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Vanitas und aeternitas. Von der Sünde zum Seelenheil in Gryphius’ "Cardenio und Celinde, Oder Unglücklich Verliebete"

Titel: Vanitas und aeternitas. Von der Sünde zum Seelenheil in Gryphius’ "Cardenio und Celinde, Oder Unglücklich Verliebete"

Seminararbeit , 2014 , 27 Seiten , Note: 5,5 (= 1,5 in D)

Autor:in: Jelena Zagoricnik (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Gryphius schrieb sein Trauerspiel Cardenio und Celinde kurz nach dem Ende des Dreissigjährigen Krieges: Zu einer Zeit, in der sich die Menschen der Gerechtigkeit Gottes – der nicht nur die schlechten, sondern auch die guten Menschen straft – nicht mehr sicher waren und zu der eine unglaublich starke Furcht vor dem Tod herrschte. Dies stellt somit auch aus der Sicht der Kirche eine äusserst kritische Zeit dar, in der bei einigen Menschen eine allmähliche Säkularisierung des Denkens einsetzte, die schliesslich zu „eine[r] wachsende[n] Zahl religiöser Einzelgänger [führte], die mit zentralen Lehren des christlichen Glaubens br[a]chen“ oder sich gar von der Religion abwandten. Aus dem erregten Missfallen über die mangelnde Gläubigkeit und die unchristliche Lebensweise vieler Menschen, kamen im 17. Jahrhundert die ersten pietistischen Gedanken und Diskurse auf, die den Pfad für den Pietismus ebneten, der danach strebte, die Frömmigkeit der Christen mit Erbauungsliteratur wieder aufleben zu lassen. Da diese frühpietistischen Gedanken bereits existierten, als Gryphius – der in „vielfältigen Beziehungen zur Frömmigkeitsbewegung stand“ – sein Trauerspiel verfasste, und sein Werk unmissverständlich den didaktischen Zweck der Rückführung zum Glauben und zu einer gottgefälligen Lebenseinstellung, die zum Seelenheil führt, zu erfüllen sucht, kann man auch vermuten auf was für ein Typ von Zuschauern sein Werk zugeschnitten war. Daher werden dem Publikum nicht ein adeliger vorbildlicher Held und – um beiden Geschlechtern gerecht zu werden – eine ebensolche Heldin vorgestellt. Es werden ihm zur besseren Identifizierung – und somit zur Erreichung einer tieferen Katharsis – zwei in Sünden und lasterhafte Affekte verstrickte Protagonisten aus dem gehobenen städtischen Bürgertum, namens Cardenio und Celinde, präsentiert, deren Geschichte ihm als ein lehrreicher Warnungs- und „Traur-Spiegel“ dienen soll. Die beiden sündigen Hauptfiguren hinterfragen und ändern ihre gegenwärtige Lebenseinstellung erst nach den warnenden und schreckenerregenden Gespenster- und Toten-Begegnungen. Ihnen wird ihre beschränkte Zeit auf Erden, die Vergänglichkeit allen Irdischen (vanitas) und die Todverfallenheit des Menschen bewusst, welche jedoch in engem Zusammenhang mit dem späteren ewigen Leben im Jenseits (aeternitas) steht.
Doch in welche Sünden verstricken sich Cardenio und Celinde eigentlich im Laufe des Dramas? [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbemerkungen zum Drama

2.1. Quellen

2.2. Die Gattung ‚Trauerspiel’ und Gryphius’ Variante

3. Cardenios Laster und Sünden

4. Celindes Laster und Sünden

5. Der Zeitreyen der 3. Abhandlung

6. Sündeneinsicht und Bekehrung der Protagonisten

7. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Trauerspiel „Cardenio und Celinde“ von Andreas Gryphius mit dem Ziel, die Darstellung von Sünden, die Bedeutung von Vanitas und Aeternitas sowie den Prozess der Bekehrung der beiden Protagonisten unter Berücksichtigung zeitgenössischer religiöser Diskurse zu analysieren.

  • Religiöse Didaktik und die Rückführung zum Glauben
  • Analyse der Kardinalssünden und leidenschaftlicher Affekte
  • Die Funktion der Vanitas-Symbolik und Memento-Mori-Motive
  • Göttliches Eingreifen und die Bekehrung der Protagonisten
  • Die Abweichung von der barocken Ständeklausel

Auszug aus dem Buch

3. Cardenios Laster und Sünden

Wie in in der Einleitung bereits erwähnt, geht es Gryphius darum, “zweyerley Liebe: Eine keusche / sitsame vnd doch inbrünstige in Olympien: eine rasende / tolle vnd verzweifflende in Celinden, abzu-bilden”31. Celinde ist jedoch nicht die einzige, die eine rasende, tolle und verzweifelte Liebe empfindet, auch Cardenio verwickelt sich in dieses Laster. Des Weiteren betont Gryphius, dass man “hierinnen als in einem kurtzen Begriff / alle diese Eitelkeiten in welche die verirrete Jugend gerathen mag / erblicken [wird]. Cardenio suchet was er nicht finden kann vnd nicht suchen sollte.“32 Auf der Grundlage dieser Vorrede machen wir uns jetzt auf die Suche nach Cardenios Sünden und „Eitelkeiten“ seiner verirrten Jugend.

Die erste Abhandlung, der man neben der Funktion einer Exposition, auch diejenige einer Selbstcharakterisierung Cardenios zuweisen kann,33 gibt uns bereits viel Auskunft über Cardenios – zwar bereits selbst eingesehenen, jedoch noch nicht im vollen Ausmass bereuten – Sünden. In diesem 516 Verse langen retrospektiven Monolog – der lediglich durch kleinere Fragen, Bemerkungen oder Hervorhebungen seines Freundes Pamphilius pausiert wird – wird uns ein vor stürmischer Leidenschaft strotzender und dem Schicksal trotzender Cardenio gezeigt. Er ist entschlossen, die verhasste Stadt Bologna – wo er „in schnöder Lust / in toller Eitelkeit / Und grimmer Angst verthan die beste Lebens-Zeit“ (I, 3f.)34 – nach seinem Racheakt an Lysander, zu verlassen. Nach einer Wehklage darüber, wie ein „verfälschte[r] Wahn“, „ein thöricht Weib“ und die „herbe Lust“, seine „Weissheit“ und seinen „hohen Sinn“ betrübt haben (vgl. I, 6-8) und ihm seine einstige Grösse und Ruhm geraubt haben (I, 9-16), beginnt Cardenio davon zu erzählen, wie er „von dem Pfad der Tugend“ (I, 34) abgekommen ist.35 Cardenio zufolge, soll dies Pamphilius als „ein Warnungs-Spiegel“ (I, 36) dienen, obwohl er sich selbst nicht darin erkennt und sich seine eignen Worte auch in Zukunft nicht zu Herzen nimmt.36

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den didaktischen Zweck des Werkes, das in einer krisenhaften Zeit religiöse Rückbesinnung und Heilserwerb im Alltag thematisieren soll.

2. Vorbemerkungen zum Drama: Dieser Abschnitt behandelt die Quellen des Dramas, die Gattungsproblematik sowie Gryphius' Abweichungen von der zeitgenössischen Regelpoetik.

3. Cardenios Laster und Sünden: Das Kapitel analysiert die Selbstcharakterisierung Cardenios und zeigt auf, wie Stolz und Sinnenlust zur Abkehr von tugendhaftem Verhalten führen.

4. Celindes Laster und Sünden: Hier wird Celindes moralischer Verfall, bedingt durch ihre verhängnisvolle Liebe und ihre Verzweiflung, detailliert untersucht.

5. Der Zeitreyen der 3. Abhandlung: Dieses Kapitel interpretiert die allegorische Darstellung der Vergänglichkeit und die Mahnung zur rechten Nutzung der Lebenszeit.

6. Sündeneinsicht und Bekehrung der Protagonisten: Es wird der Prozess dargestellt, durch den die Protagonisten mittels göttlicher Warnungen zur Erkenntnis und Umkehr gelangen.

7. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, wie Gryphius durch die exemplarische Bekehrung der Protagonisten dem Publikum den Weg zur gottgefälligen Lebensführung verdeutlicht.

Schlüsselwörter

Andreas Gryphius, Cardenio und Celinde, Barock, Trauerspiel, Vanitas, Aeternitas, Bekehrung, Memento Mori, Kardinalssünden, religiöse Didaktik, Sündenfall, Erlösung, 17. Jahrhundert, Theatrum Mundi, Seelenheil.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Gryphius’ Trauerspiel als religiöses Lehrstück, das den moralischen Verfall und die Bekehrung zweier Protagonisten in einer durch den Dreissigjährigen Krieg geprägten Zeit untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Themen gehören die barocke Vanitas-Symbolik, der Konflikt zwischen weltlichen Affekten und christlicher Tugend sowie die Bedeutung der göttlichen Vorsehung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie Cardenio und Celinde von sündhaften, leidenschaftlichen Zuständen zur religiösen Einsicht und Bekehrung gelangen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textnahen literaturwissenschaftlichen Analyse unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur und zeitgenössischer religiöser Diskurse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Sündenentwicklung der Protagonisten, der Funktion der allegorischen Reyen und der schliesslichen Bekehrung durch göttliche Zeichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird massgeblich durch Begriffe wie Vanitas, Aeternitas, Memento Mori, Barock, Sündeneinsicht und religiöse Didaktik bestimmt.

Warum weicht Gryphius von der barocken Ständeklausel ab?

Gryphius wählt bürgerliche Protagonisten, um eine Identifikation des Publikums zu ermöglichen und die religiöse Didaxe als für jeden Menschen relevant darzustellen.

Welche Rolle spielt das Gespenst im Transformationsprozess der Figuren?

Das Gespenst fungiert als göttlicher Sendbote, der den Protagonisten die Vergänglichkeit ihrer irdischen Ziele vor Augen führt und sie zur Umkehr zwingt.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vanitas und aeternitas. Von der Sünde zum Seelenheil in Gryphius’ "Cardenio und Celinde, Oder Unglücklich Verliebete"
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Vanitas-Lyrik
Note
5,5 (= 1,5 in D)
Autor
Jelena Zagoricnik (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V286374
ISBN (eBook)
9783656866398
ISBN (Buch)
9783656866404
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cardenio und Celinde Gryphius Seelenheil vanitas aeternitas Sünde Unglücklich Verliebete
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jelena Zagoricnik (Autor:in), 2014, Vanitas und aeternitas. Von der Sünde zum Seelenheil in Gryphius’ "Cardenio und Celinde, Oder Unglücklich Verliebete", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286374
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Leseprobe aus  27  Seiten
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