Diese Arbeit wird sich mit dem hobbesschen Hauptwerk „Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates“ und dem vorher veröffentlichten „de Cive“ auseinandersetzen und sich außerdem mit Niccolò Machiavellis Werken „Principe“ und „Discorsi“ beschäftigen. Der Hauptschwerpunkt soll hierbei auf dem Leben der Bürger im Staat liegen. Ich möchte die beiden politischen Theorien nach dem Gesichtspunkt des angenehmeren Lebens für die Bürger vergleichen. In welchem Staat hätte man also besser gelebt? Ich werde mir also zwei Staaten denken in dem die Herrscher genau nach den Theorien von beiden Staatsphilosophen gehandelt hätten.
Dazu möchte ich als objektive Kriterien die Bedürfnishierarchie oder Bedürfnispyramide von Abraham H. Maslow heranziehen, da dieser davon ausgeht, dass grundlegende Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden müssen, damit dieser physisch und psychisch gesund sein kann. Ich werde dazu die von ihm erstellte Hierarchie vorstellen, um diese Ergebnisse auf die Bürger im Staat zur Überprüfung des angenehmeren Lebens zu nutzen. Danach werde ich auf die politische Theorie von Hobbes und Machiavelli eingehen, wobei im Fordergrund die Herausarbeitung des anthropologischen Denkens der beiden Philosophen und das Verhältnis zwischen dem Staat und den Bürgern stehen wird.
Mit diesen Ergebnissen werde ich im Anschluss dann einen Vergleich ziehen, um am Ende der Arbeit zu dem Ergebnis zu kommen, in welchem Reich man besser als Bürger gelebt hätte, wenn die Staaten in der Praxis wirklich entstanden wären. Ich werde mich also nicht bloß an die theoretischen Überlegungen halten, sondern diese auch mit praktischen Problemen konfrontieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung der Bedürfnispyramide nach Maslow
3. Hobbes politische Theorie im „de Cive“ und im „Leviathan“
3.1. Der Permanente Kriegszustand und die Lösung durch die Errichtung eines Staates
3.2. Anforderungen und Pflichten eines Souveräns
3.3. Hobbes Menschenbild in Bezug auf die Rolle der Bürger
4. Machiavellis politische Theorie im „Principe“ und im „Discorsi“
4.1. Entstehung und Untergang eines Staates
4.2. Die Rolle des Machtinhabers
4.3. Machiavellis anthropologische Sichtweise und die Auswirkung auf den Staat
5. Vergleich der beiden Positionen unter Bezugnahme von Maslows Bedürfnistheorie
5.1. Die physiologischen Bedürfnisse
5.2. Das Sicherheitsbedürfnis
5.3. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe
5.4. Das Bedürfnis nach Achtung
5.5. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit vergleicht die politischen Theorien von Thomas Hobbes und Niccolò Machiavelli hinsichtlich der Lebensqualität der Bürger. Als evaluativer Maßstab dient dabei die Bedürfnishierarchie nach Abraham H. Maslow, um zu prüfen, in welchem theoretisch konstruierten Staatssystem die Grundbedürfnisse der Menschen optimaler befriedigt würden.
- Analyse der anthropologischen Menschenbilder bei Hobbes und Machiavelli.
- Gegenüberstellung der Staatsmodelle (Leviathan vs. Principe/Discorsi).
- Anwendung der Maslowschen Bedürfnishierarchie auf politische Herrschaftsformen.
- Kritische Diskussion über Sicherheit, Freiheit und Eigentumsschutz im Staat.
- Untersuchung der Notwendigkeit von Kontrollinstanzen gegenüber staatlicher Macht.
Auszug aus dem Buch
3.2. Anforderungen und Pflichten eines Souveräns
Die Bürger haben bei Vertragsabschluss auf die ungehinderte Ausübung ihrer natürlichen Rechte zugunsten des Souveräns verzichtet und diesen zum alleinigen Garanten der allgemeinen Sicherheit gemacht. Sie bekommen also Sicherheit für Unterwerfung. Kann oder will der Souverän seinen Schutzverpflichtungen nicht nachkommen, erlischt die Gehorsamspflicht der Untertanen und die Gesellschaft sinkt zurück in den Naturzustand.
Hobbes unterscheidet aber in beiden Werken zwischen Verpflichtungen und Zugeständnissen des Souveräns. Verpflichtet ist der Souverän nur zur Wahrung des Friedens im Innern und zum Schutz gegen Angriffe von außen. Darüber hinaus hat der Souverän aber jede Menge Rechte:
Die Gewalt kann nicht ohne seine Zustimmung auf einen anderen übertragen werden, er kann sie nicht verwirken, er kann von keinem Untertanen wegen eines Unrechts angeklagt werden, er kann von ihnen nicht bestraft werden, er beurteilt, was zur Erhaltung des Friedens notwendig ist und welche Lehren unterlassen werden sollen, er ist der einzige Gesetzgeber und oberste Richter bei Streitigkeiten sowie über Zeit und Anlaß von Krieg und Frieden, bei ihm liegt es, Beamte, Räte, Befehlshaber und alle Amtsträger und Staatsdiener auszuwählen und Belohnung, Strafen, Ehren und Rang festzusetzen.
Bei ihm liegt also die absolute Herrschaft, alle Gewalten hat er inne und seine einzige Pflicht ist es die Bürger zu schützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Hobbes und Machiavelli für die politische Philosophie ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise mittels Maslows Bedürfnistheorie.
2. Vorstellung der Bedürfnispyramide nach Maslow: Dieses Kapitel erläutert die Theorie der Bedürfnishierarchie, die Defizitbedürfnisse und das Streben nach Selbstverwirklichung als Maßstab für die Bewertung staatlicher Systeme.
3. Hobbes politische Theorie im „de Cive“ und im „Leviathan“: Es werden die Naturzustandtheorie, die Bedeutung des Gesellschaftsvertrages sowie die Rolle und absolute Machtfülle des Souveräns bei Hobbes analysiert.
4. Machiavellis politische Theorie im „Principe“ und im „Discorsi“: Dieses Kapitel beleuchtet Machiavellis Fokus auf Machtbehauptung, die Rolle des Herrschers und sein anthropologisches Bild des Menschen als Grundlage seines politischen Denkens.
5. Vergleich der beiden Positionen unter Bezugnahme von Maslows Bedürfnistheorie: Hier erfolgt die systematische Überprüfung beider Theorien anhand der Maslow-Stufen, von physiologischen Bedürfnissen bis hin zur Selbstverwirklichung der Bürger.
6. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass beide Philosophen die Bedürfnisse der Bürger zwar weitgehend sichern können, jedoch bei beiden systemimmanente Gefahren bestehen.
Schlüsselwörter
Politische Philosophie, Thomas Hobbes, Niccolò Machiavelli, Leviathan, Der Fürst, Maslow, Bedürfnispyramide, Staatstheorie, Souveränität, Naturzustand, Bürgerwohl, Sicherheit, Herrschaft, Gesellschaftsvertrag, Anthropologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Staatskonzepte von Hobbes und Machiavelli im Hinblick darauf, wie gut diese Systeme die Bedürfnisse der Bürger im Sinne von Maslow befriedigen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Vergleich der Staatslegitimierung, die Rolle der Untertanen bzw. Bürger und die Anwendung psychologischer Bedürfnisstrukturen auf politische Machtverhältnisse.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, in welchem der beiden theoretischen Staate man als Bürger ein „angenehmeres“ Leben führen würde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse der Primärliteratur durchgeführt, wobei die Bedürfnishierarchie von Abraham H. Maslow als normativer Bewertungsrahmen dient.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Werke von Hobbes und Machiavelli, stellt diese gegenüber und bewertet sie stufenweise anhand der Bedürfnisse von der Physiologie bis zur Selbstverwirklichung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Machtbehauptung, Sicherheit, Unterwerfung, Gesellschaftsvertrag und das Menschenbild beider Philosophen.
Wie unterscheidet sich die Eigentumssicherung bei Hobbes und Machiavelli?
Während bei Hobbes das Eigentum im Sinne des Gemeinwohls durch den Souverän eingeschränkt werden kann, betont Machiavelli die Notwendigkeit, das Eigentum der Bürger zu achten, um Hass und Aufstände zu vermeiden.
Warum fehlen laut Autorin in beiden Systemen wichtige Mechanismen?
Die Autorin kritisiert das Fehlen von Kontrollinstanzen, die den Herrscher bei Machtmissbrauch stoppen könnten, da sowohl Hobbes als auch Machiavelli von einem pessimistischen Menschenbild ausgehen.
- Quote paper
- Claudia Dähn (Author), 2010, Der Staat und die Bürger bei Hobbes und Machiavelli. Vergleich unter Bezugnahme auf Maslows Bedürfnistheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268444