Die deutsche Landwirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war geprägt durch viele Veränderungen, die nach und nach zum Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion führten. Angefangen mit dem großen Strukturwandel von Agrarstaat zum Industriestaat und dem damit verbundenen Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft.1 Außerdem den, seit den 1865er / 1875er Jahren einsetzenden, vermehrten Importen von Agrarprodukten – geschuldet dem allgemeinen Anstieg des Im- und Exportwesens, welche, letztens Endes, auch zu einem Sinken der inländischen Agrarproduktion führte.2 Des Weiteren wurde sie geprägt von zwei Weltkriegen, welche die landwirtschaftliche Arbeit behinderten und vor allem bei der Deckung der Nachfrage von Arbeitskräften zu menschenunwürdigen Behandlungen derselben führte.
Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die deutsche Landwirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geben. Hauptschwerpunkt der Hausarbeit werden die Veränderungen der Betriebsgrößen und Besitzverhältnisse sowie die Arbeitssituation, insbesondere in der Vorkriegszeit bis hin zur Weimarer Republik, sein. Dieser Zeitabschnitt bietet aus meiner Sicht die beste Möglichkeit die Entwicklung der Landwirtschaft, der Betriebe und der Arbeitskräfte zu veranschaulichen.
In meiner Hausarbeit werde ich auf den Wandel von überwiegend großen landwirtschaftlichen Gütern hin zu vielen kleinen Betrieben eingehen. Außerdem werde ich den zunehmenden Arbeitskräftemangel, insbesondere zu Kriegszeiten, in der deutschen Landwirtschaft aufzeigen. Die beiden Schwerpunktthemen habe ich gewählt, weil diese, meiner Ansicht nach, maßgeblich die Veränderungen der deutschen Landwirtschaft zu diesem Zeitpunkt der Geschichtsschreibung markieren, und explizit bezugnehmend auf die Kriegszeiten, einen besonderen Einschnitt im Verlauf der Entwicklung darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorkriegszeit (1870 - 1919)
3 Erster Weltkrieg (1914 – 1918)
4 Weimarer Republik (1918 – 1933)
5 Ausblick und Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Veränderungen der deutschen Landwirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung der Betriebsgrößen und Besitzverhältnisse sowie der kritischen Analyse der Arbeitssituation in den verschiedenen historischen Zeitabschnitten bis zur Zeit der Weimarer Republik.
- Strukturwandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft
- Entwicklung von Betriebsgrößen und Fideikommissen
- Arbeitskräftemangel und Einsatz von Wanderarbeitern
- Auswirkungen der Kriegszeiten auf die Agrarproduktion
- Agrarpolitik und Siedlungswesen in der Weimarer Republik
Auszug aus dem Buch
Die Betriebsgrößenstrukturen der deutschen Landwirtschaft 1882, 1895 und 1907 nach der Zahl der Betriebe
Anhand der Tabelle lässt sich schlussfolgern, dass die meisten Betriebe über weniger als 2 ha Nutzfläche verfügten. Dies waren sogenannte Kleinst- oder auch Parzellenbetriebe. Der Anteil dieser Betriebsgruppe, gemessen an den gesamten Betriebsgrößengruppen, war von zwei Faktoren abhängig. Einerseits von dem Vorhandensein von Arbeitsstellen außerhalb der Landwirtschaft und andererseits von der Bodenzersplitterung, welche Folge der Realerbteilung war und der Hauptgrund für die flächenmäßig kleinen Landwirtschaftsbetriebe.
Während die Kleinst- bzw. Parzellenbetriebe eher im Westen Deutschlands vorherrschten, waren im Osten die großen Betriebsgruppen angesiedelt. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges waren aber auch die Fideikommisse, oder auch „Majoratsbetriebe“, weit verbreitet. Fideikommisse leitet sich vom Lateinischen „fidei commissum“ ab und bedeutet so viel wie „zu treuen Händen belassen“. Eine solche Form von Betrieben hatte zur Aufgabe den land- und auch forstwirtschaftlichen Besitz zu erhalten und nach ungeteilter Erbfolge an die bestimmten Erben weiterzugeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Strukturwandels der deutschen Landwirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein und benennt die zentralen Schwerpunkte Betriebsgrößen und Arbeitssituation.
2 Vorkriegszeit (1870 - 1919): Dieses Kapitel analysiert den Prozess der Industrialisierung und die damit einhergehende Siedlungspolitik sowie die Rolle der Fideikommisse und den zunehmenden Bedarf an ausländischen Arbeitskräften.
3 Erster Weltkrieg (1914 – 1918): Hier wird der kriegsbedingte Arbeitskräftemangel sowie die drastische Umstellung der Agrarproduktion zur Sicherung der Grundversorgung der Bevölkerung beleuchtet.
4 Weimarer Republik (1918 – 1933): Das Kapitel behandelt die Auswirkungen der Gebietsabtretungen durch den Versailler Vertrag, das Reichssiedlungsgesetz und die zunehmende Verschuldung der Betriebe in der Krisenzeit.
5 Ausblick und Fazit: Der abschließende Teil betrachtet die agrarpolitische Kehrtwende ab 1933 durch den Nationalsozialismus und zieht eine Bilanz über die Entwicklung der landwirtschaftlichen Rentabilität und Betriebsstrukturen.
6 Literaturverzeichnis: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Monographien.
Schlüsselwörter
Landwirtschaft, Agrarstaat, Industriestaat, Betriebsgrößen, Fideikommisse, Arbeitskräftemangel, Wanderarbeiter, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Realteilung, Siedlungspolitik, Agrarpolitik, Zwangsarbeit, Strukturwandel, Landflucht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der deutschen Landwirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verschiebung der Betriebsgrößen, der Veränderung der Besitzverhältnisse und der prekären Arbeitssituation der landwirtschaftlichen Kräfte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Einfluss des Strukturwandels vom Agrar- zum Industriestaat auf die landwirtschaftlichen Betriebe und deren Arbeitsabläufe in der Vorkriegszeit und der Weimarer Republik aufzuzeigen.
Welche methodische Vorgehensweise wählt die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und historischen Quellenarbeit, um die wirtschaftliche und soziale Lage der Landwirtschaft in Deutschland zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Phasen der Vorkriegszeit, die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Produktion und Arbeitskräfte sowie die Maßnahmen der Weimarer Republik zur betrieblichen Stützung.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Landwirtschaft, Strukturwandel, Agrarpolitik, Betriebsgrößen, Arbeitskräftemangel und die Auswirkungen der Weltkriege.
Welche Bedeutung hatten Fideikommisse in der damaligen Agrarstruktur?
Sie dienten als „Majoratsbetriebe“ zur Erhaltung landwirtschaftlicher Güter durch ungeteilte Erbfolge, was vor allem in Ostpreußen großflächig verbreitet war und erst 1919 aufgehoben wurde.
Warum war der Einsatz von Wanderarbeitern so entscheidend für die damaligen Gutsbesitzer?
Aufgrund der Abwanderung der heimischen Bevölkerung in die Städte und der niedrigen Löhne waren ausländische Wanderarbeiter eine kostengünstige und in großer Zahl verfügbare Alternative zur Aufrechterhaltung der Produktion.
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- Lisa Schorm (Author), 2013, Die deutsche Landwirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zwischen Protektionismus, Marktöffnung und Kriegsbewirtschaftung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273569