Im Jahr 1612 beginnt mit einem ersten Bittgesuch der Frankfurter Bürgerschaft an den Rat der Stadt ein Ereignis in Frankfurt am Main, das bis 1616 dauerte und als Fettmilch-Aufstand bekannt geworden ist. Dieser Aufstand bleibt der Frankfurter Nachwelt lebhaft im Gedächtnis, wie der Bericht des jungen Goethe über die am Brückenturm der Stadt aufgespießten Köpfe der Anführer des Aufstandes 150 Jahre später zeigt.
Dies gibt noch einen Hinweis darauf, wie relevant dieser Aufstand für die zeitgenössische und spätere Frankfurter Bevölkerung war. Der Zorn des Volkes entlud sich während des Fettmilch-Aufstandes hauptsächlich gegen die Frankfurter Juden. Diese Arbeit soll die tatsächlichen Ursachen erläutern, die zum Fettmilch-Aufstand führten und dabei insbesondere auf die religiöse und wirtschaftliche Situation in der Stadt eingehen. Weiterführend sollen die daraus resultierenden wirtschaftlichen und religiösen Forderungen der Bürgerschaft betrachtet werden.
Zur Entstehung und dem Verlauf des Fettmilch-Aufstands gibt es einige, breit gefächerte Literatur. Schon während des Aufstandes entstand eine Flut von zeitgenössischen Schriften und Darstellungen wie das „Diarium historicum“, eine sehr ausführliche Dokumentation der Geschehnisse.
Während des Fettmilch-Aufstandes kommt es zu gewaltsamen Übergriffen und zur Vertreibung der Frankfurter Juden. Aufgrund zahlreicher Faktoren können die Juden in Frankfurt im 17. Jahrhundert als Minderheit bezeichnet werden; beispielhaft kann hier ein Nachteil in der Rechtsstellung und ein Abweichendes religiöses Bekenntnis genannt werden. Über den Umgang mit den Juden während des Fettmilch-Aufstandes kann man nicht nur Informationen zu dieser Minderheit, sondern auch Erkenntnisse zur Mehrheit der Gesellschaft erhalten. Es ist möglich sich der Gesellschaft Frankfurts im 17. Jahrhundert durch genauere Betrachtung des Fettmilch-Aufstandes zu nähern. Dabei können Erkenntnisse zur städtischen Strafjustiz, zur Lebensweise einzelner Bürger, zum Aufbau der städtischen Gesellschaft, zur Akzeptanz der Hierarchien sowie zur Reaktion der Bevölkerung auf eine wirtschaftliche Depression und zu zahlreichen weiteren Themen gewonnen werden. Um die Handelnden und ihre Motive in Frankfurt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu verstehen, werden im Folgenden zunächst die wirtschaftlich-religiösen Umstände der Stadt betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zur wirtschaftlichen Situation Frankfurts
- Zur religiösen Ordnung Frankfurts
- Zum Verlauf des Aufstandes
- Der Ausbruch der Unruhen 1612
- Der Bürgervertrag von 1612/13
- Der Aufstand
- Forderungen der Bürger
- Religiöse Forderungen
- Wirtschaftliche Forderungen
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Fettmilch-Aufstand in Frankfurt am Main, der von 1612 bis 1616 dauerte. Ziel ist es, die Ursachen des Aufstands zu erläutern und dabei insbesondere auf die religiöse und wirtschaftliche Situation der Stadt einzugehen. Darüber hinaus werden die daraus resultierenden wirtschaftlichen und religiösen Forderungen der Bürgerschaft betrachtet.
- Die wirtschaftliche Situation Frankfurts zu Beginn des 17. Jahrhunderts
- Die religiöse Ordnung in Frankfurt und die Konflikte zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften
- Der Verlauf des Fettmilch-Aufstandes und die Rolle der Frankfurter Juden
- Die Forderungen der Bürgerschaft in Bezug auf Religion und Wirtschaft
- Die Bedeutung des Aufstands für die Frankfurter Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel bietet eine Einleitung zum Fettmilch-Aufstand und beleuchtet dessen Bedeutung für die Frankfurter Geschichte. Im zweiten Kapitel wird die wirtschaftliche Situation Frankfurts zu Beginn des 17. Jahrhunderts dargestellt, wobei insbesondere die Rolle der niederländischen Calvinisten und die Folgen ihrer Abwanderung hervorgehoben werden. Das dritte Kapitel behandelt die religiöse Ordnung in Frankfurt und die Konflikte zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften, insbesondere zwischen den Lutheranern und den reformierten Gemeinden.
Schlüsselwörter
Fettmilch-Aufstand, Frankfurt am Main, wirtschaftliche Krise, religiöse Konflikte, Frankfurter Juden, Bürgerforderungen, Niederländische Calvinisten, Patriziat, Judenstättigkeit
Häufig gestellte Fragen
Was war der Fettmilch-Aufstand?
Ein Bürgeraufstand in Frankfurt am Main zwischen 1612 und 1616, angeführt von Vinzenz Fettmilch, der sich gegen das Patriziat und die jüdische Gemeinde richtete.
Was waren die wirtschaftlichen Ursachen des Aufstands?
Gründe waren eine wirtschaftliche Depression, Misswirtschaft des Rats sowie soziale Spannungen durch die Abwanderung wohlhabender niederländischer Calvinisten.
Welche Rolle spielten religiöse Konflikte?
Es gab starke Spannungen zwischen der lutherischen Mehrheit, den reformierten Gemeinden und der jüdischen Minderheit in der Stadt.
Wie erging es der jüdischen Gemeinde während des Aufstands?
Die Frankfurter Juden wurden Opfer gewaltsamer Übergriffe und schließlich im Jahr 1614 vorübergehend aus der Stadt vertrieben.
Was forderten die aufständischen Bürger?
Sie verlangten mehr politische Mitbestimmung, eine Reform der städtischen Finanzen sowie eine stärkere Einschränkung der Rechte der jüdischen Gemeinde.
Welche langfristige Bedeutung hatte das Ereignis?
Der Aufstand blieb lange im Gedächtnis der Stadt (siehe Goethe) und verdeutlichte die tiefen sozialen und religiösen Klüfte im Frankfurt des 17. Jahrhunderts.
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- Heidi Khair (Author), 2015, Der Fettmilch-Aufstand in Frankfurt 1614. Wirtschaftliche und religiöse Ursachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296097