Der Zusammenbruch der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) zu Beginn der 1990er Jahre stellte die Erforschung von demokratischen Übergängen bzw. die Erforschung von Systemwechseln vor neue Herausforderungen. Stand die Forschung bis dato vor allem im Zeichen von Struktur- und Modernisierungstheorie so gewannen Ende der 1980er Jahre auch Akteurstheorien an Bedeutung. Der Zusammenbruch der UdSSR hatte zur Folge, dass von einem auf den anderen Tag 15 neue und unabhängige Staaten, welche nach über 70 Jahren Fremdherrschaft frei waren, entstanden. Was folgte, war eine Reihe von Systemtransformationen in Ost- und Mitteleuropa sowie in den asiatischen Teilrepubliken der ehemaligen UdSSR. Da dieser Prozess wie schon zuvor in Mittelamerika für viele Staaten galt, wird er von Huntington als dritte Welle der Demokratisierung beschrieben.
Doch blickt man heute, über 20 Jahre nach dem Zusammenbruch auf die ehemali-gen Sowjetrepubliken so fällt auf, dass sich nur wenige von ihnen nach den Transformationsprozessen zu konsolidierten Demokratien entwickelt haben und andere ehemalige Sowjetrepubliken, die zunächst ebenfalls einen Transformationsprozess mit demokratischen Reformen begonnen hatten, letztendlich doch zu Autokratien oder „defekten“ Demokratien geworden sind. Dies zeigt deutlich, dass die Transformationsprozesse in den Staaten nicht immer erfolgreiche Demokratisierungsprozesse waren und der Systemwechsel von der Autokratie der Sowjetunion hin zu einer freiheitlichen Demokratie in vielen ehe-maligen Teilrepubliken der UdSSR misslang. Interessant hierbei ist es, die Rolle der politischen Eliten genauer zu untersuchen und ihren Einfluss auf die Transformationsprozesse kritisch zu betrachten.
Deshalb soll in der vorliegenden Arbeit die Rolle der Eliten mit Hilfe der Akteurstheorie von Guillermo O’Donnell und Phillippe C. Schmitter untersucht werden. Inwieweit die Theorie zutrifft und welchen Einfluss führenden politischen Akteure auf Transformationsprozesse haben, soll an den Beispielen Estland und Turkmenistan aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Theoretischer Rahmen
- III. Transformationsprozess in Estland und Turkmenistan
- IV. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle von Eliten in Transformationsprozessen im Ostblock, insbesondere im Kontext des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Sie untersucht, wie die Akteurstheorie von O'Donnell und Schmitter die Transformationsprozesse in Estland und Turkmenistan erklären kann.
- Die Bedeutung von Eliten in Transformationsprozessen
- Die Akteurstheorie von O'Donnell und Schmitter
- Der Vergleich der Transformationsprozesse in Estland und Turkmenistan
- Der Einfluss von Akteuren auf die Gestaltung des neuen Regimes
- Die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Transformationsprozessen
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I: Einleitung
Dieses Kapitel stellt den Kontext des Zusammenbruchs der Sowjetunion und die damit verbundenen Transformationsprozesse in den ehemaligen Sowjetrepubliken vor. Es zeigt die unterschiedlichen Entwicklungen der ehemaligen Sowjetrepubliken auf und hebt die Bedeutung der Rolle von Eliten in diesem Kontext hervor.
Kapitel II: Theoretischer Rahmen
Dieses Kapitel präsentiert die Akteurstheorie von O'Donnell und Schmitter als theoretischen Rahmen für die Analyse der Transformationsprozesse. Es erklärt die zentralen Elemente der Theorie und zeigt, wie sie die Rolle von Akteuren in Transitionsvorgängen betrachtet.
Schlüsselwörter
Transformationsprozesse, Eliten, Akteurstheorie, O'Donnell und Schmitter, Estland, Turkmenistan, Sowjetunion, Systemwechsel, Demokratisierung, Autokratie, Transitionsforschung.
- Quote paper
- B.Ed. Christoph Grave (Author), 2012, Die Transformationsprozesse im Ostblock. Welche Rolle spielten die Eliten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280093