Goethe schreibt in seinem Vorwort zu „Dichtung und Wahrheit“: Ziel sei, „[…] den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen und zu zeigen, inwiefern ihm das Ganze widerstrebt, inwiefern es ihn begünstigt, wie er sich eine Welt- und Menschenansicht daraus gebildet […]“. Zwar war der Kontext biographischer Natur, doch lässt sich Goethes Erkenntnis auch auf das Geschichtsbewusstsein (von SchülerInnen) übertragen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden darin verknüpft und Ereignisse erfahren im Sinn eines sich wandelnden Erkenntnisinteresses immer neue Deutung. So auch in der deutschen Filmproduktion „Das Leben der Anderen“, in der in einem fiktiven Gedankenspiel der überwachende MfS-Hauptmann (Ministerium für Staatssicherheit) Gerd Wiesler Fluch und Segen zugleich ist. In der Annahme, dass der Film als vermittelnde Instanz und zugleich als Element des „sozialen Systems“ Geschichtskultur historische Vorstellungen speist, stellt sich die Frage, ob „Das Leben der Anderen“ für den Geschichtsunterricht geeignet ist, vielmehr inwiefern er zwischen Authentizität und Fiktion eine Pendelbewegung vollzieht. Dazu werden u.a. Michael Sauers grundlegende Monographie zur Geschichtsdidaktik und Methodik sowie verschiedene Aufsätze von Knoben, Meyers und Von Borries sowie das Filmheft, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Leben der Anderen
- Systemkritik vs. Überwachungsinstrument der SED
- „Historische Botschaft“
- Möglichkeiten und Problematik der Einflussnahme auf das Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Eignung des Films „Das Leben der Anderen“ für den Geschichtsunterricht. Dabei wird der Film als Vermittlungsinstanz und Element der Geschichtskultur analysiert, die historische Vorstellungen prägt. Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern der Film zwischen Authentizität und Fiktion pendelt und welche Möglichkeiten und Probleme er für die Einflussnahme auf das Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft bietet.
- Der Film als Vermittlungsinstanz für historische Vorstellungen
- Das Spannungsfeld zwischen Authentizität und Fiktion
- Die Rolle des MfS als Überwachungsinstrument der SED
- Die Auswirkungen der SED-Herrschaft auf die Künstlerzene in der DDR
- Die Möglichkeiten und Problematik des Films für den Geschichtsunterricht
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Geschichtsbewusstseins für Schüler und verweist auf Goethes Erkenntnis, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem sich wandelnden Erkenntnisinteresse immer neue Deutungen erfahren. Der Film „Das Leben der Anderen“ wird als Beispiel dafür vorgestellt, wie ein fiktives Gedankenspiel das Geschichtsbewusstsein prägen kann.
Das Leben der Anderen
Dieses Kapitel bietet eine Zusammenfassung der Handlung des Films „Das Leben der Anderen“. Es schildert die Überwachung des Regime-kritischen Regisseurs Georg Dreyman durch den MfS-Hauptmann Gerd Wiesler und die Rolle von Dreymanns Lebensgefährtin, Christa-Maria Sieland. Das Kapitel beschreibt außerdem den Wandel von Wiesler vom Überwachenden zum „Dissidentenbeschützer“ und die Tragik des Geschehens.
Systemkritik vs. Überwachungsinstrument der SED
Dieses Kapitel beleuchtet die kritische Darstellung der SED-Herrschaft im Film. Es zeigt auf, wie das MfS als Instrument zur Unterdrückung von freier Meinungsäußerung und künstlerischer Freiheit fungierte und wie Künstler in der DDR mit Berufsverboten und Zensur konfrontiert waren. Das Kapitel verdeutlicht den Machtanspruch der SED und die Abhängigkeit der Künstler von politischen Entscheidungsträgern.
„Historische Botschaft“
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern der Film eine „historische Botschaft“ vermittelt. Es analysiert die Darstellung der Überwachung durch das MfS und die Auswirkungen der SED-Herrschaft auf die Gesellschaft. Das Kapitel untersucht die Frage, ob der Film dazu beitragen kann, das Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft zu beeinflussen und wie er im Geschichtsunterricht eingesetzt werden kann.
Möglichkeiten und Problematik der Einflussnahme auf das Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft
Dieses Kapitel beleuchtet die Möglichkeiten und Probleme, die der Film „Das Leben der Anderen“ für die Einflussnahme auf das Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft bietet. Es diskutiert die Frage, inwiefern der Film dazu beitragen kann, historische Ereignisse zu verstehen und zu verarbeiten, und welche Gefahren mit der Verwendung von fiktiven Elementen im Geschichtsunterricht verbunden sind.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit dem Geschichtsbewusstsein und der Geschichtskultur, insbesondere in Bezug auf den Film „Das Leben der Anderen“. Wichtige Schlüsselwörter sind: Authentizität, Fiktion, Überwachung, MfS, SED, DDR, Künstlerzene, Geschichtsunterricht, Geschichtsdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Film „Das Leben der Anderen“ historisch authentisch?
Der Film pendelt zwischen Authentizität (Darstellung der Überwachungstechnik) und Fiktion (Wandel des Stasi-Hauptmanns zum Beschützer), was in der Fachwelt kontrovers diskutiert wird.
Warum eignet sich der Film für den Geschichtsunterricht?
Er bietet einen emotionalen Zugang zum Thema DDR-Überwachung und ermöglicht die Diskussion über Systemkritik und künstlerische Freiheit.
Welche Rolle spielt das MfS im Film?
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wird als allmächtiges Überwachungsinstrument dargestellt, das das Privatleben der Bürger bis ins Detail kontrolliert.
Wie reagierten Künstler in der DDR auf die Überwachung?
Künstler standen oft vor dem Dilemma zwischen Anpassung, Berufsverboten oder dem Versuch, versteckte Systemkritik in ihren Werken zu üben.
Was ist das Ziel der Geschichtsdidaktik bei Spielfilmen?
Schüler sollen lernen, zwischen historischer Realität und filmischer Inszenierung zu unterscheiden und ein kritisches Geschichtsbewusstsein zu entwickeln.
- Arbeit zitieren
- Laura Baier (Autor:in), 2014, "Das Leben der Anderen" im Geschichtsunterricht. Ein Film zwischen Authentizität und Fiktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284327