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Machiavellis Principe im Kontext zeitgenössischer Fürstenspiegel

Titel: Machiavellis Principe im Kontext zeitgenössischer Fürstenspiegel

Hausarbeit , 2004 , 16 Seiten , Note: 1.3

Autor:in: Philipp-Henning v. Bruchhausen (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Einleitung

Niccolò Machiavellis Principe hat Kontroversen ausgelöst wie kaum ein anderes Traktat über die Politik. 1513 verfaßte der damals arbeitslose Machiavelli seine bekannteste und berüchtigtste Schrift mit einer Widmung an Lorenzo de Medici, nicht zuletzt um in die Gunst der neuen alten Florentiner Machthaber zu kommen. Im Jahre 1532 , fünf Jahre nach Machiavellis Tod, wurde es mit der noch jungen Technik des Buchdrucks weit verbreitet, nur um wenig später der Zensur des Klerus an Heim zu fallen. Dies tat der Bekanntheit des „Fürsten“ allerdings keinen Abbruch. Seit dem 16. Jahrhundert scheiden sich prominente Geister an diesem Werk und bis heute ist der Ruf Machiavellist zu sein, einer Politikerkarriere durchaus abträglich . Für die einen, die Moralisten, ist Machiavelli ein „Lehrer des Bösen“( Leo Strauß), der rücksichtslose Machtpolitik samt Mord, Betrug und Heuchelei predigt oder doch zumindest in Kauf nimmt. Der „alte Fritz“ in seinen jungen Jahren als Kronprinz, sah sich gar genötigt , in seinem „Anti-Machiavel“ die Ideale des Humanismus gegen den „Unmenschen“ zu verteidigen, nur um dann als König seine Ratschläge zu befolgen . Die anderen, wie J. G. Fichte, verehren Niccolò Machiavelli als Vordenker der Staatsraison und als denjenigen , der die Politik von den antiken und mittelalterlichen Vorstellungen von Ethik und Religion trennte und damit die empirische Wissenschaft von der Politik erst möglich machte. In dieser von Polemik bestimmten Atmosphäre nahmen nur wenige eine differenzierte Position ein , indem sie den „Fürst“ in den historischen Kontext setzten, wobei wiederum die Frage aufkommen muß, ob und inwieweit Machiavellis Ratschläge noch aktuell sind. Die Ambivalenz des Themas wird in Marlowe´s Prolog zum „Juden von Malta“ recht deutlich, wo er Machiavelli über sich selbst sagen läßt: Es staunt mich an, wer mich am meisten haßt; Wenn man auch offen meine Bücher schilt, Liest man sie doch und kommt durch sie empor !

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Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Was Machiavelli mit dem Principe bezweckte

III. Machiavellis pessimistisches Menschenbild und Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens

IV. Die Zyklen der Geschichte und der „Uomo virtuoso“

V. Der Principe und die Fürstenspiegeltradition; Eine abschließende Betrachtung

VI. verwendete Literatur

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Niccolò Machiavellis Werk "Il Principe" im historischen Kontext der Fürstenspiegeltradition, um aufzuzeigen, wie Machiavelli durch die Säkularisierung der Politik und ein pessimistisches Menschenbild die Grundlagen für ein modernes politisches Denken legte. Ziel ist es, die interne Logik seiner Machttheorie und die zentrale Figur des "Uomo virtuoso" zu analysieren.

  • Analyse des Machiavellischen Menschen- und Geschichtsbildes
  • Untersuchung der zyklischen Geschichtsauffassung
  • Interpretation der Kunstfigur des "Uomo virtuoso"
  • Gegenüberstellung des "Principe" zur traditionellen Fürstenspiegel-Literatur
  • Bedeutung von Macht, Virtu und Fortuna für die Staatsgründung

Auszug aus dem Buch

III. Machiavellis pessimistisches Menschenbild und Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens

Renaissancedichter wie Petrarca, Ficino und Mirandola lobten ihre Zeit und ganz besonders ihre Stadt, als neues goldenes Zeitalter, das sich aus der Finsternis des düsteren Mittelalters erhob. Ohne die Bezeichnung „Renaissance“(Vasari) zu kennen, feierten sie die Wiedergeburt der Künste und Werte der Antike. Anstatt des „Todesschlafes“ des Mittelalters, suchten die Menschen nun nach Ruhm im Diesseits, und der daraus resultierende verstärkte Individualismus, machte die alten Denkmodelle der christlichen Eschatologie obsolet, auch wenn es immer wieder zu „Rückfällen“ ins alte System kam, von der kurzen Herrschaft des Predigers Savonarola ganz zu schweigen .Anstelle dessen vertraten die Humanisten, in deren Tradition Machiavelli ausgebildet wurde und sich auch selbst verstand, das antike Denken: Anstelle des linearen Ablaufs der christlichen Heilsgeschichte, trat wieder das antike Denken in Zyklen von Aufstieg und Fall und damit verbunden das Dogma von der Unveränderlichkeit der menschlichen Natur.

Doch im Gegensatz zu Pico della Mirandola, der den Menschen als ein Geschöpf betrachtet, daß frei von göttlicher Vorbestimmung seine eigene Existenz definieren kann, wie immer es will, sieht Machiavelli eher die negativen Konsequenzen dieser völligen Unbestimmtheit. Er sieht weniger den Menschen als die Menschen ,und jene sind zwar nicht grundsätzlich, aber im Zweifel schlecht. Machiavelli trennt sehr scharf zwischen Privatsphäre und politischem Handeln: Während er selbst durchaus von der Lehre des Aristoteles vom Zoon Politikon durchdrungen war und dem Bürger ein Leben nach hohen ethischen Grundsätzen abverlangte, lehrt er doch andererseits den Fürsten , daß er keine Rücksicht auf Moral und Sitte nehmen darf ,wenn die Lage es verlangt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die kontroverse Wirkungsgeschichte von Machiavellis Principe ein und umreißt die unterschiedlichen Interpretationsansätze von der Renaissance bis in die Moderne.

II. Was Machiavelli mit dem Principe bezweckte: Hier wird der spezifische Kontext der Entstehung des Werkes als politisches Handbuch für neue Fürsten in einer krisengeschüttelten Zeit analysiert.

III. Machiavellis pessimistisches Menschenbild und Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens: Das Kapitel erläutert das auf dem antiken Zyklendenken basierende Geschichtsbild und die daraus abgeleitete anthropologische Annahme der menschlichen Unbeständigkeit.

IV. Die Zyklen der Geschichte und der „Uomo virtuoso“: Der Autor beschreibt hier die zyklische Degeneration von Verfassungsformen und die Rolle des charismatischen "Uomo virtuoso" als notwendigem Akteur zur Staatsgründung.

V. Der Principe und die Fürstenspiegeltradition; Eine abschließende Betrachtung: Das Kapitel schließt mit einer Bewertung der Radikalität von Machiavellis Bruch mit der mittelalterlichen Ethik und der Einordnung seines Beitrags zur Säkularisierung der Politik.

VI. verwendete Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit herangezogenen Quellen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Niccolò Machiavelli, Il Principe, politische Theorie, Fürstenspiegel, Uomo virtuoso, Virtu, Fortuna, Machtpolitik, Geschichte, Renaissance, Säkularisierung, Menschenbild, Staatsraison, Historismus, politische Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Machiavelli in seinem Werk "Il Principe" die traditionellen moralischen Vorstellungen der damaligen Fürstenspiegel durch eine am Machterhalt orientierte, säkularisierte Realpolitik ersetzt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse des Menschenbildes, der zyklischen Geschichtsauffassung und der Rolle der Figur des "Uomo virtuoso" bei der Gründung und Stabilisierung von Staaten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel besteht darin, die interne Logik und die innovative Herangehensweise Machiavellis aufzuzeigen, indem sein Denken in den Kontext der Renaissance-Politik und der antiken Vorbilder gestellt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine interpretativ-analytische Methode, bei der das Werk "Il Principe" in Verbindung mit den "Discorsi" auf der Basis einschlägiger politikwissenschaftlicher Sekundärliteratur kritisch beleuchtet wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Machiavellis Menschenbild, seine Lehre vom zyklischen Wandel der Geschichte sowie die Funktionen und Aufgaben des "Uomo virtuoso" als idealisierter Führungspersönlichkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem über die Begriffe Machiavelli, Principe, Virtu, Fortuna, Machtpolitik, Realismus und Säkularisierung definieren.

Inwiefern unterscheidet sich Machiavellis Verständnis vom "guten Fürsten" von zeitgenössischen Humanisten?

Während Humanisten wie Erasmus von Rotterdam einen "guten" Fürsten über christliche Moral und Tugend definierten, postuliert Machiavelli, dass ein Fürst im Sinne der Notwendigkeit (Necessita) handeln muss, was auch moralisch fragwürdige Mittel wie List oder Härte einschließt, um die Stabilität des Staates zu sichern.

Was ist die Funktion des "Uomo virtuoso" in der Theorie von Machiavelli?

Der "Uomo virtuoso" agiert als eine Art "Deus ex machina" in Phasen des politischen Verfalls. Er nutzt seine Fähigkeiten, um nach einem Zusammenbruch der Ordnung ein neues Staatswesen mit stabilen Institutionen zu schaffen, und gibt die Macht anschließend an führende Köpfe ab, um den Fortbestand des Werkes zu sichern.

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Details

Titel
Machiavellis Principe im Kontext zeitgenössischer Fürstenspiegel
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (GSI)
Veranstaltung
Grundkurs
Note
1.3
Autor
Philipp-Henning v. Bruchhausen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V28957
ISBN (eBook)
9783638305983
ISBN (Buch)
9783656468868
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavellis Principe Kontext Fürstenspiegel Grundkurs
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Philipp-Henning v. Bruchhausen (Autor:in), 2004, Machiavellis Principe im Kontext zeitgenössischer Fürstenspiegel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28957
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Leseprobe aus  16  Seiten
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