Hyperaktivität geistert derzeit oft in Form populärwissenschaftlicher Artikel durch die Presse oder flimmert als abendlicher Beitrag im Fernseher durch die Wohnzimmer deutscher Haushalte. Demnach scheint sich Hyperaktivität insbesondere von Kindern wie eine Epidemie in den Industrienationen auszubreiten. Mit einem augenscheinlichen Anstieg dieser bei Kindern am häufigsten diagnostizierten psychischen Störung gehen zunehmende Belastungen für insbesondere Eltern und Pädagogen einher.
Während die Schulmedizin in einem ungeheuren Ausmaß mit medikamentöser Therapie in Form von Ritalin oder vergleichbaren Präparaten versucht gegenzusteuern, mehren sich die Stimmen kritischer Eltern und Psychologen, soziale Ursachen für die Entstehung dieses .abweichenden Verhaltens. zu berücksichtigen und daher mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zu intervenieren.
So sind es gerade diese kritischen Stimmen, die mich veranlassten, eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit `Hyperaktivität` zu suchen, um mir ein eigenes Urteil über Ursachen und Behandlungsspielräume zu bilden. Es geht mir hier um die Frage auslösender Faktoren und Bedingungen zu einem Erscheinungsbild, dass als Krankheit definiert ist und zahlreiche Kinder in Deutschland betrifft.
Ich bin bemüht, herauszufinden, ob und in welchem Maße genetische Prädispositionen verantwortlich sind, wie derzeit massenmedial postuliert wird, welche Hintergründe dafür mitverantwortlich sind und ob ich eine eigene kritische, vielleicht vom derzeitigen Meinungsbild abweichende Ansicht finden kann. Ich möchte in meiner Hausarbeit neuere biologische Erkenntnisse über Faktoren zur Entstehung von ADS und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung ohne und mit Hyperaktivität) erläutern, um in einem nächsten Teil anthropologisch und systemtheoretisch krit ische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.
Damit werde ich Anlage- als auch Umwelt-Faktoren gegenüberstellen, um unter Berücksichtigung derzeit angewandter Therapieformen zu einem eigenen Verständnis dieses Erscheinungsbildes der AD(H)S zu kommen. Aus diesen neuen Erkenntnissen möchte ich mögliche Konsequenzen für den Umgang mit AD(H)S herausarbeiten, speziell aus pädagogischer Sicht und anthropologischem (Selbst-)Verständnis.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Vorbemerkungen
- Zielsetzung
- Das Erscheinungsbild unter der psycho-medizinischen Lupe
- Ursachenforschung – wissenschaftliche Kontroversen und aktuelle Studien
- biogenetische Forschungen -Anlagefaktoren
- Anthropologische Gedanken
- Fazit
- Anmerkungen zur medikamentösen Therapie
- Systemtheorie und Anthropologie
- Schulpädagogische Konsequenzen
- Erkenntnisse und Ausblicke
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Hyperaktivität, insbesondere bei Kindern. Ziel ist es, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten dieser als Krankheit definierten Verhaltensauffälligkeit aus wissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten. Dabei wird untersucht, ob und in welchem Umfang genetische Prädispositionen eine Rolle spielen und welche weiteren Faktoren zur Entstehung von Hyperaktivität beitragen.
- Biologische und genetische Faktoren als Ursachen für AD(H)S
- Kritische Betrachtung der schulmedizinischen Diagnose und Therapie von Hyperaktivität
- Anthropologische und systemtheoretische Perspektiven auf Hyperaktivität
- Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entstehung und Entwicklung von AD(H)S
- Schulpädagogische Konsequenzen und mögliche Ansätze im Umgang mit Hyperaktivität
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema Hyperaktivität ein und beschreibt die aktuelle Debatte um die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Sie erläutert die wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz des Themas sowie die Zielsetzung der Arbeit.
Kapitel 2 beleuchtet das Erscheinungsbild der Hyperaktivität aus psychologisch-medizinischer Sicht. Es werden die diagnostischen Kriterien und die Prävalenz von AD(H)S in Deutschland erläutert. Dabei wird die Kritik an der Häufigkeit der Diagnose und der medikamentösen Behandlung aufgegriffen.
Kapitel 3 widmet sich den Ursachen der Hyperaktivität. Es werden aktuelle Studien und Forschungsansätze zu Anlage- und Umweltfaktoren vorgestellt. Die biogenetischen Forschungen, die anthropologischen Gedanken und die Bedeutung der medikamentösen Therapie werden beleuchtet.
Kapitel 4 erörtert das Thema aus systemtheoretischer und anthropologischer Perspektive. Es werden alternative Sichtweisen auf die Entstehung und den Umgang mit Hyperaktivität vorgestellt.
Kapitel 5 betrachtet die schulischen Konsequenzen von Hyperaktivität. Es werden mögliche pädagogische Ansätze im Umgang mit Kindern mit AD(H)S aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Hyperaktivität, AD(H)S, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, Anlage-Umwelt-Debatte, biologische Faktoren, genetische Prädispositionen, anthropologische Perspektive, Systemtheorie, schulpädagogische Konsequenzen, medikamentöse Therapie, Verhaltenstherapie, Ritalin ®.
Häufig gestellte Fragen
Welche Ursachen für Hyperaktivität werden in der Arbeit untersucht?
Die Arbeit stellt biogenetische Anlagefaktoren sozialen Umweltfaktoren gegenüber und beleuchtet kritisch das Verhältnis zwischen Genetik und Erziehung.
Wie wird die medikamentöse Therapie (z.B. Ritalin) bewertet?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem Ausmaß der medikamentösen Behandlung in der Schulmedizin auseinander und plädiert für die Berücksichtigung verhaltenstherapeutischer Maßnahmen.
Was trägt die Systemtheorie zum Verständnis von AD(H)S bei?
Die Systemtheorie betrachtet Hyperaktivität nicht nur als individuelle Störung, sondern analysiert sie im Kontext sozialer Systeme und Interaktionen.
Welche schulpädagogischen Konsequenzen werden abgeleitet?
Die Arbeit zeigt pädagogische Ansätze auf, wie Lehrer im Schulalltag besser mit hyperaktiven Kindern umgehen und deren Bedürfnisse integrieren können.
Warum wird Hyperaktivität oft als "Epidemie" bezeichnet?
Der Begriff bezieht sich auf den massiven Anstieg der Diagnosen in Industrienationen, was in der Arbeit als Anlass für die Untersuchung sozialer Ursachen dient.
- Quote paper
- Dennis Hippler (Author), 2003, Hyperaktivität zwischen Schulmedizin und Systemtheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26668