Der byzantinische Bilderstreit, die Auseinandersetzung um die Frage, ob den Heiligenbildern entsprechende Verehrung gebühre oder ob sie als Götzenbilder zerstört werden müßten, ist in den Jahren 726 bis 843 im Reich von Konstantinopel mit äußerster Heftigkeit geführt worden und hat nach dem Westen wie nach dem Osten weit über dieses hinaus gewirkt, so daß manche Forscher geneigt waren, im Rahmen der Periodisierung der byzantinischen Geschichte geradezu von einer Epoche des Bilderstreits zu sprechen.
Gliederung
A Hinführung zum Thema:
I.1 Die Ausgangssituation vor dem Konzil von Nikäa
I.2 Forschungsanstoß
I.3 Forschungsstand
I.4 Problem/ Erkenntnisinteresse
I.5. Projektdesign
I.6. Methode
B Der Ikonoklasmus unter den byzantinischen Kaisern
I.1 Das ökumenische Konzil von Nikäa
I.2. Der Horos des Konzils von Nikäa
II. Briefe und Akten
II.1. Capitulare adversus synodum
II.2. Epistola ad Carolum regem de imaginibus
III. Die Libri Carolini
III.1. Die Sonderstellung der Libri Carolini
III.2. Autorfrage
III.3. Analyse des Bildbegriffes in den Libri Carolini
IV. Das Frankfurter Konzil von 794
IV.1. Das Frankfurter Kapitular
V. Die Untrennbarkeit des Konzils von Nikäa und dem Frankfurter Konzil
C Zusammenfassung und Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die machtpolitischen und theologischen Hintergründe des Bilderstreits unter Karl dem Großen, ausgehend vom Konzil von Nikäa (787) bis zum Frankfurter Konzil (794), um die Rezeption und Auswirkungen auf die Entwicklung des karolingischen Reiches zu analysieren.
- Der byzantinische Ikonoklasmus und das Konzil von Nikäa (787).
- Die Rolle der Libri Carolini als offizielle karolingische Stellungnahme.
- Die Bedeutung des Frankfurter Konzils (794) als Instrument kaiserlicher Machtpolitik.
- Die Entwicklung der Trennung zwischen Orient und Okzident im 8. Jahrhundert.
- Der Einfluss politischer Interessen auf theologische Glaubensentscheidungen.
Auszug aus dem Buch
IV.1. das Frankfurter Kapitular
Hier sollen die Frankfurter Kapitularien selbst zu Wort kommen. Das Konzil versammelte sich „deo favente, apostolica auctoritate atque piissimi dom(i)ni nostri Karoli regis“. Diese Reihung zeigt das Selbstverständnis von Karl dem Großen auf, der sich selbst in Reihe setzt mit Gott und dem apostolischen Glauben. Weiter heißt es: „..., inter quos ipse mitissimus sancto interfuit conventui.“ 27 Diese Formulierung der intitulatio betont den heiligen Charakter des Konzils sowie die Mildherzigkeit des Herrschers Karl. Einhellig bekräftigen die Genannten ihre Ablehnung, „una voce contradixerunt“ 28, gegen Felix von Urgel und Elipand, dem Bischof von Toledo und deren Anhängern in ihrem Glauben an die Adoption des Gottessohnes. Nach der Feststellung der apostolischen Genehmigung, der am Konzil teilnahm sowie einer Beschreibung der weiteren Teilnehmer und der bisherigen Tätigkeiten beginnt das zweite Kapitel, das zentrale Bedeutung für die Auseinandersetzung mit der Bilderfrage.
Die Quelle, die als Deckblatt der Hausarbeit vorangestellt ist, ist eine Sammelhandschrift in Pergament aus dem 10. oder 11. Jahrhundert mit 182 Blättern mit den Maßen 23 cm x 18 cm. Sie wird nun in der Bibliothèque Nationale in Paris aufbewahrt (Ms. Lat. 4628 A). Die Originalhandschrift wurde in Reims vielleicht noch unter dem Pontifikat Erzbischof Hinkmars (gest. 882) geschrieben. Von ihr leiten sich die erheblich jüngeren Traditionen Paris Lat. 4628 A und 431 ebenso wie die Teilkopien Paris Lat. 4760 (10. Jahrhundert). und Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Theol. 1717 (a. 1604, aus der Bibliothek Friedrich Lindenbruchs), welche das Frankfurter Kapitular auslassen.
Zusammenfassung der Kapitel
A Hinführung zum Thema: Erläutert die Ausgangssituation des byzantinischen Bilderstreits und definiert den forschungsmethodischen Ansatz der Arbeit.
B Der Ikonoklasmus unter den byzantinischen Kaisern: Analysiert die Konzilsbeschlüsse von Nikäa und die kritische Reaktion der Franken in den Libri Carolini sowie auf dem Frankfurter Konzil.
C Zusammenfassung und Auswertung: Fasst die Bedeutung des Streits um die Bilder als Meilenstein der Trennung von Orient und Okzident und als Instrument der Machtstärkung Karls des Großen zusammen.
Schlüsselwörter
Bilderstreit, Karl der Große, Konzil von Nikäa, Frankfurter Konzil, Libri Carolini, Frankfurter Kapitular, Byzanz, Theodulf von Orléans, Ikonoklasmus, Ikonodulie, Kirchenspaltung, Machtpolitik, Theologie, Abendland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die kirchenpolitische und theologische Auseinandersetzung um die Bilderverehrung zwischen dem byzantinischen Konzil von Nikäa 787 und der Frankfurter Synode 794 unter Karl dem Großen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte der Ikonenverehrung, die Bedeutung der Libri Carolini als Staatsschrift, der Einfluss des Frankfurter Kapitulars sowie die machtpolitische Positionierung des Frankenreichs gegenüber Byzanz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Wirkungsgeschichte Karls des Großen in Bezug auf den Bilderstreit nachzuvollziehen und zu klären, wie theologische Entscheidungen zur Machtstärkung und zur Trennung zwischen der östlichen und westlichen Kirche beigetragen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse, die bestehende Forschungsbeiträge auswertet, verknüpft und ergänzt durch eine gezielte Quellenanalyse des zweiten Kapitels des Frankfurter Kapitulars.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den byzantinischen Hintergründen (Konzil von Nikäa), der karolingischen Gegenschrift (Libri Carolini), der Durchführung des Frankfurter Konzils und der Bedeutung dieser Ereignisse für die karolingische Identität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Bilderstreit, Karl der Große, Konzil von Nikäa, Frankfurter Konzil, Libri Carolini, Ikonoklasmus und die Spaltung zwischen Orient und Okzident.
Welche Rolle spielte Theodulf von Orléans bei den Libri Carolini?
Theodulf gilt nach neueren Forschungen als der eigentliche Verfasser der Libri Carolini, die im Auftrag Karls des Großen als offizielle Stellungnahme gegen die Beschlüsse von Nikäa verfasst wurden.
Warum war das Frankfurter Konzil für Karl den Großen so bedeutend?
Es diente nicht nur der theologischen Auseinandersetzung, sondern demonstrierte Karls Gestaltungskraft und festigte seine Rolle als Führer der westlichen Christenheit im Mächtegleichgewicht mit Byzanz.
Wie beeinflusste ein Übersetzungsfehler die Debatte?
Die fehlerhafte Übersetzung zentraler byzantinischer Begriffe (proskynesis und latreia) als „adoratio“ im Lateinischen führte dazu, dass die Franken den Byzantinern eine Haltung unterstellten, die diese so nie beschlossen hatten.
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- Hubertus Lerchenfeld (Author), 2003, Der Bilderstreit unter Karl dem Großen zwischen 787 und dem Frankfurter Konzil 794, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27898