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Die attische Demokratie in der Leichenrede des Perikles auf die Gefallenen im ersten Jahr des Peloponnesischen Krieges (Thuk II,35-41)

Title: Die attische Demokratie in der Leichenrede des Perikles auf die Gefallenen im ersten Jahr des Peloponnesischen Krieges (Thuk II,35-41)

Seminar Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Naemi Fast (Author)

World History - Early and Ancient History
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Summary Excerpt Details

[...] Die Leichenfeier im Winter 4312 wird bei Thukydides recht ausführlich
beschrieben (II,34,1-7). Es war eine öffentliche Feierlichkeit, bei der ein berühmter
Politiker, in diesem Fall Perikles3, eine Rede hielt. Plutarch beschreibt Perikles als einen
sehr begabten und für seine Redekunst berühmten4, aber auch als „in den Feldzügen [...]
tüchtige[n] die Gefahr liebende[n] Mann“5. Bei Thukydides sind vier Reden des Perikles
überliefert6. In dieser Hausarbeit soll die berühmteste davon, der Epitaphios, behandelt
werden, dessen Ziel offensichtlich war, „den Athenern die Grundlagen und das Wesen
ihrer gesellschaftlichen und individuellen Existenz bewusst zu machen“7, das Volk in
seiner Motivation zum Kampf für diese großartige Stadt zu stärken, und „nach außen hin
[...] eine propagandistische Wirkung zu erzielen.“8 Eine ideologische Untermauerung der
Kriegspolitik also, deren Nationalismus beachtenswert ist.
Nach einer Vorbemerkung (II,35), in der Perikles das Ziel seiner Rede nennt und die
Glaubwürdigkeit des von ihm Gesagten bezeugt, hält er eine kurze Rückschau in die
Vergangenheit (II,36) und geht dann zur Gegenwart über. Der erste Hauptteil (II,37-41)
enthält das Lob der attischen Demokratie, im zweiten (II,42-46) greift Perikles die
Gefallenen wieder auf und wendet sich mit Ermahnungen an die Lebenden. Diese
Hausarbeit soll die Darstellung der demokratischen Verfassung Athens in dieser Rede
interpretieren, weshalb dafür im Wesentlichen die Kapitel 37-41 von Bedeutung sind.
2 Alle Zeitangaben gehören selbstverständlich in die Zeit vor Christus, was ich deswegen nicht zu den einzelnen
Jahresangaben dazugeschrieben habe.
3 Perikles hatte seine politische Laufbahn 462 nach dem Tode des Ephialtes begonnen, war ein hoch angesehener
Staatsmann, Sohn berühmter Eltern. Sein Vater Xanthippos besiegte 479 das persische Heer in der Landschlacht bei
Mykale, seine Mutter Achariste war die Enkelin des Kleisthenes. Zu Herkunft und Familie des Perikles siehe Plutarch,
Perikles III, 1., Leipzig, S. 5.
4 Siehe Plut. Per. VII, 1 und VIII.
5 Plut. Per. VII, 1, S. 12.
6 Die Kriegsrede vor den Athenern (I,140-144), die Rede im Sommer des ersten Kriegsjahres (II,13) in indirekter Form,
der berühmte Epitaphios (II,35-46) und die Verteidigungsrede vor den Athenern (II, 59-64).
7 Nickel, Leitbild, S. 169.
8 Nickel, Leitbild, S. 169.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Zum historischen Wahrheitsgehalt der Leichenrede

1. Die Glaubwürdigkeit der Überlieferung des Thukydides

2. Zur Authentizität der dargestellten Sachverhalte

II. Zur Darstellung der attischen Demokratie in der Leichenrede des Perikles

1. Perikles‘ Einleitung (II,36)

2. Vorbemerkungen

3. Gesellschaftsordnung (II,37)

a) Rechtsgleichheit

b) Freiheit

4. Lebensqualität und Wirtschaft (II,38)

5. Militärische Leistung Athens im Vergleich mit Sparta (II,39)

6. Persönliche Qualitäten der Bürger (II,40)

a) Schönheitsliebe und Philosophie (40,1)

b) Verhältnis zum Geld (40,1)

c) Politische Aktivität und Verantwortlichkeit (40,2)

d) Urteilsvermögen und Entscheidungsfindung (40,2)

e) Opferbereitschaft in Kenntnis der Sachlage (40,3)

f) Hilfsbereitschaft und Freundschaft (40,4)

7. Zusammenfassung (II,40)

Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie Thukydides die attische Demokratie in der berühmten Grabrede des Perikles darstellt, um die gesellschaftlichen Grundlagen und das Selbstverständnis Athens während des Peloponnesischen Krieges zu analysieren.

  • Analyse des historischen Wahrheitsgehalts der Leichenrede des Perikles.
  • Untersuchung der demokratischen Ideale Athens im Vergleich zu Sparta.
  • Betrachtung von Rechtsgleichheit, Freiheit und wirtschaftlichem Standard in der attischen Polis.
  • Erörterung der persönlichen Qualitäten und Pflichten der athenischen Bürger.
  • Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen idealisierter Darstellung und politischer Realität.

Auszug aus dem Buch

3. Gesellschaftsordnung (II,37)

Ein Prinzip der attischen Gesellschaftsordnung ist die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz (37,1), aufgrund der niemand wegen seiner sozialen oder gesellschaftlichen Stellung benachteiligt wird. Perikles grenzt damit die demokratische Ordnung gegen die oligarchische ab. Letztere steht für Privilegien und Bevorzugung bestimmter Kreise und Familien, Beugung des Rechts zu Gunsten der Einflussreichen, während die demokratische Gleichrangigkeit der Bürger vor dem Gesetz schon in der kleisthenischen Bezeichnung „Isonomie“ deutlich wird.

Im Staatswesen soll also jeder tüchtige Mann die Möglichkeit haben, seine Fähigkeit einzusetzen. Dabei sollen die Wohlhabenden keine besseren Chancen aufgrund ihres Reichtums haben, ein Armer darf nicht, „wenn er trotzdem für die Stadt etwas leisten könnte, durch seine unscheinbare Stellung daran gehindert“ werden. Im vorkleisthenischen Athen hatte die Staatsherrschaft tatsächlich eher bei den wohlhabenderen gelegen, schon allein die Sorge für sein eigenes Überleben verwehrte dem armen Mann die Möglichkeit zur politischen Tätigkeit. Die Reformen des Kleisthenes waren ein Versuch, traditionelle Gesellschaftsstrukturen zu überwinden und die Beteiligung auf eine möglichst breite Bürgerzahl zu verteilen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema der Grabrede des Perikles und deren Funktion als ideologische Untermauerung der athenischen Kriegspolitik.

I. Zum historischen Wahrheitsgehalt der Leichenrede: Diskussion der wissenschaftlichen Arbeitsweise des Thukydides und der Authentizität der in seinem Werk überlieferten Reden.

II. Zur Darstellung der attischen Demokratie in der Leichenrede des Perikles: Interpretation der perikleischen Ideale, die die Grundlagen und das Wesen der attischen Gesellschaft definieren.

1. Perikles‘ Einleitung (II,36): Würdigung der Verdienste der Vorfahren, Väter und der zeitgenössischen Generation für den Erfolg Athens.

2. Vorbemerkungen: Einordnung der athenischen Staatsform als Demokratie als Gegenmodell zur oligarchischen Herrschaft.

3. Gesellschaftsordnung (II,37): Analyse von Rechtsgleichheit und individueller Freiheit innerhalb der athenischen Gesellschaft.

4. Lebensqualität und Wirtschaft (II,38): Untersuchung der öffentlichen Feste und der wirtschaftlichen Vormachtstellung Athens.

5. Militärische Leistung Athens im Vergleich mit Sparta (II,39): Vergleich des athenischen Kampfesmutes mit dem spartanischen Drill.

6. Persönliche Qualitäten der Bürger (II,40): Betrachtung der moralischen Anforderungen an den Bürger, von ästhetischem Empfinden bis zu politischem Engagement.

7. Zusammenfassung (II,40): Synthese des Hymnos auf Athen als „Schule von Hellas“.

Schlussbemerkung: Kritische Reflexion über die praktische Umsetzbarkeit demokratischer Ideale angesichts menschlicher Schwächen.

Schlüsselwörter

Thukydides, Perikles, Leichenrede, Epitaphios, attische Demokratie, Peloponnesischer Krieg, Athen, Sparta, Isonomie, Bürgerpflicht, politische Partizipation, antike Geschichte, Staatsverfassung, Freiheit, Rechtsgleichheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Interpretation der Leichenrede des Perikles, wie sie der Historiker Thukydides überliefert hat, und deren Darstellung der athenischen Demokratie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Staatsverfassung, die Gesellschaftsordnung, das Verhältnis von Wirtschaft und Freiheit sowie die moralischen Anforderungen an die Bürger im antiken Athen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das von Perikles gezeichnete Idealbild Athens herauszuarbeiten und kritisch zu hinterfragen, wie sehr dieses Ideal mit der historischen Realität übereinstimmte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine quellenkritische Interpretation, die den Originaltext des Thukydides unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der politischen Struktur, der militärischen und wirtschaftlichen Stärke Athens sowie der persönlichen Qualitäten und Verantwortlichkeiten der athenischen Bürger.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Demokratie, Perikles, Thukydides, Isonomie, athenische Polis, Bürgerpflichten und der Vergleich zwischen Athen und Sparta.

Wie unterscheidet sich das athenische Freiheitsverständnis laut Perikles von dem Spartas?

Perikles betont den freien, ungezwungenen Umgang der Bürger untereinander im Gegensatz zur spartanischen Geheimnistuerei und dem strengen, gesetzlich diktierten Drill.

Was schlussfolgert die Autorin über die Umsetzbarkeit der Demokratie?

Die Autorin äußert Zweifel, ob Demokratie angesichts natürlicher menschlicher Schwächen und der Tendenz zu hierarchischen Strukturen jemals vollständig und ideal umsetzbar ist.

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Details

Title
Die attische Demokratie in der Leichenrede des Perikles auf die Gefallenen im ersten Jahr des Peloponnesischen Krieges (Thuk II,35-41)
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Insitut für Alte Geschichte)
Course
Proseminar Griechische Geschichte im Zeitalter des Perikles
Grade
2,3
Author
Naemi Fast (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V27261
ISBN (eBook)
9783638293563
Language
German
Tags
Demokratie Leichenrede Perikles Gefallenen Jahr Peloponnesischen Krieges Proseminar Griechische Geschichte Zeitalter Perikles
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Naemi Fast (Author), 2003, Die attische Demokratie in der Leichenrede des Perikles auf die Gefallenen im ersten Jahr des Peloponnesischen Krieges (Thuk II,35-41), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27261
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