Der aktuell vorherrschende Neoliberalismus ist nicht nur bloße Wirtschaftsordnung. Er ist eine politische Theorie, welche Rolle des Staates und seiner Gesellschaft klar definiert und damit einer politikwissenschaftlichen Analyse mehr als würdig ist.
Intention der vorliegenden Arbeit ist es, auch unter Betracht der aktuellen Relevanz des Phänomens Neoliberalismus, aufzuzeigen, dass dieser sehr viel mehr ist als eine ökonomische Theorie. Ziel eben dieser Analyse ist es, die neoliberale Konzeption am Beispiel der Theorien Friedrich A. von Hayeks aufzuzeigen, diese hinreichend, sowohl aufgrund inhärenter Paradoxien als auch anhand aus einer solchen Konzeption resultierender Konsequenzen für Staat und Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen zu kritisieren und abschließend eine Einordnung zur aktuellen Relevanz des Neoliberalismus vorzunehmen. Außerdem soll sich dem Leser durch Lektüre der Analyse Hayeks Konzeption ein klarer definiertes, wenn auch simultan breiteres, da interdisziplinäreres, Verständnis von Neoliberalismus auftun.
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Rolle des Staates und seiner Gesellschaft im Neoliberalismus. Als exemplarische neoliberale Theorie wird hierfür jene des Hauptvertreters dieser Strömung, Friedrich August von Hayek herangezogen.
Zunächst wird eine Definition des sonst diffusen Begriffes "Neoliberalismus" sowie eine Erklärung warum die Wahl unter einer Vielzahl von Theoretikern dieser Strömung auf Hayek fiel gegeben, folgend wird das Werk des Theoretikers in verschiedenen Schritten präsentiert. Die hayeksche Staats- und Gesellschaftstheorie wird dabei in aufeinanderaufbauenden Schritten aufgezeigt:
1. Der Epistemologischer Ansatz der Begrenztheit individuellen Wissens.
2. Die Theorie der kulturellen Evolution.
3. Die Bedeutung von Markt, Wettbewerb und Preisen in der hayekschen Konzeption.
4. Die spontane Ordnungstheorie.
5. Die politischen Ideale Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit und zuletzt die Rolle des Staates in der neoliberalen Konzeption Hayeks.
Nach Präsentation der hayekschen Staats- und Gesellschaftstheorie erfolgt die Kritik an eben dieser auf 2 Ebenen: Zum Einen verweist die vorliegende Hausarbeit auf inhärente Paradoxien, zum Anderen sollen kritisch die Konsequenzen für Staat und Gesellschaft aus der neoliberalen Konzeption aufzeigt werden.
Im abschließenden Fazit erfolgt ein Resumee sowie ein Ausblick auf die aktuelle Relevanz des Neoliberalismus.
1. Einleitung
2. Zum Begriff Neoliberalismus und der Bedeutung Hayeks
3. Die hayeksche Staats- und Gesellschaftstheorie
3.1 Epistemologischer Ansatz der Begrenztheit individuellen Wissens
3.2 Theorie der kulturellen Evolution
3.3 Zur Bedeutung von Markt, Wettbewerb und Preisen in der hayekschen Konzeption
3.4 Die spontane Ordnungstheorie
3.5 Zu Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit
3.6 Rolle des Staates in der neoliberalen Konzeption Hayeks
4. Kritik an der neoliberalen politischen Philosophie Hayeks
4.1 Inhärente Paradoxien
4.2 Konsequenzen für Staat und Gesellschaft aus der neoliberalen Konzeption
5. Fazit und Ausblick auf Relevanz des Neoliberalismus
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Neoliberalismus am Beispiel der Theorien von Friedrich A. von Hayek als umfassende politische Philosophie statt als reine ökonomische Theorie zu analysieren, ihre inneren Widersprüche und gesellschaftlichen Konsequenzen aufzuzeigen sowie ihre aktuelle Relevanz einzuordnen.
- Die epistemologische Grundannahme der Begrenztheit individuellen Wissens als Axiom der Hayekschen Philosophie.
- Die Rolle des Marktes als zentrales Entdeckungsverfahren und Entwurf einer spontanen Ordnung.
- Die Definition und Abgrenzung von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit im Kontext des liberalen Rechtsstaates.
- Kritische Analyse der neoliberalen Staatsrolle und der Gefahren durch die Dominanz des Marktprinzips.
- Aktuelle Einordnung neoliberaler Denkmuster in gesellschaftliche Krisenphänomene.
Auszug aus dem Buch
3.4 Die spontane Ordnungstheorie
Für FH stehen freies, individuelles Handeln auf der einen, und Gesellschaftsordnung auf der anderen Seite, nicht im Widerspruch. Vielmehr führt die uneingeschränkte Interaktion der Individuen erst zur Bildung einer solchen Ordnung (Zeitler, 1995, p. 31).
Der Kerngedanke der spontanen Ordnung lässt sich mit der Annahme, dass soziale Phänomene existent sind, welche Resultat menschlicher Handlungen, nicht aber eines gezielten Entwurfes sind, beschreiben (Zeitler, 1995, p. 32). Dieses Axiom steht erneut im Einklang mit dem hayekschen Wissenstopos und der kulturellen Evolution, beziehungsweise kann wiederum auf jene zurückgeführt werden.
Der Theoretiker unterscheidet zwei Arten von Ordnung: Zum einen den Kosmos, zum anderen die Taxis (Hayek, 1980, p. 57).
Ersterer ist als wertneutral, also frei von einem normativen Charakter, als ungeplant, das heißt nicht zweckgerichtet und autoproduktiv, beziehungsweise autoorganisiert, zu verstehen. Der Kosmos entsteht somit spontan und ist abstrakt. Die Taxis hingegen charakterisiert sich durch ihre künstliche Herbeiführung qua der Absicht, mit ihr ein gewisses Ziel oder einen Zweck zu erreichen. Sie kann somit als statisches, von Individuen produziertes und organisiertes, sowie als konkretes und normativ-konnotiertes Phänomen verstanden werden (Zeitler, 1995, p. 40 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das diffuse Verständnis des Begriffs Neoliberalismus und führt die Absicht der Arbeit ein, diesen anhand von Hayeks Theorien als politische Philosophie kritisch zu untersuchen.
2. Zum Begriff Neoliberalismus und der Bedeutung Hayeks: Hier wird der gewählte weite Begriff des Neoliberalismus als Gesamtkonzeption begründet und die zentrale Bedeutung von Friedrich A. von Hayek für die theoretische Fundierung und praktische Verbreitung der neoliberalen Lehre herausgestellt.
3. Die hayeksche Staats- und Gesellschaftstheorie: Dieses zentrale Kapitel analysiert die philosophischen Axiome Hayeks, darunter das begrenzte Wissen, die kulturelle Evolution sowie die Vorrangstellung von Markt, spontaner Ordnung und eines formalen Rechtsstaates.
4. Kritik an der neoliberalen politischen Philosophie Hayeks: Hier werden die logischen Widersprüche der Hayekschen Argumentation und die prekären Auswirkungen seines Marktparadigmas auf Individuum, Gesellschaft und Demokratie kritisch hinterfragt.
5. Fazit und Ausblick auf Relevanz des Neoliberalismus: Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Analyseergebnisse sowie eine Einschätzung zur gegenwärtigen Relevanz neoliberaler Strukturen und Ideologien.
Schlüsselwörter
Neoliberalismus, Friedrich A. von Hayek, Marktparadigma, Spontane Ordnung, Konstitutive Unwissenheit, Kulturelle Evolution, Rechtsstaat, Freiheit, Individueller Liberalismus, Politische Philosophie, Wettbewerb, Gesellschaftsordnung, Ökokratie, Rule of Law, Kapitalismuskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht den Neoliberalismus als politische Philosophie am Beispiel der Theorien von Friedrich A. von Hayek.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den erkenntnistheoretischen Grundlagen Hayeks, seiner Theorie der spontanen Ordnung, der Rolle des Staates und den daraus resultierenden gesellschaftlichen sowie ökonomischen Konsequenzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den politischen Charakter des Neoliberalismus aufzuzeigen, ihn kritisch zu beleuchten und eine Einordnung seiner aktuellen gesellschaftlichen Relevanz vorzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf einer Literaturstudie der Werke Hayeks und korrespondierender kritischer Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundpfeiler der Hayekschen Theorie (Wissenstopos, kulturelle Evolution, Markt, Ordnungstheorie) dargestellt und anschließend einer kritischen Analyse hinsichtlich Paradoxien und gesellschaftlicher Folgen unterzogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Neoliberalismus, Hayek, Marktparadigma, spontane Ordnung, Freiheit, individueller Liberalismus und Rechtsstaat.
Was ist das Paradoxon des neoliberalen Denkens laut der Autorin?
Das Paradoxon liegt darin, dass der Neoliberalismus die Gesellschaft als Produkt spontaner Prozesse sieht, gleichzeitig aber eine zielgerichtete ideologische Einflussnahme auf Meinung und Politik betreibt, um den Markt durchzusetzen.
Warum kritisiert die Autorin die Anwendung des Marktparadigmas auf die Gesellschaft?
Die Autorin argumentiert, dass die Ausweitung des Marktprinzips auf alle Lebensbereiche zu einer "Diktatur des Marktes" führen kann, in der dem Individuum bei mangelnder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der intrinsische Wert abgesprochen wird.
- Arbeit zitieren
- Carmen Puchinger (Autor:in), 2014, Der neoliberale Staat. Theorie, Kritik und Frage der aktuellen Relevanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273056