Einleitung
Die Förderung von Sozialkompetenzen erhält u.a. in der Berufsbildung aus unterschiedlichen Gründen eine hohe Priorität. Dies ergibt sich aus den neu gefassten Rahmenlehrplänen der Berufe und den Anforderungen der Wirtschaft an Schulabgänger1. Damit werden Sozialkompetenzen einerseits immer gefragter, andererseits können sie nicht mehr als selbstverständliches Ergebnis gesellschaftlicher Sozialisationsprozesse vorausgesetzt werden.2 Am Beispiel des Entwurfes des Hamburger Bildungsplans für Friseure wird deutlich, dass die folgende Definition des Begriffes der Sozialkompetenz nicht eindeutig ist: „Sozialkompetenz bezeichnet die Bereitschaft und Fähigkeit, soziale Beziehungen zu leben und zu gestalten, Zuwendungen und Spannungen zu erfassen, zu verstehen sowie sich mit anderen rational und verantwortungsbewusst auseinander zu setzen und zu verständigen. Hierzu gehört insbesondere auch die Entwicklung sozialer Verantwortung und Solidarität.“3
Dieser Meinung sind auch die Autoren Dieter Euler und Monika Reemtsma-Theis: „Häufig stellt der Ruf nach Sozialkompetenzen nicht mehr dar, als eine unbestimmte Forderung, als ein positiv besetzter Sammelbegriff für ein Konglomerat vielfältiger Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen.“4 Wir möchten mit unserer Arbeit zur Präzisierung des Begriffs Sozialkompetenz mit Hilfe des Grundmodells des sozial-kommunikativen Handelns von Euler/Reemtsma-Theis beitragen. Dabei wollen wir folgendermaßen vorgehen: Im zweiten Kapitel werden wir das Grundmodell nach Euler/Reemtsma-Theis darstellen und im dritten Kapitel Lernphasen zur Entwicklung von Handlungskompetenzen nach Euler an Hand einer von uns gewählten Konfliktsituation erläutern. Im vierten Kapitel prüfen wir die Unterrichtsmethode „Rollenspiel“ auf ihre Eignung zur Förderung von Sozialkompetenzen. Wir werden versuchen die im zweiten Kapitel erarbeiteten Kompetenzbereiche verschiedenen Rollenspieltypen zuzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundmodell des sozial-kommunikativen Handelns nach Euler/Reemtsma-Theis
2.1 Agentiver Schwerpunkt
2.2 Reflexiver Schwerpunkt
2.2.1 Reflexiver Schwerpunkt (1): Klärung der Ausprägung und Bedeutung von situativen Bedingungen des sozial-kommunikativen Handelns
2.2.2 Reflexiver Schwerpunkt (2): Klärung der Ausprägung und Bedeutung von personalen Bedingungen des sozial-kommunikativen Handelns
2.3 Sozial-kommunikative Handlungskompetenzen im Hinblick auf die Bewegung zwischen Aktion und Reflexion
3. Systematisierung von Lernphasen zur Entwicklung von sozial-kommunikativen Handlungskompetenzen nach Euler
4. Rollenspiele – geeignete Methode zur Förderung von Sozialkompetenzen?
4.1 Warum handlungsorientierte Methoden?
4.2 Begriffliche Grundlagen
4.3 Vor- und Nachteile des Rollenspiels
4.4 Rollenspieltypen
4.4.1 Welchen Typ Rollenspiel kann man für welche Kompetenzen einsetzen?
5. Abschluss
6. Verzeichnisse
6.1 Abbildungsverzeichnis
6.2 Literaturverzeichnis
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit zielt darauf ab, den Begriff der Sozialkompetenz durch das Grundmodell des sozial-kommunikativen Handelns nach Euler/Reemtsma-Theis zu präzisieren und zu untersuchen, wie entsprechende Handlungskompetenzen in der Berufsbildung entwickelt werden können. Dabei wird geprüft, ob sich das Rollenspiel als geeignete Lehrmethode eignet, um soziale und kommunikative Kompetenzen gezielt zu fördern.
- Präzisierung des Begriffs der Sozialkompetenz im beruflichen Kontext
- Analyse des Grundmodells des sozial-kommunikativen Handelns
- Systematisierung von Lernphasen zur Entwicklung von Handlungskompetenz
- Eignung und Grenzen von Rollenspielen als handlungsorientierte Unterrichtsmethode
- Verzahnung von praktischen Erfahrungen mit theoretischen Reflexionen
Auszug aus dem Buch
4.4 Rollenspieltypen
Das Rollenspiel ist eine Kommunikationsform. Wie andere, so kann auch diese Form der Kommunikation für bloße Mitteilungen, für die Sichtbarmachung oder Auslösung von Emotionen, Diskussionen und Überzeugungsversuchen oder auch für weitere Absichten genutzt werden. Die Worte sind dieselben – was sich unterscheidet, sind die Intentionen. Unterschiedliche Rollenspiele verlangen unterschiedliche Wege; die Einführung in das Spiel, die Beschreibung der Rollen, der Verlauf und die Folgeaktivitäten werden je nach Art des verwendeten Typs variiert.
Van Ments unterscheidet zwischen Rollenspielen, die sich mit der Übung von Fähigkeiten und Fertigkeiten befassen, und solchen, in denen es um Änderungen im Verständnis, von Gefühlen und Einstellungen geht. Beide Grundkonzeptionen weisen sechs Funktionen auf: Beschreiben, Demonstrieren, Üben, Reflektieren, Sensibilisieren und Kreieren.
Die so erfolgte Kategorisierung von Rollenspielen wurde von van Ments erstellt und erprobt und unterscheidet zwischen verschiedenen Forderungen an die Informations-, Verlaufs- und Auswertungsphase.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der hohen Priorität von Sozialkompetenzen in der Berufsbildung und die Zielsetzung der Arbeit, diese durch das Euler-Modell zu präzisieren.
2. Grundmodell des sozial-kommunikativen Handelns nach Euler/Reemtsma-Theis: Erläuterung des Modells mit seinen zwei Schwerpunkten (agentiv und reflexiv) sowie der Bedeutung von situativen und personalen Bedingungen.
3. Systematisierung von Lernphasen zur Entwicklung von sozial-kommunikativen Handlungskompetenzen nach Euler: Vorstellung der Lernschritte, die von unbewusster Inkompetenz zur bewussten Routine führen, illustriert an einer Konfliktsituation.
4. Rollenspiele – geeignete Methode zur Förderung von Sozialkompetenzen?: Untersuchung des Rollenspiels als handlungsorientierte Methode sowie eine Differenzierung in verschiedene Rollenspieltypen und deren spezifische Eignung für Kompetenzbereiche.
5. Abschluss: Reflexion über die Bedeutung sozialer Kompetenzen für Berufseinsteiger und die Rolle der Ausbilder bei der Vermittlung sowie die Grenzen der Anwendbarkeit von Rollenspielen.
6. Verzeichnisse: Auflistung der Abbildungen und der verwendeten Literatur.
7. Anhang: Detailliertes Beispielskript einer Konfliktsituation zwischen Patient und Arzthelferin zur praktischen Veranschaulichung.
Schlüsselwörter
Sozialkompetenz, Handlungskompetenz, Berufsbildung, sozial-kommunikatives Handeln, Euler, Reemtsma-Theis, Rollenspiel, handlungsorientierte Methoden, Lernphasen, Reflexion, Kommunikation, Arzthelferin, Patient, Kompetenzentwicklung, Unterrichtsmethode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Förderung sozial-kommunikativer Kompetenzen in der beruflichen Bildung und der theoretischen Klärung dieses Begriffs anhand eines wissenschaftlichen Modells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Grundmodell des sozial-kommunikativen Handelns von Euler/Reemtsma-Theis, die Systematisierung von Lernphasen und die Eignung des Rollenspiels als Lehrmethode.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Präzisierung des Sozialkompetenzbegriffs und die Diskussion, wie durch gezielte Lernphasen und Methoden wie das Rollenspiel diese Kompetenzen bei Auszubildenden entwickelt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine literaturgestützte Analyse theoretischer Modelle sowie deren Anwendung und Illustration an einem fiktiven Praxisbeispiel (Konfliktsituation Patient/Arzthelferin).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Euler-Modells, die Herleitung von Lernschritten zur Kompetenzentwicklung und die kritische Prüfung des Rollenspiels als didaktisches Werkzeug.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Sozialkompetenz, Handlungsorientierung, Berufspädagogik, Rollenspiel und Kommunikation beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem agentiven und dem reflexiven Schwerpunkt so wichtig?
Diese Unterscheidung verdeutlicht, dass Kommunikation sowohl aktives Handeln als auch die bewusste Reflexion über situative und personale Bedingungen erfordert, um Störungen im Gespräch zu bewältigen.
Welchen Stellenwert nimmt die "Konfliktsituation Patient – Arzthelferin" im Dokument ein?
Dieses Beispiel dient als konkretes, praxisnahes "Drehbuch", um die abstrakten theoretischen Lernschritte des Euler-Modells sowie den Nutzen verschiedener Rollenspieltypen anschaulich zu demonstrieren.
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- Christin Mosebach (Author), Christine Steinhagen (Author), 2002, Soziale und kommunikative Kompetenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28920