Gegenstand der Hausarbeit ist eine filmnarratologische Analyse von Michael Hanekes Film "Das weiße Band" (2009). Sie stellt den Inhalt des Films vor dem Hintergrund Michael Hanekes Schaffens dar und schlüsselt die Wirkung des Films in aller Ausführlichkeit mittels eines filmnarratologischen Analyseinstrumentariums auf.
Die Erzählinstanz (Abkürzung: EI) eines Films ist vielgestaltiger als in der Literatur angelegt und wird in dieser Hausarbeit mit Markus Kuhn in die sprachliche (SEI) und visuelle Erzählinstanz (VEI) untergliedert. Um aufzuzeigen, wie die SEI und die VEI in DAS WEISSE BAND arbeiten, wird zunächst die sprachliche Erzählinstanz unter narratologischen Gesichtspunkten näher betrachtet. Darauf folgen eine stärker filmwissenschaftlich geprägte Untersuchung der visuellen Erzählinstanz, ein Blick auf die Perspektivierung von SEI und VEI sowie eine Beschreibung der Interaktion beider EI. Dieses methodische Vorgehen ermöglicht eine wesentlich umfassendere Beschreibung der Erzählsituation, als es mit Begriffen wie der auktorialen, personalen oder neutralen Erzählperspektive möglich wäre.
Diese Arbeit wurde im Februar 2014 mit der Note 1,0 bewertet. Ihre schriftliche Beurteilung lautet:
"Eine überragende Arbeit, die auf hohem theoretischen Niveau einen Film eingehend analysiert, der ein ungeheures didaktisches Potential hat, das auf unterschiedlichen Ebenen genutzt werden kann. Wirklich sehr gut!"
Inhaltsverzeichnis
- I Einleitung
- II Darstellung der Erzählung
- 1. Narrative Ebenen
- 2. Narrative Instanzen
- 2.1 Fiktionsexterne narrative Instanzen (Regisseur und realer Zuschauer)
- 2.2 Handlung und erzählte Welt des Films DAS WEISSE BAND
- 2.3 Fiktionsinterne narrative Instanzen (SEI und VEI)
- 2.3.1 Sprachliche Erzählinstanz (SEI)
- 2.3.2 Visuelle Erzählinstanz (VEI)
- 2.3.3 Perspektivierung der Erzählinstanzen
- 2.3.4 Interaktion zwischen sprachlicher und visueller Erzählinstanz
- III Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einer filmnarratologischen Analyse von Michael Hanekes Film "DAS WEISSE BAND - EINE DEUTSCHE KINDERGESCHICHTE". Ziel ist es, die narrative Struktur des Films zu untersuchen, indem die verschiedenen Ebenen der Erzählung, insbesondere die Rolle der sprachlichen und visuellen Erzählinstanzen, analysiert werden. Dabei wird das von Markus Kuhn entwickelte Modell der Filmnarratologie als Grundlage verwendet.
- Die Analyse der narrativen Ebenen im Film "DAS WEISSE BAND"
- Die Rolle der fiktionsinternen Erzählinstanzen (SEI und VEI)
- Die Interaktion zwischen sprachlicher und visueller Erzählinstanz
- Die Bedeutung der Perspektive und der Perspektivierung der Erzählinstanzen
- Die Anwendung eines filmnarratologischen Analyseinstrumentariums auf das Medium Film
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung
Die Einleitung befasst sich mit der Entwicklung des Narrativitätsbegriffs im Laufe der Zeit und der Erweiterung des Begriffs auf verschiedene Medien, insbesondere den Film. Sie erläutert die Notwendigkeit einer filmnarratologischen Analyse und stellt das Analyseinstrumentarium vor, das in dieser Arbeit Anwendung findet.
II Darstellung der Erzählung
1. Narrative Ebenen
Dieses Kapitel stellt das von Michael Kuhn entwickelte Modell zur Filmnarratologie vor, welches die verschiedenen Ebenen der narrativen Kommunikation im Film beschreibt. Es werden die Sender- und Empfängerinstanzen des Films "DAS WEISSE BAND" erläutert und die Ebene der Erzählinstanzen als Hauptaugenmerk der Analyse herausgestellt.
2. Narrative Instanzen
Hier werden die verschiedenen Instanzen der Erzählung im Film "DAS WEISSE BAND" näher beleuchtet, sowohl die fiktionsexternen (Regisseur und realer Zuschauer) als auch die fiktionsinternen (sprachliche und visuelle Erzählinstanz).
Schlüsselwörter
Filmnarratologie, DAS WEISSE BAND, Michael Haneke, Erzähltheorie, narrative Ebenen, Erzählinstanzen, sprachliche Erzählinstanz (SEI), visuelle Erzählinstanz (VEI), Perspektive, Perspektivierung, Analysemodell, Film, Medien, Kommunikation, Filmsprache, audiovisuelle Erzählung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Gegenstand der filmnarratologischen Analyse von „Das weiße Band“?
Die Analyse untersucht die Erzählstrukturen des Films von Michael Haneke, insbesondere die Trennung und Interaktion zwischen sprachlicher und visueller Erzählinstanz.
Was unterscheidet die sprachliche von der visuellen Erzählinstanz?
Nach Markus Kuhn wird zwischen der sprachlichen Ebene (z.B. Off-Erzähler) und der visuellen Ebene (Kameraperspektive, Bildgestaltung) unterschieden, die gemeinsam die Erzählsituation bilden.
Welche Rolle spielt die Perspektivierung im Film?
Die Perspektivierung bestimmt, aus wessen Sicht die Handlung wahrgenommen wird und wie SEI und VEI interagieren, um eine spezifische Wirkung beim Zuschauer zu erzielen.
Wer sind fiktionsexterne narrative Instanzen?
Dazu gehören der reale Regisseur (Michael Haneke) und der reale Zuschauer, im Gegensatz zu den Instanzen innerhalb der fiktiven Welt des Films.
Warum reicht das Modell der literarischen Erzählperspektive für Filme nicht aus?
Filme sind audiovisuell; Begriffe wie „auktorial“ greifen zu kurz, da sie die komplexe visuelle Vermittlung und deren Zusammenspiel mit Ton und Sprache nicht vollständig erfassen.
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- Esther Schuppe (Author), 2014, Filmnarratologische Untersuchung von Michael Hanekes "Das weisse Band", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283255