Wie stand es um die Ehe im Mittelalter? Aus welchen Gründen wurde sie geschlossen, welche Arten der Ehe gab es und wie verlief das Eheleben? Diesen Fragen möchte die vorliegende Hausarbeit auf den Grund gehen. Daher wird im Folgenden aufgezeigt, was im 12. und 13. Jahrhundert eine Ehe ausmachte und unter welchen Bedingungen und Gegebenheiten sie geschlossen wurde.
Diese Ergebnisse dienen anschließend dem eigentlichen Kern der Arbeit: dem Vergleich der in der zeitgenössischen Literatur beschriebenen und konstruierten Ehe mit der damaligen Realität. Es soll herausgearbeitet werden, ob in der Literatur die Realität wiedergespiegelt wird oder ob darin – und sollte dies der Fall sein, wieso – ein anderes Bild der Ehe gewählt wird.
Hartmanns von Aue „Erec“ (etwa 1180 n. Chr.) dient hierfür als Beispiel. Sein Werk gilt als der erste Artusroman in deutscher Sprache. Als Vorlage diente der Roman „Erec et Enide“ von Chrestien de Troyes (etwa 1165 – 1170 n. Chr.).
Bevor im Folgenden weiterhin von der Ehe die Rede ist, soll zunächst eine Definition gegeben werden, damit deutlich wird, was man damals darunter in erster Linie verstand. Es werden die Gründe für eine Eheschließung und verschiedene Arten der Ehe angeführt, wie sie in Quellen zu finden sind, um im Hauptteil der Arbeit zu untersuchen, inwiefern sich die Ergebnisse der Quellenuntersuchung im "Erec" finden.
Inhalt
Einleitung
1. Gründe für eine Eheschließung
1.1 Die Einsetzungsworte der Ehe
1.2 Die Ehezwecke in Hartmanns „Erec
2. Die Ehearten
2.1 Die Ehe zwischen Erec und Enite
3. Sexualität und Ehe
3.1 Die Sexualität (und Liebe) bei „Erec“
4. Resümee
5. Literatur- und Quellenverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was waren die Hauptgründe für eine Eheschließung im Mittelalter?
Im 12. und 13. Jahrhundert wurde die Ehe oft aus politischen, wirtschaftlichen oder dynastischen Gründen geschlossen. Liebe war selten das Hauptmotiv; die Ehe diente der Absicherung von Besitz und der Zeugung von Nachkommen.
Wie stellt Hartmann von Aue die Ehe in „Erec“ dar?
Hartmanns „Erec“ thematisiert das Spannungsfeld zwischen ehelicher Liebe und ritterlicher Pflicht. Die Ehe zwischen Erec und Enite wird als Ideal konstruiert, das jedoch durch die soziale Umwelt und die Verpflichtungen des Hofes geprüft wird.
Spiegelt der Artusroman die Realität der mittelalterlichen Ehe wider?
Nur bedingt. Während die rechtlichen Rahmenbedingungen oft korrekt angedeutet werden, ist die Betonung der Minne (Liebe) im Roman oft eine literarische Fiktion, die von der harten Realität der arrangierten Ehen abweicht.
Welche Rolle spielt die Sexualität in der mittelalterlichen Ehe?
Die Arbeit untersucht die Sexualität im Kontext von Hartmanns Werk, wo sie einerseits als Teil der ehelichen Bindung bejaht, andererseits aber auch als Gefahr für die ritterliche Handlungsfähigkeit („Verliegen“) dargestellt wird.
Was sind die „Einsetzungsworte“ der Ehe?
Dies bezieht sich auf die kirchenrechtlichen Formeln und Bedingungen, unter denen eine Ehe im Mittelalter als gültig anerkannt wurde, was in der Arbeit als Vergleichsbasis zur Literatur dient.
- Citation du texte
- Sabrina Deckinger (Auteur), 2010, Die Ehe im mittelalterlichen Artusroman zwischen Fiktion und Realität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268066