Das Thema „selbstverletzendes Verhalten“ beziehungsweise Autoaggression begegnete mir persönlich zum ersten Mal vor gut einem Jahr in einer Jugendpsychiatrie. Dort lernte ich ein sechzehn Jahre altes Mädchen kennen, deren Arme mit Narben übersät waren, die durch häufiges Schneiden in die Haut, auch „Ritzen“ genannt, entstanden waren. Für diese Art der Verletzungen sensibilisiert sind mir seitdem bei Jugendlichen in meinem alltäglichen Umfeld häufiger Spuren von selbstverletzendem Verhalten aufgefallen. Zunächst stand ich diesem Phänomen relativ fassungslos gegenüber. Diese Selbstverstümmelungen mussten doch sehr schmerzhaft sein und hinterließen zudem noch hässliche Narben. Ich konnte absolut nicht verstehen, warum jemand sich selbst bewusst Schmerzen zufügt, und dabei sogar Spuren in Kauf nimmt, die ein Leben lang zu sehen sind. In den seltensten Fällen reden die Betroffenen über ihre Gründe für dieses Verhalten. Daher stellte ich mir die Frage, was Jugendliche dazu drängt, sich selbst zu verletzen.
Diese Facharbeit bietet mir nun die Gelegenheit, mich näher mit dem Thema zu befassen. Da ich mich - auch durch meine eigene psychoanalytische Therapie - sehr für die Psychoanalyse als Wissenschaft interessiere und die Grundüberlegungen Freuds ein wichtiger Bestandteil des Lehrplans in der QI sind, habe ich mich für die psychoanalytischen Erklärungsversuche für selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen als Thema entschieden. Im den folgenden Ausführungen werde ich Fachtermini, die ich im anliegenden alphabetischen Glossar erklärt habe, mit einem * markieren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen
- Begrifflichkeiten und Klassifikation der Erscheinungsformen
- Definition von selbstverletzendem Verhalten
- Zahlen und Fakten
- Psychoanalytische Erklärungsversuche
- Grundüberlegung
- Hintergründe
- Störungen in der Kindheit
- Deprivation
- Traumata
- Dissoziation als Bewältigungsmechanismus
- Auswirkungen auf das Ich-Ideal und die Persönlichkeitsstruktur
- Störungen in der Kindheit
- Funktionen von selbstverletzendem Verhalten für Betroffene und ihre Psyche
- Wendung gegen das Selbst
- Suizidprophylaxe
- Selbstfürsorge
- Verhinderung der Desintegration
- Fazit und Ausblick
- Glossar
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Facharbeit befasst sich mit dem Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens bei Jugendlichen und untersucht dieses aus psychoanalytischer Perspektive. Ziel ist es, die Ursachen und Funktionen dieses Verhaltens zu beleuchten und ein tieferes Verständnis für die psychischen Prozesse zu entwickeln, die zu Selbstverletzung führen können.
- Begriffliche Klärung und Abgrenzung von selbstverletzendem Verhalten
- Psychoanalytische Erklärungsansätze für selbstverletzendes Verhalten
- Störungen in der Kindheit als mögliche Ursachen
- Dissoziation als Bewältigungsmechanismus
- Funktionen von Selbstverletzung für die Psyche
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema selbstverletzendes Verhalten ein und schildert die persönliche Begegnung der Autorin mit diesem Phänomen. Sie erläutert die Motivation für die Wahl des Themas und die psychoanalytische Perspektive, die in der Facharbeit eingenommen wird.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Begrifflichkeit und Klassifikation von selbstverletzendem Verhalten. Es werden verschiedene Formen der Selbstverletzung unterschieden und die Definition von selbstverletzendem Verhalten im engeren Sinne wird vorgestellt.
Das dritte Kapitel widmet sich den psychoanalytischen Erklärungsversuchen für selbstverletzendes Verhalten. Es werden die Grundüberlegungen der Psychoanalyse sowie die Hintergründe und Funktionen von Selbstverletzung aus psychoanalytischer Sicht beleuchtet.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen selbstverletzendes Verhalten, Autoaggression, Jugendliche, Psychoanalyse, Störungen in der Kindheit, Deprivation, Traumata, Dissoziation, Ich-Ideal, Persönlichkeitsstruktur, Funktionen von Selbstverletzung, Wendung gegen das Selbst, Suizidprophylaxe, Selbstfürsorge, Verhinderung der Desintegration.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter selbstverletzendem Verhalten (SVV) bei Jugendlichen?
SVV, oft auch als Autoaggression bezeichnet, umfasst Handlungen, bei denen sich Jugendliche bewusst Schmerzen oder Verletzungen zufügen (z. B. durch „Ritzen“), meist um unerträgliche psychische Spannungen abzubauen.
Welche psychoanalytischen Ursachen gibt es für SVV?
Die Psychoanalyse sieht Ursachen häufig in frühen Störungen der Kindheit, wie Deprivation (Mangel an Zuwendung) oder Traumata, die die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeitsstruktur behindert haben.
Welche Funktion erfüllt die Selbstverletzung für die Betroffenen?
SVV kann als Bewältigungsmechanismus dienen, um Dissoziationen zu beenden, sich selbst wieder zu spüren, Suizidgedanken abzuwehren oder Aggressionen, die eigentlich anderen gelten, gegen das eigene Selbst zu richten.
Was bedeutet „Wendung gegen das Selbst“?
Es ist ein Abwehrmechanismus, bei dem Impulse (z. B. Wut auf die Eltern), die als gefährlich oder verboten erlebt werden, nicht nach außen, sondern gegen den eigenen Körper gerichtet werden.
Was ist die Rolle der Dissoziation bei SVV?
Viele Betroffene erleben Zustände von emotionaler Taubheit oder Abwesenheit (Dissoziation). Der körperliche Schmerz dient als massiver Reiz, um in die Realität zurückzukehren und die drohende psychische Desintegration zu verhindern.
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- Svenja Esser (Author), 2014, Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282335