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Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg

Behandlung von deutschen und französischen Kriegsgefangenen

Titel: Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg

Bachelorarbeit , 2012 , 61 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Benoit Niederkorn (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der erfolgreiche Angriff der deutschen Truppen auf Maubeuge im August 1914 hatte zur Folge, dass mehr als 40.000 Kriegsgefangene gemacht werden konnten. Am Ende des Jahres stieg die Zahl der französischen Kriegsgefangenen auf über 215.000 an. Mit derart enormen Zahlen gehörten die Kriegsgefangenen in nahezu jedem militärischen Konflikt zum Alltag. Viele Jahrhunderte hindurch hatten sie jedoch nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Wurden die Gefangenen in der Antike aufgrund des fehlenden Rechtsstatus noch versklavt oder getötet, so kam es in den folgenden Jahrhunderten zu einem Wandel in der Behandlung von Kriegsgefangenen. Mit der „levé en masse“ militärischer Truppen nach der französischen Revolution stieg die Zahl der Kriegsgefangenen sprunghaft an und der jeweilige Staat, welcher die feindlichen Kriegsangehörigen in seiner „Obhut“ hatte, sah sich mit unbekannten Versorgungsproblemen konfrontiert. Es bedurfte neuer humanitärer Kriterien, um die Massen der Kriegsgefangenen zu verwalten. Dabei stand eine menschliche Behandlung der Kriegsgefangenen im Vordergrund. Mit der Kodifizierung eines neuen Völkerrechts vor dem Großen Krieg sollte die militärische Ausübung sinnloser Gewalt gegen Kriegsgefangene eingedämmt werden. Aber konnte die Haager Landkriegsordnung diese Vorstellungen eines nach Regeln geführten Krieges auch umsetzen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kriegsgefangenenbehandlung im Wandel nach 1871

2.1 Rezeption

3 Strafpraxis, Disziplin, Vergeltung

3.1 Militärische Strafen: HLKO Art. 8

3.2 Repressalien: Kriegsgefangene als Druckmittel

4 Arbeitsressource: Kriegsgefangene

4.1 Arbeit als Beschäftigungstherapie

a) Planung der „anstrengenden Arbeit“

b) Vorwürfe der Entente-Mächte

4.2 Landwirtschaft: Der Feind am Esstisch

a) Die „Auslese“ der Kriegsgefangenen

b) Die Lebens- und Arbeitsbedingungen

c) Vorwürfe der Entente-Mächte

4.3 Industrie und Bergwerke: Humane Zwangsarbeit?

a) Die bürokratisierte Menschenverwaltung

b) Lebens- und Arbeitsbedingungen

c) Vorwürfe der Entente-Mächte

4.4 Fronteinsatz – eine Parallelwelt?

a) Planung und Aufstellung von Kriegsgefangenen-Arbeitsbataillonen

b) Lebens- und Arbeitsbedingungen

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Behandlung von Kriegsgefangenen im deutschen Kaiserreich während des Ersten Weltkriegs im Kontext völkerrechtlicher Leitlinien. Dabei liegt der Fokus insbesondere darauf, inwieweit die humanitären Vorgaben der Haager Landkriegsordnung durch die militärischen und wirtschaftlichen Anforderungen an eine „Menschenökonomie“ und Zwangsarbeit radikalisiert oder untergraben wurden.

  • Völkerrechtlicher Rahmen der Haager Landkriegsordnung
  • Entwicklung von Strafpraxis und Repressalien
  • Einsatz von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft
  • Arbeitsbedingungen in Industrie und Bergbau
  • Militärische Nutzung hinter der Front (Fronteinsatz)

Auszug aus dem Buch

3. Strafpraxis, Disziplin, Vergeltung

Bevor auf die Behandlung der Kriegsgefangenen im Bereich ihres Arbeitseinsatzes eingegangen werden kann, sollen im Folgenden die Grundelemente der Strafpraxis und Disziplinierung untersucht werden. Hierbei gilt es festzuhalten, ob hinsichtlich der Rechtspraxis zu völkerrechtswidrigen Handlungen kam.

3.1. Militärische Strafen: HLKO Art. 8

Nach der Übersetzung Meurers unterstehen die Kriegsgefangenen „den Gesetzen, Vorschriften und Befehlen, die in dem Heere des Staates gelten, in dessen Gewalt sie sich befinden.“ Somit galt gegenüber den Kriegsgefangenen einzig und allein das Militärrecht des Gewahrsamsstaates. Die Gefangenen standen in rechtlicher und disziplinarischer Hinsicht auf gleicher Ebene wie die Angehörigen der feindlichen Armee. Doch verweist Uta Hinz auch auf das zugleich vorhandene Konfliktpotenzial der verschiedenen nationalen Rechtsbestimmungen zum Status der Soldaten, die im Krieg zu gegenseitigen Anschuldigungen führten.

Bereits während der Friedenskonferenz gab es heftige Kontroversen, so z.B. darüber, wie das militärische Delikt des Fluchtversuchs eines Kriegsgefangenen zu bewerten sei. Handelt es sich hierbei eine Desertion oder um einen ehrenhaften Versuch, zur eigenen Armee zurückzugelangen? Nach Meurer einigten sich die Delegierten darauf, dass ein Fluchtversuch nicht als „ein gemeines Strafvergehen, wohl aber als Unbotmäßigkeit zu behandeln sei.“ Eine disziplinarische Strafe musste der Flüchtende nur bei seiner erfolgreichen Wiederergreifung, bevor er das feindliche Territorium verlassen konnte, befürchten. Somit waren nach der Reichsmilitärstrafgerichtsordnung die Kriegsgefangenen von der Fahnenflucht oder Feigheit vor dem Feind ausgenommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Definiert das Ziel, das Vorgehen und die methodische Grundlage der Arbeit im Kontext des Ersten Weltkriegs.

2 Kriegsgefangenenbehandlung im Wandel nach 1871: Analysiert die Entwicklung völkerrechtlicher Regeln und die Bedeutung der Haager Landkriegsordnung.

3 Strafpraxis, Disziplin, Vergeltung: Beleuchtet die rechtliche Einordnung der Kriegsgefangenen und die Praxis der Disziplinierung durch die Militärbehörden.

4 Arbeitsressource: Kriegsgefangene: Untersucht den strukturierten Arbeitseinsatz in verschiedenen Sektoren und die Abweichungen vom Völkerrecht.

5 Fazit: Fasst die Radikalisierung des Arbeitseinsatzes und die systematische Ausbeutung als Kriegsressource zusammen.

Schlüsselwörter

Kriegsgefangene, Erster Weltkrieg, Haager Landkriegsordnung, Zwangsarbeit, Arbeitskommando, Disziplinierung, Repressalien, Rüstungsindustrie, Landwirtschaft, Menschenökonomie, Völkerrecht, Kriegsgefangenenlager, Arbeitsbataillone, Militärverwaltung, Zwangsmittel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit thematisiert die Behandlung feindlicher Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft zwischen 1914 und 1918.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die völkerrechtliche Einordnung, die militärische Disziplinierung, die Ausbeutung der Arbeitskraft und die Radikalisierung der Bedingungen durch wirtschaftliche Zwänge.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Untersuchung fragt danach, inwieweit das humanitäre Ideal der Haager Landkriegsordnung angesichts des „totalen Krieges“ durch die militärische Zweckmäßigkeit ausgehöhlt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine quellenkritische Analyse von Zeitzeugenaussagen, Berichten des Untersuchungsausschusses und zeitgenössischer Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Sektoren wie Landwirtschaft, Industrie und Fronteinsatz sowie die Analyse von Strafpraxis und Repressalien als Druckmittel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Zwangsarbeit, Kriegsressource, Völkerrecht, Repressalien und die Organisation der Arbeitskommandos.

Warum wurden russische Kriegsgefangene oft anders behandelt als französische oder englische?

Aufgrund fehlender völkerrechtlicher Abkommen mit Russland wurden diese Soldaten noch rücksichtsloser zur Arbeit gezwungen, oft unter katastrophalen Bedingungen.

Inwiefern beeinflusste das „Hindenburg-Programm“ die Lebensumstände der Gefangenen?

Es forcierte die totale wirtschaftliche Mobilisierung, was dazu führte, dass Kriegsgefangene rücksichtslos als wichtige Arbeitsressource in der Rüstungsindustrie eingesetzt wurden.

Was bedeutet der Begriff „Fronteinsatz – eine Parallelwelt“ im Kontext der Arbeit?

Dieser Begriff beschreibt den direkten Einsatz von Kriegsgefangenen in Arbeitsbataillonen unmittelbar an der Front oder in den Etappengebieten, was oft einen eklatanten Bruch mit den Haager Konventionen darstellte.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg
Untertitel
Behandlung von deutschen und französischen Kriegsgefangenen
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Neuere und Neuest Geschichte
Note
1,0
Autor
Benoit Niederkorn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
61
Katalognummer
V264837
ISBN (eBook)
9783656560685
ISBN (Buch)
9783656560678
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegsgefangene Erster Weltkrieg Haager Landkriegsordnung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Benoit Niederkorn (Autor:in), 2012, Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264837
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Leseprobe aus  61  Seiten
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