Bei der Kategorisierung der verschiedenen Möglichkeiten der Werteerziehung habe ich versucht, pädagogische und inhaltliche Schwerpunkte einzelner Unterrichtsfächer weitgehend zu abstrahieren und konkret existierende Fächer nur als Anschauungsbeispiel zu verwenden. Der Grund liegt in der schwachen begrifflichen Abgrenzung von Fächern wie „Ethik“, „Philosophie“ oder „Lebensgestaltung“. So möchte ich zum Beispiel das Fach LER des Landes Brandenburg als Beispiel für ein „Lebenskundekonzept“ erwähnen, da seine eigentlich Bezeichnung (Lebensgestaltung – Ethik – Religion) verwirrend ist. LER bedeutet eben nicht das gleiche wie „Ethik“ oder „Religion“ in einem anderen Bundesland oder gar in anderen Ländern Europas. In der Praxis tauchen die einzelnen Konzepte durchaus unter anderem Namen, als Teilaspekte eines anderen Faches oder in Mischformen auf.
Als wichtigste Quellen für diese Hausarbeit dienten mir vor allem der Sammelband „Sinnvermittlung, Orientierung, Werte-Erziehung“, herausgegeben von Jörg-Dieter Gauger, der die Situation der Wertevermittlung in Schulen der Bundesrepublik Deutschland aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, sowie der Beitrag von Gisela Raupach-Strey „Philosophieren lernen als Ziel des Ethik-Unterrichts“, der auch eine idealtypische Einteilung verschiedener „Wertevermittlungsfächer“ vorschlägt. Die oben begründete Herauslösung dieser Fächer aus ihrer direkten Bezeichnung und ihre Abstrahierung machen es auch möglich, diese Konzepte für die Unterrichtssituation anderer Länder als der Bundesrepublik Deutschland anzuwenden und kann als Vergleichsinstrument dienen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entstehungsgeschichte der schulischen Werteerziehung
- Rechtskundeunterricht
- Alternativformen ,,moralischer Werteerziehung''
- Lebenskundekonzepte
- Philosophiekonzepte
- Allgemeine Schwierigkeiten der schulischen Werteerziehung
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Frage, wie Werteerziehung im schulischen Kontext ausserhalb des Religionsunterrichts stattfinden kann. Sie untersucht verschiedene Konzepte und Ansätze, die sich als Alternativen zum traditionellen Religionsunterricht anbieten. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Rechtskundeunterricht sowie Lebenskunde- und Philosophiekonzepten und deren Potential zur Vermittlung von Werten.
- Die Entstehung und Entwicklung der schulischen Werteerziehung in Deutschland
- Die Rolle des Rechtskundeunterrichts in der Wertevermittlung
- Die Bedeutung von Lebenskundekonzepten für die Werteerziehung
- Die Möglichkeiten und Grenzen der Philosophie im schulischen Kontext
- Allgemeine Herausforderungen und Schwierigkeiten der schulischen Werteerziehung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung legt den Ausgangspunkt der Arbeit fest, indem sie die Diskussionen im Seminar "Elemente einer religionskundlichen Didaktik" an der Universität Fribourg beleuchtet. Insbesondere die Schwierigkeiten der Wertevermittlung im Ethikunterricht werden als Ausgangspunkt für die Suche nach alternativen Ansätzen im schulischen Kontext herangezogen.
Das zweite Kapitel befasst sich mit der Entstehungsgeschichte der schulischen Werteerziehung. Es wird auf die rechtlichen Grundlagen der Wertevermittlung in Deutschland und anderen europäischen Ländern eingegangen. Dabei werden die verschiedenen Erziehungsaufgaben, die in den Verfassungen und Schulgesetzen verankert sind, wie beispielsweise die spirituelle, staatsbürgerliche und moralische Erziehung, analysiert.
Im dritten Kapitel wird der Rechtskundeunterricht als mögliche Plattform für die Vermittlung von Werten untersucht. Die Arbeit geht auf die Besonderheiten des Faches und dessen Potential ein, Kenntnisse über Recht und Gerechtigkeit zu vermitteln und somit zur Entwicklung eines verantwortungsbewussten Bürgertums beizutragen.
Das vierte Kapitel widmet sich den Alternativformen der "moralischer Werteerziehung" und stellt verschiedene Lebenskundekonzepte und Philosophiekonzepte vor. Es wird untersucht, inwiefern diese Konzepte die Wertevermittlung im Schulalltag bereichern können und welche Möglichkeiten sie bieten, um junge Menschen zu selbstständigem, verantwortungsvollem Denken und Handeln zu befähigen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den zentralen Themenfeldern der schulischen Werteerziehung, den Herausforderungen der Wertevermittlung im pluralistischen Kontext, den verschiedenen Konzepten der Werteerziehung wie Rechtskundeunterricht, Lebenskunde und Philosophie, sowie den pädagogischen und gesellschaftlichen Implikationen der Wertevermittlung in der Schule.
Häufig gestellte Fragen
Wie kann Werteerziehung außerhalb des Religionsunterrichts stattfinden?
Werteerziehung erfolgt über Fächer wie Ethik, Philosophie, Rechtskunde oder spezielle Lebenskundekonzepte (z.B. LER in Brandenburg).
Was ist das Ziel von Philosophiekonzepten in der Schule?
Ziel ist es, Schülern das "Philosophieren lernen" beizubringen, um sie zu selbstständigem, kritischem Denken und verantwortungsvollem Handeln zu befähigen.
Welchen Beitrag leistet der Rechtskundeunterricht zur Wertevermittlung?
Er vermittelt Kenntnisse über Recht und Gerechtigkeit und fördert das Verständnis für die Grundlagen eines demokratischen Zusammenlebens und staatsbürgerliche Verantwortung.
Was sind die Schwierigkeiten der schulischen Werteerziehung?
In einer pluralistischen Gesellschaft ist es schwierig, sich auf allgemeingültige Werte zu einigen, ohne religiöse oder weltanschauliche Neutralität zu verletzen.
Was bedeutet das Fach LER?
LER steht für Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde. Es ist ein integriertes Fach in Brandenburg, das verschiedene Perspektiven auf Lebensfragen und moralische Erziehung vereint.
- Quote paper
- Ann-Katrin Gässlein (Author), 2004, Möglichkeiten schulischer Werteerziehung außerhalb des Religionsunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28559