„Wo immer Menschen zusammenkommen, schiebt sich Welt zwischen sie, und es ist in diesem Zwischen-Raum, daß alle menschlichen Angelegenheiten sich abspielen. […] Politik beruht auf der Tatsache der Pluralität der Menschen […].“ Ein demokratiefördernder Politik-unterricht soll somit Kontroversen aufzeigen, Akzeptanz gegenüber kontroversen Meinungen schaffen und Verfahren zur Austragung von Kontroversen fördern. Diese Forderungen wur-den in den siebziger Jahren in dem zweiten Grundsatz des Beutelsbacher Konsens, dem Kontroversitätsgebot, festgehalten.
Die Aktualität dieses Gebots sowie des fachdidaktischen Prinzips der Konfliktorientierung, welches auf die pädagogische Aufarbeitung der soziologischen Konflikttheorie Ralf Dahren-dorfs durch Hermann Giesecke zurückgeht, sollen im Folgenden überprüft werden.
In diesem Prinzip „[…] spiegelt sich die Bewegung der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts weg von Aufbau und Integrationsleistungen hin zu Auseinandersetzungen und Revolten […]“ wider. „Geboren“ wurde es in einem konfliktgeprägten Jahrzehnt des Umbruchs. Die heutige Gesellschaft hat mit der damals herrschenden Bewegung nur noch wenig gemein. Dementsprechend lautet die erkenntnisleitende Fragestellung dieser Hausarbeit, ob das im Beutelsbacher Konsens festgehaltene Kontroversitätsgebot sowie die damit eng verbundene Konfliktorientierung auch im heutigen Politikunterricht weiterhin eine zentrale Rolle einneh-men sollten.
Eingeleitet wird die Ausarbeitung daher durch eine knappe Darstellung des Beutelsbacher Konsens`. Diese wird durch eine differenziertere Betrachtung eines der Beutelsbacher Grund-sätze, des Kontroversitätsgebotes, ergänzt. Anschließend wird die Konfliktorientierung im Politikunterricht beleuchtet, wobei ein Schwerpunkt auf die Konfliktanalyse gelegt wird. Die-se wird daraufhin im Rahmen eines Praxisbeispiels angewendet. Abschließend wird im Rah-men einer Schlussbetrachtung ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Beutelsbacher Konsens
- Kontroversitätsgebot
- Konfliktorientierung im Politikunterricht
- Konfliktanalyse
- Anwendungsbeispiel
- Schlussbetrachtung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Beutelsbacher Konsens und dem Prinzip der Konfliktorientierung im Politikunterricht. Ziel der Arbeit ist es, die Aktualität dieser Konzepte im Kontext des heutigen Politikunterrichts zu beleuchten und ihre Bedeutung im Bildungsprozess zu analysieren.
- Der Beutelsbacher Konsens als grundlegendes Prinzip der politischen Bildung
- Das Kontroversitätsgebot und seine Bedeutung für die Gestaltung kontroverser Debatten
- Konfliktorientierung als pädagogisches Prinzip und seine Anwendung im Politikunterricht
- Die Bedeutung der Konfliktanalyse im Rahmen des Politikunterrichts
- Die Rolle von Praxisbeispielen in der Vermittlung von Konfliktorientierung
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz von Kontroversen und Pluralität im Politikunterricht heraus und führt die zentrale Fragestellung der Arbeit ein: ob das Kontroversitätsgebot und die Konfliktorientierung auch im heutigen Politikunterricht relevant sind.
- Beutelsbacher Konsens: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext des Beutelsbacher Konsens und seine Entstehung im Zuge des Richtlinienstreits der 1970er Jahre. Die drei Grundsätze des Konsenses, insbesondere das Kontroversitätsgebot, werden vorgestellt.
- Konfliktorientierung im Politikunterricht: Dieses Kapitel beleuchtet das Prinzip der Konfliktorientierung, das auf der soziologischen Konflikttheorie von Ralf Dahrendorf basiert. Es wird auf die Konfliktanalyse im Politikunterricht eingegangen und ein Praxisbeispiel zur Veranschaulichung präsentiert.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Beutelsbacher Konsens, Kontroversitätsgebot, Konfliktorientierung, Konfliktanalyse, Politikunterricht, Praxisbeispiel, Didaktik, Pluralität, Demokratieförderung
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Beutelsbacher Konsens?
Der Beutelsbacher Konsens von 1976 ist ein Grundsatzpapier für die politische Bildung in Deutschland. Er umfasst drei Prinzipien: Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und die Analyse der Interessenlage der Schüler.
Was besagt das Kontroversitätsgebot?
Es besagt, dass Themen, die in der Wissenschaft oder Politik kontrovers diskutiert werden, auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden müssen. Lehrkräfte dürfen ihre eigene Meinung nicht als die einzig richtige vermitteln.
Was bedeutet Konfliktorientierung im Politikunterricht?
Konfliktorientierung (nach Hermann Giesecke und Ralf Dahrendorf) sieht gesellschaftliche Konflikte als Motor der Demokratie. Schüler sollen lernen, Konflikte zu analysieren, verschiedene Interessen zu erkennen und Verfahren zur friedlichen Austragung zu nutzen.
Sind diese Prinzipien heute noch aktuell?
Ja, die Arbeit argumentiert, dass in einer pluralistischen Gesellschaft die Akzeptanz kontroverser Meinungen und die Fähigkeit zur Konfliktanalyse zentrale Voraussetzungen für die Demokratieförderung bleiben.
Wie wird Konfliktorientierung praktisch vermittelt?
Dies geschieht meist durch die Analyse konkreter Fallbeispiele, bei denen Schüler die Positionen der Beteiligten untersuchen und eigene Lösungsansätze für politische oder soziale Konflikte entwickeln.
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- Sarah Bastemeyer (Author), 2013, Fachdidaktische Prinzipien der politischen Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271501