Die Entstehung eines globalen Netzwerkes, das nicht zuletzt in der Entwicklung des Internets mündete, datiert weit vor den Aufbau internationaler Serverzentren seit dem ausklingenden 20. Jahrhundert. Verglichen mit den immer kürzeren Abständen medientechnischer Entwicklungen in den vergangenen 100 Jahren, welche durch die Erfindungen von Radio, Fernsehen und Internet geprägt wurden, bewegte sich die Entwicklung der Telegrafie über einen relativ langen Zeitraum. So unbedeutend Telegrafie heute scheinen mag, so bedeutend und irreversibel veränderte sie die globale Kommunikation.
Nachrichtenübermittlung war bis zum Aufkommen der Telegrafie entweder an ein physisches Medium oder die mündliche Überbringung gebunden. Durch die entmaterialisierte Überwindung von Raum konnte eine nie dagewesene Übermittlungsgeschwindigkeit erreicht werden. Bis ein kontinentübergreifendes Netzwerk an telegrafischen Verbindungen existierte, waren viele kleinere und größere Erfindungen vonnöten, die aufeinander aufbauten.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Anfängen der Telekommunikation um 1790, beginnend mit der Erfindung des Flügeltelegrafen durch Claude Chappe (1763-1805). Sie zeichnet ferner die Weiterentwicklung innerhalb eines halben Jahrhunderts bis hin zum Siegeszug des elektromagnetischen Telegrafen nach, dessen weltumspannendes Netzwerk als eine Art Ur-Internet bezeichnet werden kann.
Die Nachzeichnung der mediengeschichtlichen Entwicklung beschränkt sich einerseits auf wegweisende Etappen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Andererseits soll, um dem mediengeschichtlichen Charakter der Arbeit gerecht zu werden, versucht werden, die historischen Abläufe nachvollziehbar zu skizzieren.
Der Arbeit liegt die Annahme zugrunde, dass Telegrafie die Entwicklung einer modernen globalisierten Welt in entscheidender Weise vorangetrieben hat. Dem medienhistorischen Teil folgt eine Untersuchung des Telegrafen als Werkzeug telekommunikationstechnischer Globalisierung. Mit einer Analyse der frühen Hauptanwendungsbereiche der Telegrafie in Politik, Militär, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft wird der weltumspannende Einfluss der neuen Kommunikationsmethode untersucht. Dies geschieht beispielhaft anhand repräsentativer Anwendungsfindungen früher Telegrafie in genannten Bereichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Abriss
2.1 Optische Telegrafie
2.2 Elektrische Telegrafie
2.2.1 Elektrochemische und elektrostatische Telegrafie
2.2.2 Elektromagnetische Telegrafie
3 Der Telegraf als globalisierendes Element
3.1 Erwartungen an das friedenstiftende Potential der Telekommunikation
3.2 Nutzung und Nutzen des Telegrafen
3.2.1 Militärische und imperialistische Anwendung der Telegrafie
3.2.2 Mediale Anwendung der Telegrafie
3.2.3 Kommerzielle Anwendung der Telegrafie
3.2.4 Private Anwendungsbereiche der Telegrafie
4 Zusammenfassung
5 Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wer erfand den optischen Telegrafen?
Claude Chappe erfand um 1790 den Flügeltelegrafen, der Nachrichten mittels beweglicher Arme über Sichtweiten übermittelte.
Wie veränderte die Telegrafie die globale Kommunikation?
Sie ermöglichte erstmals die entmaterialisierte Überwindung von Raum in Sekundenschnelle und legte den Grundstein für das heutige Internet.
Was ist der Unterschied zwischen optischer und elektromagnetischer Telegrafie?
Optische Telegrafie benötigt Sichtkontakt zwischen Stationen, während elektromagnetische Telegrafie Nachrichten über weite Distanzen durch elektrische Impulse in Kabeln sendet.
In welchen Bereichen wurde die Telegrafie zuerst genutzt?
Die Hauptanwendungsbereiche waren das Militär, die Politik (Regierungsnachrichten), die Wirtschaft (Börsenkurse) und die aufkommenden Massenmedien.
Warum wird das Telegrafennetz als "Ur-Internet" bezeichnet?
Es war das erste weltumspannende Netzwerk, das Informationen global vernetzte und die Grundlage für die moderne Globalisierung schuf.
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- Johannes Rieble (Author), 2013, Vom optischen zum elektromagnetischen Telegrafen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270510