Einleitung
Obwohl heute in allen modernen Demokratien Gleichheit und Würde aller Menschen formalrechtlich verankert sind, besteht dennoch ein Widerspruch zwischen den demokratischen Idealen und den konkreten Strukturen der Gesellschaft. Patriarchale Strukturen und Denkensweisen haben sich- zwar in abgeschwächter Form- im Laufe der Geschichte konserviert und sind erhalten geblieben. Der feministische Verständigungsbegriff ′Patriarchat′, der Benachteiligung, Fremdbestimmung und Marginalisierung von Frauen als gesellschaftliches Problem mit sozialgeschichtlicher Ursache aufzeigt, kristallisierte sich Ende der sechziger Jahre als gängige Chiffre feministischen Denkens heraus. (vgl. Schneider, 1997: 33ff) Der Forschungs- und Diskussionsstand der feministischen Ethik hat mittlerweile einen so großen Umfang angenommen, so dass diese Hausarbeit nur einen kleinen Auszug darstellen kann. Dabei möchte ich die wesentlichen feministischen Positionen erläutern und danach auf die Geschlechterdifferenz und die Genderperspektive eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung: feministische Ethik
3. feministische Positionen
3.1. Liberaler Feminismus
3.2. Gynozentrischer Feminismus
3.3. Dekonstruktivistischer Feminismus
4. Geschlechterdifferenz
5. Die Genderperspektive
6. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Obwohl heute in allen modernen Demokratien Gleichheit und Würde aller Menschen formalrechtlich verankert sind, besteht dennoch ein Widerspruch zwischen den demokratischen Idealen und den konkreten Strukturen der Gesellschaft. Patriarchale Strukturen und Denkensweisen haben sich- zwar in abgeschwächter Form- im Laufe der Geschichte konserviert und sind erhalten geblieben. Der feministische Verständigungsbegriff 'Patriarchat', der Benachteiligung, Fremdbestimmung und Marginalisierung von Frauen als gesellschaftliches Problem mit sozialgeschichtlicher Ursache aufzeigt, kristallisierte sich Ende der sechziger Jahre als gängige Chiffre feministischen Denkens heraus. (vgl. Schneider, 1997: 33ff)
Der Forschungs- und Diskussionsstand der feministischen Ethik hat mittlerweile einen so großen Umfang angenommen, so dass diese Hausarbeit nur einen kleinen Auszug darstellen kann. Dabei möchte ich die wesentlichen feministischen Positionen erläutern und danach auf die Geschlechterdifferenz und die Genderperspektive eingehen.
2. Begriffsklärung: feministische Ethik
Die Bezeichnung 'feministische Ethik' hat sich für einen Diskurs über Moral eingebürgert, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten vorwiegend von Frauen geführt wurde, dessen Adressaten aber Männer und Frauen als gleichermaßen Betroffene waren. Außerdem impliziert sie die Kritik an den heute noch gut funktionierenden Mechanismen einer patriarchalischen Gesellschaftsordnung. Die feministische Ethik ist zwar ein neuer Denkansatz, aber keine neue ethische Theorie. (vgl. Pieper, 1998: 24) Sie bezeichnet den Versuch, "die Perspektive der Geschlechterdifferenz auf moralphilosophische Fragen - theoretische Problemstellungen wie auch die philosophische Analyse konkreter moralischer Konfliktsituationen - anzuwenden." (ebd.: 31f)
Der Schwerpunkt der feministischen Moraldiskussion liegt hauptsächlich in der Analyse von Forschungssituation und Forschungsstand des normativen Diskurses, wobei sich der theoretische Ansatz größtenteils aus der Zugangsweise des liberalen und des dekonstruktivistischen Feminismus speist. (siehe Kapitel 3) Was bislang im feministischen Diskurs erst ganz am Rande zur Sprache gekommen ist, ist die Frage nach einem feministischen Menschenbild sowie die Frage nach einer Letzbegründungsbedürftigkeit von Werten. (vgl. Pahnke, 1991: 179)
Der Feminismus ist nicht nur eine deskriptive Kategorie, sondern ein konstitutiver und evaluativer Begriff, der die Praktiken, die er zu beschreiben versucht, zugleich prägen und definieren hilft. Als Kategorie der Gegenwart entwirft die feministische Ethik Denkmodelle der Zukunft und Bewertungen der Vergangenheit. (vgl. Benhabib/ Butler/ Cornell/ Fraser, 1993: 9f)
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Häufig gestellte Fragen
Was ist feministische Ethik?
Feministische Ethik ist ein Diskurs über Moral, der die Perspektive der Geschlechterdifferenz auf moralphilosophische Fragen anwendet und patriarchale Strukturen kritisiert.
Welche feministischen Positionen werden unterschieden?
Die Arbeit erläutert drei wesentliche Positionen: den liberalen Feminismus, den gynozentrischen Feminismus und den dekonstruktivistischen Feminismus.
Was bedeutet der Begriff „Patriarchat“ in diesem Diskurs?
Er dient als Chiffre für die Benachteiligung, Fremdbestimmung und Marginalisierung von Frauen als gesellschaftliches Problem mit sozialgeschichtlichen Ursachen.
Ist feministische Ethik eine völlig neue ethische Theorie?
Nein, sie wird eher als ein neuer Denkansatz betrachtet, der bestehende moralische Konfliktsituationen unter Einbeziehung der Geschlechterperspektive analysiert.
Was ist das Ziel der Genderperspektive?
Sie zielt darauf ab, die soziale Konstruktion von Geschlecht zu hinterfragen und deren Einfluss auf ethische Bewertungen und gesellschaftliche Strukturen aufzuzeigen.
Welche Fragen sind im feministischen Diskurs noch wenig erforscht?
Laut der Arbeit sind Fragen nach einem spezifisch feministischen Menschenbild und der Letztbegründungsbedürftigkeit von Werten bisher eher Randthemen.
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- M.A. Petra Kunzendorf (Author), 2000, Feministische Ethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28099