„Woher nimmt er das Recht […] Fortschritt nicht bloß als ein Voranschreiten, sondern als ein Höherschreiten zu verstehen, im Neuen also nicht nur ein Neues, sondern zugleich ein Besseres zu sehen? Kennt er das letzte Ziel der Entwicklung?“
Heute ist die Dialektik des Fortschritts allgemein bekannt, jede neue Errungenschaft – sei es in technischer, politischer oder auch sozialer Hinsicht – birgt gleichzeitig ein Verbesserungs-, aber auch ein Zerstörungspotential. Voranschreiten bedeutet das Verdrängen und Vernichten des bisher Bestehenden, und da die Entwicklung im Moment ihres Geschehens nicht abgesehen werden kann, ist Fortschritt immer ein Risiko. Fortschritt fordert Kosten ein, wenn nicht sogar Opfer. Der Verlauf der Geschichte schreitet unaufhaltsam fort, aber Fortschreiten ist nicht notwendigerweise progressiv.
„Was kostet der Fortschritt?“ lautet der Titel dieser Arbeit, dessen Anliegen die Untersuchung der Wahrnehmung des Fortschritts im England des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts ist, wie Heinrich Heine und Georg Weerth es kennenlernten. Dies geschieht anhand einer Analyse der Werke „Englische Fragmente“ von Heine und „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“ von Weerth. Diese beiden deutschen Dichter waren zweifelsohne jene tieferblickenden Beobachter, die in ihrer Bewertung der englischen Zustände hinter die Kulissen des „goldene[n] Zeitalter[s]“ der Technisierung blickten. Es soll gezeigt werden, wie Heine und Weerth die industrielle, politische und soziale Entwicklung Englands bewerteten, sowie welche Aspekte ihnen dabei als fortschrittlich, stillstehend oder sogar rückschrittlich erschienen. Letztendlich soll auf den Punkt gebracht werden, ob Heine und Weerth die von ihnen erlebte Lage in England als positiv oder negativ ansahen.
Inhalt
1. Einleitung
2. Zeitgenössisches: Industrielle, politische und soziale Revolution(en)
3. Heines „Englische Fragmente“
3.1 Das London-Fragment: „Dieser bare Ernst aller Dinge“
3.2 England aus der Sicht Heines: Beobachtungen aus der Distanz
4. Weerths „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“
4.1 Die London-Skizze: „Jener fürchterliche Ernst des Lebens“
4.2 England aus der Sicht Weerths: Beobachtungen aus nächster Nähe
5. Die Wahrnehmung des Fortschritts in England bei Heine und Weerth im Vergleich
6. Schluss
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Welche Autoren werden in dieser Untersuchung verglichen?
Die Arbeit vergleicht die Werke von Heinrich Heine („Englische Fragmente“) und Georg Weerth („Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“).
Was ist der Kern der "Dialektik des Fortschritts"?
Sie beschreibt, dass jede Neuerung (technisch, sozial, politisch) sowohl ein Verbesserungs- als auch ein Zerstörungspotenzial in sich trägt.
In welchem Land beobachteten Heine und Weerth den Fortschritt?
Beide Autoren analysierten die industrielle und soziale Entwicklung in England im frühen und mittleren 19. Jahrhundert.
Was unterschied Weerths Sichtweise von Heines Sichtweise?
Während Heine England eher aus einer gewissen Distanz beobachtete, lieferte Weerth Beobachtungen aus "nächster Nähe" zum sozialen Leben.
Wurde der industrielle Fortschritt rein positiv bewertet?
Nein, die Arbeit zeigt, dass beide Autoren hinter die Kulissen des „goldenen Zeitalters“ blickten und auch die Kosten und Opfer der Technisierung thematisierten.
- Quote paper
- Julia Haase (Author), 2006, Was kostet der Fortschritt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272434