Nahezu keine andere politisch motivierte Gruppierung der 1960er Jahre steht so exemplarisch für die Nutzung der Massenmedien für die eigene Selbstinszenierung wie die Kommune I. Die kleine Gruppe von jungen Leuten, die sich von 1967 bis1969 in Berlin zusammenfand, konnte ihre Wirkung in der Öffentlichkeit vor allem mit Hilfe des Multiplikationseffekts der Massenmedien entfalten. Die K I verfolgte als Vertreter der 68er-Bewegung unter anderem deren spezifische Aktions- und Kommunikationsstrategien. Um die größtmögliche Aufmerksamkeit der Massenmedien zu erlangen, nutzten sie die Kommunikationsstrategie der „symbolischen Politik“. Ihre Umsetzung erfolgt durch die Inszenierung von „Pseudoereignissen“. Es soll bewusst nicht der Schein als real dargestellt werden, sondern durch die dramatische Darstellung der Aktion der Zuschauer aufgeklärt und Reflexionsprozesse bei ihm hervorgerufen werden. Die Achtundsechziger-Bewegung sprach in diesem Zusammenhang nicht von symbolischer Politik, vielmehr von der begrenzten symbolischen Regelverletzung. Bei den inszenierten Aktionen handelte es sich meistens um kleinere Delikte, deren Ziel nicht der Gesetzesbruch war, sondern vielmehr die Offenbarung des welches der K I im April 1967 zu einer breiten massenmedialer Aufmerksamkeit verhalf, die in den kommenden Monaten bis zum Ende der Kommune bestehen blieb. Wolfgang Kraushaar bescheinigt den Kommunarden ein „Talent zur Selbstinszenierung“, welches sich bei ihren provokativen Inszenierungen genauso zeigt wie bei den Strafverhandlungen vor Gericht. Aus diesem Grund wird der seit Juni 1967 gegen Mitglieder der K I laufende so genannte „Brandstifter-
Prozess“ näher betrachtet. Beide unterschiedlichen symbolischen Inszenierungen zeigen deutlich den Umgang der Kommune mit den Medien und das Echo der Medien ihrerseits auf die Gruppe.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Symbolische Inszenierung und Provokation als Protestform
- Die Vorstellungen zum Protest
- Die Umsetzung durch die K I
- Massemedien in den 1960er Jahren
- Die Studentenbewegung und die Medien
- Die K I und die Medien
- Das „Pudding-Attentat“
- Das Geschehen
- Mediales Echo und öffentliche Reaktion
- Der „Brandstifter-Prozess“
- Die Inszenierung der „Moabiter Seifenoper“
- Mediales Echo und öffentliche Reaktion
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Kommune I (K I) und ihrer Nutzung der Massenmedien für die eigene Selbstinszenierung im Kontext der Studentenbewegung der 1960er Jahre. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die K I die Medien gezielt für ihre Proteste einsetzte und wie diese Medienstrategien von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden.
- Die symbolische Politik und die Inszenierung von „Pseudoereignissen“ als Protestform der Studentenbewegung
- Die Rolle der Massenmedien in der Achtundsechziger-Bewegung und die spezifischen Kommunikationsstrategien der K I
- Die mediale Inszenierung des „Pudding-Attentats“ und des „Brandstifter-Prozesses“ als Beispiele für den Umgang der K I mit den Medien
- Die öffentliche Wahrnehmung der K I und die Frage nach dem Einfluss der Medien auf die Konstruktion ihres öffentlichen Bildes
- Die Divergenz zwischen den Selbstinszenierungen der Kommunarden und ihrer Wahrnehmung durch die Außenwelt
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die K I als exemplarischen Fall für die Nutzung der Massenmedien zur Selbstinszenierung im Kontext der Studentenbewegung vor. Sie führt in die Thematik der symbolischen Politik und der „Pseudoereignisse“ ein und erläutert die Bedeutung der Medien für die Proteste der 1960er Jahre.
Kapitel 2 beleuchtet die Vorstellungen von Kommunikations- und Proteststrategien der Studentenbewegung und deren Umsetzung durch die K I. Es werden die spezifischen Aktionsformen und die Nutzung der „symbolischen Politik“ analysiert.
Kapitel 3 untersucht die Rolle der Massenmedien in den 1960er Jahren und die unterschiedlichen Beziehungen der Studentenbewegung und der K I zu den Medien.
Kapitel 4 und 5 stellen zwei konkrete Aktionen der K I vor, das „Pudding-Attentat“ und den „Brandstifter-Prozess“. Die beiden Kapitel analysieren die Inszenierung der Ereignisse, das mediale Echo und die öffentliche Reaktion.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Studentenbewegung, Kommune I, Protestinszenierung, Massenmedien, symbolische Politik, „Pseudoereignisse“, „Pudding-Attentat“, „Brandstifter-Prozess“ und mediale Inszenierung.
Häufig gestellte Fragen
Was war die Kommune I (K I)?
Die Kommune I war eine politisch motivierte Wohngemeinschaft in Berlin (1967-1969), die durch provokante Aktionen und Medienpräsenz zum Symbol der 68er-Bewegung wurde.
Was versteht man unter "symbolischer Politik" bei der K I?
Es handelt sich um die gezielte Inszenierung von Ereignissen (Pseudoereignissen), die durch dramatische Darstellung Reflexionsprozesse beim Zuschauer auslösen und mediale Aufmerksamkeit erzwingen sollen.
Was war das "Pudding-Attentat"?
Eine geplante Aktion im April 1967, bei der US-Vizepräsident Hubert Humphrey symbolisch mit Pudding beworfen werden sollte, was zu einer massiven medialen Berichterstattung führte.
Wie nutzte die K I Gerichtsverhandlungen für sich?
Im sogenannten "Brandstifter-Prozess" inszenierten die Kommunarden eine "Moabiter Seifenoper", um die Justiz lächerlich zu machen und ihre politische Botschaft über die Medien zu verbreiten.
Warum war die K I so erfolgreich in der Selbstinszenierung?
Die Gruppe besaß ein besonderes Talent, die Mechanismen der Massenmedien der 1960er Jahre zu nutzen und durch provokative Regelverletzungen ständig im Gespräch zu bleiben.
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- Anja Brauer (Author), 2012, Die Kommune I. Protest- und Selbstinszenierung mithilfe der Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275870