‚Ich ängstige mich, also bin ich‘. Die Umdeutung des berühmten Ausspruchs von Descartes ist womöglich die kürzeste Beschreibung, die die Bedeutung der Angst für den Menschen deutlich macht. Er zeigt wie Ängste in selbstverständlicher Weise das Leben von Menschen bestimmen, ohne dass der einzelne Mensch bewusst seine Existenz daraus ableiten und erkennen würde. Die Vertrautheit des Menschen mit der naturgegebenen und auch nützlichen Angst zu leben, verschleiert die weitläufigen Bereiche der Angst, welche nicht unmittelbar als lebensbedrohlich gelten und doch das Leben von Betroffenen in erheblichen Umfang einschränken.
Es stellt sich die Frage, in wie weit sich regionale und kulturelle Parameter dafür verantwortlich zeigen. Wie können kulturelle Normen und Unterschiede soziale Angststörungen hervorrufen und wie beeinflussen oder verstärken womöglich die Intensitäten der Parameter das Krankheitsbild? Im Gegensatz zu anderen Angststörungen, die z.B. durch Traumata ausgelöst werden, sind soziale Phobien und Angststörungen individuelle Störungen, die die Verhaltensprozesse eines Betroffenen lenken. Die Vielfalt der Möglichkeiten und Variationen, die die abweichenden Verhaltensmuster von Fall zu Fall einnehmen können, erfordern im Gegenzug eine ebenso vielfältige und flexible Kenntnis darüber, wie die Normen der Gesellschaft im Umfeld eines Menschen aufgebaut sind.
Dieser Vorgehensweise liegt die Idee zugrunde, dass ein Mensch nicht in einem kulturellen Vakuum existieren kann. Denn, so die Definition des Psychologen Philip Zimbardo, die „Schwelle, ab der ein bestimmtes Verhalten ein Anpassungsproblem darstellt, hängt zumindest teilweise davon ab, wie das Verhalten im kulturellen Kontext beurteilt wird“. Die nachfolgende Untersuchung verfolgt nicht den Anspruch einen gänzlich neuen Sachverhalt zu schaffen, vielmehr soll sie einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand vermitteln und darüber hinaus die besondere Problematik einer epidemiologischen Untersuchung der sozialen Angststörung im kulturellen Kontext verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theorie und Klassifikation Phobischer Störungen
- Ätiologie der Sozialen Phobie
- Kulturelle Divergenzen
- Kulturelle Parameter
- Die Epidemiologie von phobischen Störungen
- Prävalenz und Inzidenz
- Ergebnisse und Fazit der Untersuchung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Phobie im Kontext einer kulturell divergenten Gesellschaft. Ziel ist es, die Auswirkungen regionaler und kultureller Parameter auf die deskriptive und analytische Epidemiologie von Phobien zu untersuchen. Dabei werden die Ätiologie der sozialen Phobie, kulturelle Divergenzen und die Prävalenz sowie Inzidenz von phobischen Störungen beleuchtet.
- Einfluss kultureller Parameter auf die Entstehung und Ausprägung sozialer Phobien
- Unterschiede in der Prävalenz und Inzidenz von Phobien in verschiedenen Kulturen
- Die Bedeutung der kulturellen Normen und Unterschiede für die Diagnose und Behandlung sozialer Phobien
- Die Herausforderungen der epidemiologischen Forschung im Bereich der sozialen Phobie
- Die Rolle der geographischen Komponente in der Verbreitung von Phobien
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der sozialen Phobie ein und stellt die Relevanz der Untersuchung im Kontext kultureller Diversität heraus. Es wird die Frage aufgeworfen, inwieweit regionale und kulturelle Parameter die Entstehung und Ausprägung sozialer Phobien beeinflussen.
Das Kapitel "Theorie und Klassifikation Phobischer Störungen" behandelt die Definition und Einordnung phobischer Störungen im ICD-10 Code und DSM-IV bzw. DSM-IV-TR. Es werden die Unterschiede zwischen den beiden Klassifikationssystemen und die Herausforderungen bei der epidemiologischen Forschung im Bereich der Phobischen Störungen erläutert.
Das Kapitel "Die Epidemiologie von phobischen Störungen" befasst sich mit der Prävalenz und Inzidenz von phobischen Störungen. Es werden verschiedene epidemiologische Ansätze vorgestellt und die Bedeutung kultureller Parameter für die Interpretation der Ergebnisse diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die soziale Phobie, kulturelle Diversität, regionale Parameter, deskriptive und analytische Epidemiologie, Prävalenz, Inzidenz, ICD-10 Code, DSM-IV, kulturelle Normen, kulturelle Unterschiede, geographische Komponente, phobische Störungen, Angststörungen, Verhaltensprozesse, Anpassungsproblem, kultureller Kontext.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine soziale Phobie?
Eine soziale Phobie ist eine Angststörung, bei der Betroffene extreme Angst vor Bewertung oder Ablehnung in sozialen Situationen empfinden.
Welchen Einfluss hat die Kultur auf soziale Ängste?
Kulturelle Normen bestimmen mit, welches Verhalten als „normal“ oder „auffällig“ gilt, was die Schwelle für eine Diagnose beeinflusst.
Was bedeuten Prävalenz und Inzidenz in der Forschung?
Prävalenz bezeichnet die Gesamtzahl der Erkrankten zu einem Zeitpunkt, Inzidenz die Zahl der Neuerkrankungen in einem Zeitraum.
Gibt es regionale Unterschiede bei Angststörungen?
Ja, die Häufigkeit und die Ausprägung von Symptomen können je nach geografischer Lage und gesellschaftlichem Kontext stark variieren.
Wie werden phobische Störungen klassifiziert?
Die Klassifikation erfolgt meist nach internationalen Systemen wie dem ICD-10 oder dem DSM-IV.
- Quote paper
- Frank Hainke (Author), 2012, Soziale Phobien innerhalb einer kulturell divergenten Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293388