„Nicht die Einsprachigkeit, sondern die Mehrsprachigkeit stellt den Normalfall dar; Einsprachigkeit ist ein kulturbedingter Grenzfall.“ (Lüdi, 2001: 423)
Für diese Arbeit, zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (M.A.), soll der von Lüdi geklärte 'Normalfall' herangezogen werden: Das Thema der Mehrsprachigkeit wird hier im Rahmen der Sprachkontaktforschung behandelt. Diese Arbeit konzentriert sich auf die Phänomene zweisprachiger Sprecher, die ein großes Teilgebiet der Sprachkontaktforschung einnehmen; Code-Switching und Interferenzen. Das zu untersuchende Sprachpaar ist Deutsch-Kalabresisch (Malitano).
Um einen Einstieg in die Thematik zu gewähren, wird in Kapitel 2 zunächst der Begriff Sprachkontakt geklärt sowie seine langfristigen Ergebnisse aufgeführt. Kapitel 3 stellt ausführlich die Sprachkontaktphänome Code-Switching, Code-Mixing und Transfer und Interferenz im Einzelnen vor. Gleichzeitig werden in der Literatur vorherrschende Tendenzen bezüglich [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachkontakt
2.1 Was ist Sprachkontakt?
2.2 Wie wirkt sich Sprachkontakt aus?
3. Sprachkontaktphänomene
3.1 Stand der Forschung
3.1.1. Code-Switching: Definitionen und Funktionen
3.1.1.1 Funktionales Code-Switching
3.1.1.2 Nicht-funktionales Code-Switching
3.1.1.3 Grammatische Bestimmung und Beschränkungen von Code-Switching
3.1.2 Code-Mixing: Definitionen und Funktionen
3.1.2.1 Klassifikationskriterien für Code-Mixing
3.1.3 Transfer und Interferenz
3.1.3.1 Morphologische Interferenzen
3.1.3.2 Lexikalische Interferenzen
3.1.3.3 Syntaktische Interferenzen
4. Sprachkontakt vs. Varietätenkontakt
4.1 Was ist Varietätenkontakt?
4.2 Wie wirkt sich Varietätenkontakt aus?
4.3 Sprachkontaktphänomene beim Varietätenkontakt
4.3.1 Gradata und Interferenzen in der italienischen Sprache
4.3.2 Code-Switching innerhalb der Gradata
5. Migration und Sprache
5.1 Zur sprachlichen Situation italienischer Migranten in Deutschland
6. Analyse
6.1 Corpuserstellung: Erhebung soziolinguistischer Daten
6.2 Vorstellung der Probanden
6.3 Corpusanalyse
6.3.1 Beispiele für Code-Switching
6.3.1.1 Funktionales Code-Switching
6.3.1.1.1 Ausblicke für funktionales Code-Switching
6.3.1.2 Beispiele für nicht-funktionales Code-Switching
6.3.2 Beispiele für Code-Mixing
6.3.3 Beispiele für Transfer und Interferenz
6.3.3.1 Morphologische Interferenzen
6.3.3.2 Lexikalische Interferenzen
6.3.3.3 Syntaktische Interferenzen
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene des Sprachkontakts bei italienischen Migranten in Deutschland, insbesondere den Wechsel zwischen dem italienischen Dialekt (Malitano) und der deutschen Sprache. Das Hauptziel ist es, auf Basis einer Korpusanalyse zu erforschen, wie Sprachkontaktphänomene wie Code-Switching, Code-Mixing, Transfer und Interferenzen in der natürlichen Kommunikation dieser Probandengruppe auftreten und welche soziolinguistischen Faktoren diesen Sprachgebrauch beeinflussen.
- Grundlagen der Sprachkontaktforschung und Definition zentraler Begriffe
- Analyse von Code-Switching, Code-Mixing und Interferenzen
- Untersuchung von Varietätenkontakt bei italienischen Dialektsprechern
- Soziolinguistische Situation italienischer Migranten in Deutschland
- Empirische Auswertung soziolinguistischer Daten anhand eines Korpus
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Funktionales Code-Switching
Aus soziolinguistischer Perspektive wird die Frage behandelt weshalb Code-Switching in einem spezifischen Kontext auftritt, und nicht, ob dabei eine bestimmte grammatische Regel der beiden beteiligten Sprachen verletzt wird, wie es bei späteren Untersuchungen der Fall ist (vgl. Kapitel 3.1.1.3). Hierbei ist das Code-Switching auch abhängig vom linguistischen Kontext und der sozialen Umgebung des Sprechers.44
Wie bereits erwähnt, wurde das Phänomen Code-Switching von Gumperz im Rahmen der Diskursstrategie eingeführt. Laut Gumperz sind beim Code-Switching die Sprachwahl und das Gesprächsthema besondere Faktoren, die bei der Analyse von Mischungen zu untersuchen gilt, denn durch sie verfolgt der Sprecher eine bestimmte Diskursstrategie.45 Der Sprachwechsel ist also beim funktionalen Code-Switching laut Gumperz durch äußere Faktoren oder strategische Gründe motiviert, demzufolge unterscheidet er zwischen situationellem und konversationellem Code-Switching.46
Zur situationellen Form des Code-Switchings gehören äußere Faktoren wie z.B. Gesprächspartner, Ort der Kommunikation und Gesprächsthema.47 Die Anzeige von Adressaten oder das Hervorheben von bestimmten Nachrichtenteilen sind hier beispielhafte Formen von situationellem Code-Switching.
Aus konversationeller Sicht verfolgt der Wechsel einen kommunikativen Effekt, der diskursstrategisch begründet ist.48 Eine der häufigsten Formen von konversationellem Code-Switching ist das Zitieren in einer der beteiligten Sprachen, um einen genauen Wortlaut oder eine Stimmlage wiederzugeben, was mit einer Übersetzung nicht möglich wäre.49 Auch Dialogpausen und Themenwechsel sind Formen des konversationellem Code-Switchings und dienen als sogenannte Kontextualisierungshinweise (contextualisation cue), sie kündigen demnach einen Wechsel des Gesprächskontextes an.50 Ein Beispiel zur Veranschaulichung eines solchen Wechsels ist:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Mehrsprachigkeit und Sprachkontaktforschung ein und skizziert die Fragestellung und den Aufbau der Arbeit.
2. Sprachkontakt: Hier werden theoretische Grundlagen des Begriffs Sprachkontakt und dessen soziolinguistische Auswirkungen, einschließlich des Konzepts der Diglossie, erläutert.
3. Sprachkontaktphänomene: Dieses Kapitel definiert detailliert die Phänomene Code-Switching, Code-Mixing, Transfer und Interferenz auf Basis des aktuellen Forschungsstands.
4. Sprachkontakt vs. Varietätenkontakt: Die theoretische Abgrenzung zwischen Sprach- und Varietätenkontakt sowie die Auswirkungen auf Dialektsprecher werden hier untersucht.
5. Migration und Sprache: Dieser Abschnitt beleuchtet die sprachliche Situation italienischer Migranten in Deutschland sowie Aspekte der Identität und des Sprachrepertoires.
6. Analyse: Im Hauptteil wird die empirische Korpusanalyse durchgeführt, bei der erhobene Daten zu Code-Switching, Code-Mixing und Interferenzen ausgewertet werden.
7. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bewertet die Bestätigung theoretischer Tendenz in der Praxis.
Schlüsselwörter
Sprachkontakt, Mehrsprachigkeit, Code-Switching, Code-Mixing, Transfer, Interferenz, Varietätenkontakt, Diglossie, Migration, Italienisch, Dialekt, Malitano, Soziolinguistik, Korpusanalyse, Sprachrepertoire.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziolinguistischen Phänomene des Sprachkontakts bei italienischen Migranten in Deutschland, insbesondere den Wechsel zwischen italienischen Varietäten und der deutschen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Sprachkontakt, Code-Switching, Code-Mixing, Transfer und Interferenzen sowie deren soziolinguistische Bedeutung bei Migranten der ersten und zweiten Generation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erforschung der Sprachpraxis italienischer Migranten in Deutschland und der Nachweis, inwieweit theoretisch beschriebene Sprachkontaktphänomene in der natürlichen Kommunikation der Probanden auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine soziolinguistische Herangehensweise gewählt, basierend auf teilnehmender Beobachtung und der Analyse eines Korpus transkribierter Gesprächssequenzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Korpusanalyse, in der Beispiele für Code-Switching, Code-Mixing und verschiedene Arten von Interferenzen identifiziert und interpretiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Sprachkontakt, Code-Switching, Diglossie, Migration, Italienisch, Dialekt, Mehrsprachigkeit und Soziolinguistik.
Welche Bedeutung hat der Dialekt "Malitano" für die Analyse?
Der kalabresische Dialekt Malitano dient als Erstsprache bzw. Basisvarietät der untersuchten Probanden und steht im Mittelpunkt der Untersuchung des Varietätenkontakts mit der deutschen Standardsprache.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen funktionalem und nicht-funktionalem Code-Switching?
Funktionales Code-Switching ist diskursstrategisch motiviert, um kommunikative Effekte zu erzielen, während nicht-funktionales Code-Switching unbewusst erfolgt und psycholinguistisch durch interne Prozesse bei der Sprachproduktion erklärt wird.
- Quote paper
- Carmen Mamiani (Author), 2014, Fragen von Interferenz und Code-Switching beim Sprachkontakt zwischen Deutsch und italienischen Varietäten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286178