In der Bundesrepublik Deutschland wird bis zum Jahr 2005 ein Anstieg des jährlichen Aufkommens an Elektro- und Elektronikgeräteschrott auf ca. 1.100.000 Tonnen prognostiziert. Die große Menge ist bedingt durch technische Verbesserungen, neue Modelle, die auf den Markt kommen und einen relativ hohen Preisverfall, durch den die Lebenszyklen der Geräte immer kürzer und Müllmengen immer größer werden. Heute stehen die Deponierung und die Verbrennung im Mittelpunkt öffentlicher Kritik. Herkömmliche Entsorgungswege (Verbrennung und/oder Deponierung) von Elektronikschrott stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Aufgrund der Umsetzung der EU-Richtlinie „Directive of the European Parliament and of the Council on Waste Electrical and Electronic Equipment“ (WEEE) in deutsches Recht ist ab September 2005 für Hersteller der Elektro- und Elektronikbranche mit einer erstmaligen Rücknahmepflicht für Altgeräte aus privaten Haushalten zu rechnen. Im Rahmen der Produktverantwortung sind dann die bisher bei den öffentlichen Kommunen liegenden Aufgaben und Kosten für die Entsorgung von Altgeräten durch die Hersteller zu tragen. Hierbei sind für die teilweise sehr komplex zusammengesetzten Altgeräte, die kostenlos vom Verbraucher zurückgenommen werden müssen, hohe Verwertungs- und Recyclingquoten einzuhalten. Im Zuge dieser Arbeit soll die zunehmende Bedeutung der Entsorgungslogistik dargestellt werden, deren Aufgabe es ist, die notwendigen Kreislaufprozesse Redistribution, Demontage und Wiedereinsteuerung in den Entsorgungsbereich der Unternehmen einzugliedern. Durch Einbeziehung des Managements und einen an komplexen inner- und außerbetrieblichen Prozessen ausgerichteten Bereich Entsorgung können Unternehmen die langfristige Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit erreichen, hierbei ist eine Vielzahl von logistischen und technischen Aufgaben zu lösen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2 Kreislaufwirtschaft
2.1 Grundlagen
2.1.1 Idee der Kreislaufwirtschaft
2.1.2 Recycling
2.1.3 Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz
2.1.3.1 Einführung
2.1.3.2 Definition Abfall
2.1.3.3 Grundsätze der Kreislaufwirtschaft
2.1.3.4 Produktverantwortung
2.1.3.5 Entsorgung
2.2 Entsorgungslogistik
2.2.1 Einordnung innerhalb der Unternehmenslogistik
2.2.2 Interne Entsorgungslogistik
2.2.3 Externe Entsorgungslogistik
2.2.4 Entsorgungskosten
2.3 Einordnung von Elektro- und Elektronikschrott
2.3.1 Definition
2.3.2 Menge, Art und Zusammensetzung von Elektronikschrott
2.3.2.1 Mengenaufkommen
2.3.2.2 Mengenmäßige Zusammensetzung
2.3.2.3 Stoffliche Zusammensetzung und Toxizität
2.3.3 Gesetzliche und technische Rahmenbedingungen
2.3.3.1 Gesetzliche Entwicklung
2.3.3.2 Entwicklungsstand der Entsorgung
3 Kreislaufführung von Elektro- und Elektronikaltgeräten
3.1 Einführung
3.2 Entsorgungslogistik als Managementaufgabe
3.3 Prozesskettenorientierung der Entsorgungslogistik
3.3.1 Prozesskettenmanagement
3.3.2 Aktivität
3.3.3 Prozess
3.3.4 Prozesskette
3.3.5 Prozesskreislauf
3.4 Prozesskette "Entsorgung"
3.4.1 Aufbau der Prozesskette "Entsorgung"
3.4.2 Teilprozesskette "Rückführung"
3.4.2.1 Aufbau
3.4.2.2 Sammlung
3.4.2.3 Rücktransport
3.4.3 Teilprozesskette "Behandlung"
3.4.3.1 Aufbau
3.4.3.2 Behandlungsvorbereitung
3.4.3.3 Demontage
3.4.3.4 Bereitstellung
3.4.4 Teilprozesskette "Wiedereinsteuerung"
3.4.4.1 Aufbau
3.4.4.2 Redistribution
3.4.4.3 Beseitigung
3.5 Risiken und Chancen durch Implementierung der Prozesskette "Entsorgung"
3.5.1 Risiken
3.5.2 Chancen
4 Zusammenfassung und Bewertung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit zielt darauf ab, die neuen entsorgungslogistischen Anforderungen zu analysieren, die sich für Hersteller durch die notwendige Produkt-Rückführung von Elektro- und Elektronikaltgeräten ergeben. Dabei wird untersucht, wie Unternehmen durch eine prozessorientierte Gestaltung der Entsorgungslogistik ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern können.
- Grundlagen der Kreislaufwirtschaft und gesetzliche Rahmenbedingungen (WEEE).
- Stellung und Bedeutung der Entsorgungslogistik innerhalb der Unternehmenslogistik.
- Methodik der Prozesskettenorientierung zur Optimierung entsorgungslogistischer Abläufe.
- Analyse der Teilprozessketten Rückführung, Behandlung und Wiedereinsteuerung.
- Bewertung von ökonomischen und ökologischen Risiken sowie Chancen (Economies of Recovery).
Auszug aus dem Buch
3.4.3.3 Demontage
„Zentraler Baustein zum Schließen der Ressourcenkreisläufe sind Demontagefabriken sowie deren Integration in Versorgungsketten.“ Für eine sinnvolle Mehrfachnutzung werden Elektro- und Elektronikaltgeräte in der Regel in ihre Bestandteile zerlegt um möglichst sortenreine Werkstoffe zu erhalten und Schadstoffe separieren zu können. Als Demontage wird die zerstörungsfreie oder zerstörende Trennung von Bauteilen bzw. -gruppen aus dem Produktverbund zum Zweck einer Verwendung oder Verwertung bezeichnet. Verwendung und Verwertung sind hier gemäß Punkt 2.1.2 definiert. Wie und inwieweit ein Altgerät demontiert wird, hängt von verschiedenen Komponenten ab, dazu gehören:
• Verwertungsquoten
• ökonomische Randbedingungen (z.B. Situation des Wertstoffmarktes)
• technische Möglichkeiten
• ökologische Notwendigkeiten
• selbst gesetzte Verwertungsziele
Als optionale Elemente der Teilprozesskette „Behandlung“ ist die Aufarbeitung bzw. Aufbereitung zu nennen. Die Aufarbeitung umfasst die Teilprozesse Reinigen, Prüfen, Zerlegen, Bearbeiten, Neubestücken und Remontieren. Aufarbeitung und Aufbereitung können hier zur Wiederherstellung der Produkt- oder Bauteileigenschaften dienen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Problemstellung durch neue EU-Richtlinien und umreißt die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Kreislaufwirtschaft: Erläutert theoretische Grundlagen, gesetzliche Bestimmungen sowie die Einordnung der Entsorgungslogistik und die spezifische Problematik von Elektronikschrott.
3 Kreislaufführung von Elektro- und Elektronikaltgeräten: Detailliert die praktische Implementierung der Prozesskette „Entsorgung“ als Managementaufgabe sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken.
4 Zusammenfassung und Bewertung: Resümiert die Ergebnisse und bewertet das Potenzial einer prozessorientierten Entsorgungslogistik für die Wettbewerbsfähigkeit von Herstellern.
Schlüsselwörter
Entsorgungslogistik, Kreislaufwirtschaft, Elektronikschrott, WEEE, Produktverantwortung, Prozesskettenmanagement, Demontage, Recycling, Redistribution, Altgeräte, Ressourcen, Umweltschutz, Entsorgungskosten, Rückführung, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die notwendige Umstellung der Entsorgungslogistik bei Herstellern von Elektro- und Elektronikgeräten, um den steigenden gesetzlichen Anforderungen an die Rücknahme und Verwertung von Altgeräten gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die gesetzlichen Rahmenbedingungen (WEEE), die Integration der Entsorgungslogistik in das Management sowie die methodische Ausrichtung der Entsorgung an Prozessketten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Anforderungen an Hersteller zu identifizieren, die sich aus der Produkt-Rückführung ergeben, und Wege aufzuzeigen, wie diese logistisch effizient bewältigt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den Ansatz der Prozesskettenorientierung, um entsorgungslogistische Aufgaben von einer statisch-funktionalen Betrachtung in ein dynamisches, netzwerkartiges Prozessmodell zu überführen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Prozesskette „Entsorgung“, unterteilt in Rückführung, Behandlung und Wiedereinsteuerung, und bewertet die ökonomischen sowie ökologischen Risiken und Chancen dieser Implementierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Entsorgungslogistik, Kreislaufwirtschaft, Elektronikschrott, WEEE, Prozesskettenmanagement und Produktverantwortung.
Wie unterscheidet die WEEE zwischen Verwertung und Recycling?
Die WEEE definiert „Verwertung“ als alle Formen der Energieerzeugung, Kompostierung und Aufarbeitung, während „Recycling“ sich spezifisch auf die unmittelbare Rückgewinnung von Werkstoffen und Bauteilen bezieht.
Welche strategische Bedeutung haben die „Economies of Recovery“?
Sie bezeichnen Kostenvorteile, die entstehen, wenn das bei der Demontage gewonnene Wissen direkt in die Neuentwicklung von Produkten einfließt, um deren Recyclingfähigkeit und somit die langfristige Kostenstruktur zu optimieren.
- Quote paper
- Bernd Ohlig (Author), 2004, Kreislauforientierte Entsorgungslogistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26926