Die Anzahl der Flutwellen kritischer Höhe in einem Zeitintervall kann als Poisson-verteilte Zufallsgröße aufgefasst, da diskrete, zufällig über die Zeit verteilte, mit konstanter Häufigkeit auftretende Ereignisse gezählt werden.
Die Höhe einer Flutwelle ist aber eine unscharfe Größe.
Geeignete Instrumente zur Erweiterung von mathematischen Analysemethoden von unscharfen Sachverhalten stellt die Theorie der Fuzzy-Mengen zur Verfügung. Als von unscharfen Werten abgeleitete Größe ist auch die Anzahl der Flutwellen kritischer Höhe in einer Beobachtungsperiode unscharf, insbesondere stellt sie eine unscharfe Teilmenge der nichtnegativen ganzen Zahlen dar und kann als Realisierung einer unscharf Poisson-verteilten Fuzzy-Zufallsvariablen angesehen werden. Der unscharfe Zählprozess ist somit ein unscharfer Poisson-Prozess.
Die Verfahren der klassischen Inferenzstatistik lassen sich mit Hilfe des Extensionsprinzips auf unscharfe Realisationen von Stichproben von Fuzzy-Zufallsvariablen erweitern. Bei Vorliegen einer geeigneten zur Stichprobenverteilung konjugierten Verteilungsfamilie ist eine einfache Erweiterung des Bayes’schen Theorems auf unscharfe Information möglich, so kann eine exakte oder unscharfe A-priori-Gamma-Verteilung und eine unscharfe Stichproben-Poisson-Verteilung zu einer unscharfen A-posteriori-Gamma-Verteilung kombiniert werden. Ausgehend von der unscharfen A-posteriori-Verteilung kann gezeigt werden, dass Anwendung des Extensionsprinzips auf Bayes’schen verlustminimierenden Entscheidungsregeln zu unscharfen Entscheidungen führt, die im Sinne einer geeigneten Optimalitätsdefinition als optimal angesehen werden können.
Bei sequentiellen statistischen Entscheidungsverfahren wird der für die statistische Entscheidung benötigte Stichprobenumfang (Stoppzeit) während des Beobachtungsvorgangs in Abhängigkeit von der vorliegenden Information festgelegt. Konsequente Anwendung des Erweiterungsprinzips führt zu unscharfen Stoppzeiten, welche nicht sinnvoll interpretiert werden können. Zur Bestimmung exakter Stoppzeiten für sequentielle statistische Entscheidungsverfahren bei unscharfer Information werden zwei Lösungswege aufgezeigt: einerseits wird ein Bündel von Methoden vorgeschlagen, aus welchem der Entscheidungsträger in Abhängigkeit von der Fragestellung eine geeignete Methode auszuwählen hat, andererseits wird ein objektives Kriterium zur Entscheidung über den optimalen Abbruchzeitpunkt beim unscharfen sequentiellen Verfahren entwickelt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema dieser Dissertation?
Die Arbeit befasst sich mit statistischen Entscheidungen in der Bayes-Statistik und Sequentialanalyse, wenn Informationen unscharf (fuzzy) vorliegen.
Wie wird Unschärfe mathematisch modelliert?
Zur Modellierung unscharfer Sachverhalte wird die Theorie der Fuzzy-Mengen und deren Zugehörigkeitsfunktionen genutzt.
Welches praktische Beispiel wird zur Veranschaulichung genutzt?
Die Anzahl und Höhe von Flutwellen dient als Beispiel für unscharf Poisson-verteilte Zufallsvariablen.
Was bewirkt das Extensionsprinzip in der Statistik?
Es ermöglicht die Erweiterung klassischer statistischer Verfahren auf unscharfe Realisationen von Stichproben.
Was sind unscharfe Stoppzeiten in der Sequentialanalyse?
Dies sind Stichprobenumfänge, die durch unscharfe Information selbst unscharf werden. Die Arbeit zeigt Wege auf, dennoch exakte optimale Abbruchzeitpunkte zu bestimmen.
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- Petra Comploj (Author), 2006, Entscheidungen in der Bayes-Statistik und Sequentialanalyse bei unscharfer Information, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281045