Glück in dem Zusammenhang, in dem es folgend betrachtet wird, meint das englische „happiness“, nicht das schicksalhaftere, mit Zufall behaftete „luck“. Es geht also um „glücklich sein“, nicht um „Glück haben“. Doch im weiteren Verlauf soll nicht die Frage gestellt werden, was Glück genau ist, ob es nur etwas hemmungslos Subjektives ist, oder was glücklich macht, sondern es geht darum, welchen Platz das Thema Glück in zwei verschiedenen Ethiken hat: Zum einen im Utilitarismus von John Stuart Mill und zum anderen in der Gesinnungsethik Immanuel Kants. Schon die beiden Ethiken werden oft als unvereinbare Gegensätze dargestellt, und gerade im Bezug auf das Glück könnten sie verschiedener nicht sein: Auf der einen Seite Mill, der glücks- und lustsüchtige Hedonist, auf der anderen Seite Kant, der verbissene Pflichtethiker und Glücksverachter. Im Laufe meiner Arbeit möchte ich untersuchen, ob diese beiden Philosophen tatsächlich so unterschiedlich sind, oder ob auch Gemeinsamkeiten und Vereinbarkeiten auffindbar sind.
Beginnen werde ich mit Mills Utilitarismus, welcher zu zentralen Teilen auf dem Glücksbegriff aufbaut. Anfangs werden die Charaktermerkmale grob zu beschreiben sein, die den meisten utilitaristischen Theorien gemein sind. Folgend wird beleuchtet, was Mill als das höchste Gut ansieht, wobei dann direkt auf das Thema Glück einzugehen sein wird. Anschließend wird Mills Beweisführung des Nützlichkeitsprinzips beleuchtet, in welcher er beweisen muss, dass das Glück der Endzweck menschlichen Handelns ist. Abschließend wird Kritik an Mills utilitaristischen Theorie zu äußern sein.
Darauf folgt die Darstellung von Kants Gesinnungsethik. Ich bemühe mich, kurz auf seine Ethik einzugehen und sie zu erläutern. Es wird relativ wenig von Glück die Rede sein, da, im Gegensatz zu Mill, Kant dieses Thema sehr verstreut und unterschiedlich zu behandeln vermochte.
Eingangs werden auch die Hauptcharakteristika von Kants Ethik genannt, worauf eine Erläuterung dessen folgt, was Kant als das höchste Gut betrachtet. Anschließend werde ich die für Kants Philosophie zentralen Begriffe „Pflicht“, „Imperative“ und „Autonomie“ erklären, um abschließend einen Einblick in Kants Begriff von Glückseligkeit zu bekommen.
Im Schlussteil werden die beiden Philosophen einander vergleichend gegenübergestellt, wobei Ge-meinsamkeiten und Unterschiede gefunden werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – zwei gegensätzliche Giganten
2. Mills Utilitarismus
2. 1 Summum Bonum
2. 2 Mills Beweis des Nützlichkeitsprinzips
2. 3 Probleme von Mills Utilitarismus
3. Kants Gesinnungsethik
3. 1 Summum Bomum
3. 2 Die Pflicht
3. 3 Imperative
3. 4 Autonomie
3. 5 Und wo bleibt das Glück?
4. Wie viel Glück verträgt eine Ethik? - Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wie definiert John Stuart Mill das höchste Gut?
Für Mill ist das höchste Gut (Summum Bonum) das Glück, definiert als Lust und das Freisein von Unlust. Sein Utilitarismus strebt das größte Glück der größten Zahl an.
Welche Rolle spielt das Glück bei Immanuel Kant?
Kant sieht Glückseligkeit als ein natürliches Ziel, aber nicht als Grundlage der Moral. Für ihn steht die Pflicht und der gute Wille im Zentrum; man solle nicht nach Glück streben, sondern sich des Glücks würdig erweisen.
Was ist der Kern von Mills Nützlichkeitsprinzip?
Mill versucht zu beweisen, dass Glück der einzige Endzweck menschlichen Handelns ist und Handlungen moralisch richtig sind, wenn sie die Tendenz haben, Glück zu befördern.
Was versteht Kant unter dem "Kategorischen Imperativ"?
Es ist ein objektives moralisches Gesetz, das vorschreibt, nur nach Maximen zu handeln, von denen man wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werden.
Sind Mill und Kant absolute Gegensätze?
Obwohl sie oft als Gegensätze (Hedonismus vs. Pflichtethik) dargestellt werden, untersucht die Arbeit auch Gemeinsamkeiten und die Frage, wie viel Glück eine moralische Theorie verträgt.
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- Victoria Flägel (Author), 2012, Wie integrieren John Stuart Mill und Immanuel Kant den Glücksbegriff in ihre Ethiken?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269354