Teil der Untersuchung ist für die Arbeit sehr wesentlich. Es handelt sich hier um die Umbenennung bekannter Straßen und Plätze Kairos, die Verweise auf Kolonialismus bzw. Monarchie beinhalteten. Sowohl die koloniale als auch die postkoloniale Epoche Ägyptens konnte man deutlich in den Plätzen- und Straßennamen Ägyptens erkennen, wie im Laufe der Arbeit gezeigt wird.
In dem vorletzten Teil der Arbeit werden einige Prozesse der Unabhängigkeit und des Abzugs der Briten am 18. Juni 1956 verdeutlicht und in Betracht gezogen. Davon ausgehend kommt die Arbeit zur heutigen Debatte der Entschuldigung und Entschädigung.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- I. Überblick über die orientalische Position des Postkolonialismus
- II. Postkoloniale ägyptische Literatur
- III. Straßennamen als postkoloniale Erinnerungsorte?
- IV. Prozess der Unabhängigkeit und des Abzugs der Briten 18. Juni 1956
- V. Entschuldigung und Entschädigung
- VI. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die ägyptische postkoloniale Erinnerungskultur und befasst sich mit der Frage, ob es eine spezifische ägyptische postkoloniale Erinnerungskultur gibt oder gab. Die Arbeit befasst sich mit Ägyptens jahrhundertelanger Erfahrung mit Fremdherrschaft unter osmanischer und britischer Kolonialherrschaft.
- Die orientalische Position des Postkolonialismus und seine Relevanz für Ägypten
- Analyse ägyptischer Literatur im Kontext der postkolonialen Erfahrung
- Straßennamen als Spiegelbild der kolonialen und postkolonialen Geschichte Ägyptens
- Der Prozess der Unabhängigkeit und des Abzugs der Briten im Jahr 1956
- Die Debatte um Entschuldigung und Entschädigung für die Kolonialzeit
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel gibt einen Überblick über die orientalische Position des Postkolonialismus und beleuchtet wichtige Aspekte wie die Identitätsfrage und die Orient-Okzident-Beziehung. Das zweite Kapitel analysiert ausgewählte Beispiele postkolonialer Literatur in Ägypten, darunter Werke von Naguib Mahfouz und Ahmed Murad.
Der dritte Teil der Arbeit widmet sich den Straßennamen in Kairo und untersucht deren Bezug zum Kolonialismus und zur Monarchie. Die Umbenennung von Straßen und Plätzen wird als Ausdruck postkolonialer Erinnerungskultur betrachtet.
Das vierte Kapitel beleuchtet den Prozess der Unabhängigkeit und des Abzugs der Briten im Jahr 1956 und setzt dies in Bezug zur gegenwärtigen Debatte um Entschuldigung und Entschädigung.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen postkoloniale Erinnerungskultur, orientalische Position, ägyptische Literatur, Straßennamen, Kolonialismus, Unabhängigkeit, Entschuldigung und Entschädigung.
Häufig gestellte Fragen
Was prägte die ägyptische Geschichte in Bezug auf Fremdherrschaft?
Ägypten erlebte jahrhundertelange Fremdherrschaft durch das Osmanische Reich, die Expedition Napoleons und die darauffolgende britische Kolonialisierung.
Wie wird der Postkolonialismus in Ägypten literarisch verarbeitet?
Die Arbeit analysiert Werke des Nobelpreisträgers Naguib Mahfouz sowie zeitgenössische Autoren wie Ahmed Murad, die die Kolonialzeit aufarbeiten und neu präsentieren.
Welche Rolle spielen Straßennamen für die Erinnerungskultur?
Straßennamen und Plätze in Kairo dienen als „Erinnerungsorte“. Die Umbenennung von Orten, die Bezüge zur Monarchie oder zum Kolonialismus hatten, spiegelt den postkolonialen Wandel wider.
Wann endete die britische Herrschaft in Ägypten offiziell?
Ein wesentlicher Meilenstein war der Abzug der britischen Truppen am 18. Juni 1956, der den Prozess der vollständigen Unabhängigkeit markierte.
Gibt es Debatten über Entschädigungen für die Kolonialzeit?
Ja, die Arbeit thematisiert die aktuelle Debatte über offizielle Entschuldigungen und finanzielle Entschädigungen seitens der ehemaligen Kolonialmächte.
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- Ramadan Nooh (Author), 2015, Fremdherrschaft im Orient. Die postkoloniale Erinnerungskultur in Ägypten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299589