In dieser Arbeit wird der Film "Modern Times" ("Moderne Zeiten") auf die Entstehung und Gestalt von Komik hin analysiert. Die Autorin bedient sich dabei insbesondere des Essay "Das Lachen" des französischen Philosophen Henri Bergson aus dem Jahr 1900. Der Aufbau der vorliegenden Arbeit gliedert sich
dabei in vier inhaltliche Kapitel: Während es zunächst darum geht, einen kurzen Einblick in die Philosophie der Komik und des Lachens zu geben sowie Henri Bergsons Essay „Das Lachen“ in seinen wichtigsten Punkten zu erörtern (Kapitel 2), wird sich daran in einer ausführlichen komiktheoretischen Auseinandersetzung mit MODERN TIMES die Anwendung von Bergsons Theorie auf den Film anschließen (Kapitel 3). Hierauf folgt dann ein Kapitel, welches die „ernsteren“ und tragischen Komponenten in MODERN TIMES zum Inhalt haben wird (Kapitel 4), um dann abschließend unter Berücksichtigung der Theorie der Tragikomödie der Frage nachzugehen, ob MODERN TIMES in Hinblick auf die in dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse als eine solche bezeichnet werden kann (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2.THEORETISCHER HINTERGRUND
2.1 Philosophie des Komischen
2.2 Henri Bergsons „Das Lachen“
3. DIE ERZEUGUNG VON KOMIK IN MODERN TIMES
3.1 Der Tramp und die Maschinenwelt
3.2 Charlie als Tänzer
4. DEPRESSIONEN
4.1 Das Problem des Hungers
4.2 Die Gefängnisszenen in MODERN TIMES
4.3 Chaplin und die Darstellung von Arbeitslosigkeit
5. CHAPLIN – EIN TRAGIKOMIKER?
5.1 Theorie der Tragikomödie
5.2 Die tragikomische Dimension in MODERN TIMES
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Gestaltung von Komik in Charlie Chaplins Film MODERN TIMES (1936) unter besonderer Berücksichtigung der komiktheoretischen Ansätze von Henri Bergson. Dabei wird analysiert, wie Chaplin das Spannungsfeld zwischen mechanisierter Arbeitswelt und menschlicher Individualität nutzt, um sowohl komische als auch tragische Effekte zu erzeugen und gesellschaftskritische Themen der Zeit der Großen Depression aufzugreifen.
- Analyse der Komik-Theorie nach Henri Bergson
- Mechanisierung und Automatisierung als komisches Prinzip in MODERN TIMES
- Die Darstellung von Arbeitslosigkeit und Hunger als soziokulturelle Kritik
- Die tragikomische Dimension und ihre strukturelle Umsetzung im Film
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Tramp und die Maschinenwelt
Dicht an dicht drängt eine Schafherde zu gehetzter Musik vorwärts, in ihrer Mitte, deutlich abgehoben vom Rest der Herde, ein schwarzes Schaf. Nächste Einstellung: Ebenso dicht gedrängt wie zuvor die Schafherde verlassen Männer eine U-Bahn-Station. Die Gesichter von größtenteils einheitlichen Hüten verdeckt, bilden sie eine anonyme Masse. Die Männer bewegen sich in Richtung einer großen Fabrik. Je näher sie der Fabrik kommen, desto schneller werden sie. In der Fabrik beginnen sie, passend zum ansteigenden Tempo der Musik, zu rennen.
Bereits in der hier beschriebenen Eingangssequenz von MODERN TIMES wird der satirische Charakter des Films deutlich. Zum besseren Verständnis soll der Begriff der Satire an dieser Stelle in aller Kürze in einigen wichtigen Punkten erörtert werden. Geoff King definiert die Satire als „comedy with an edge and a targed, usually social or political in some way.” Die Ziele der Satire sind zumeist Institutionen und deren Repräsentanten und hierbei vor allem politische und religiöse Mächte und Machthaber. Daher wird ein vermehrtes Wachstum in der Produktion von Satiren auch in der Regel mit bestimmten politischen oder sozialen Hintergründen in Verbindung gebracht. Dabei kann die Satire ganz unterschiedliche Grade an Schärfe annehmen, das Spektrum reicht von leichten, spielerischen Formen bis hin zu solchen, die ihre Ansichten “in deadly earnest” vermitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Bedeutung Chaplins und die Rezeption von MODERN TIMES als Depressionskomödie, die eine kritische Auseinandersetzung mit Mechanisierung und Arbeitslosigkeit thematisiert.
2.THEORETISCHER HINTERGRUND: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Komiktheorien, mit einem Fokus auf Henri Bergsons Essay „Das Lachen“ und dessen Konzepte von Mechanisierung und sozialer Funktion des Lachens.
3. DIE ERZEUGUNG VON KOMIK IN MODERN TIMES: Anhand zentraler Filmsequenzen wie der Arbeit am Fließband und den Tanzeinlagen wird aufgezeigt, wie Chaplins Komik als direkte Anwendung bergsonschen Denkens verstanden werden kann.
4. DEPRESSIONEN: Hier werden die ernsteren Aspekte des Films analysiert, insbesondere die Bedeutung von Hunger und Arbeitslosigkeit im Kontext einer inhumanen Gesellschaftsstruktur.
5. CHAPLIN – EIN TRAGIKOMIKER?: Das Kapitel diskutiert die Einordnung von MODERN TIMES als Tragikomödie, indem es die Verschränkung von tragischen Schicksalsmomenten und komischer Darstellung untersucht.
6. FAZIT: Das Fazit resümiert, dass die wissenschaftliche Analyse filmischer Komik, insbesondere durch Bergsons Thesen, eine vertiefte Erkenntnis über Chaplins Werk ermöglicht und dessen narrative Stringenz bestätigt.
Schlüsselwörter
Charlie Chaplin, MODERN TIMES, Filmkomödie, Henri Bergson, Komiktheorie, Mechanisierung, Tragikomödie, Arbeitslosigkeit, Soziale Kritik, Slapstick, Individualität, Industriegesellschaft, Filmanalyse, Satire, Hunger.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die filmischen Mittel und die theoretischen Grundlagen der Komik in Charlie Chaplins Film MODERN TIMES unter Einbeziehung der Komiktheorie von Henri Bergson.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Mensch und Maschine, die soziale Kritik an den Arbeitsbedingungen während der Großen Depression und die theoretische Verortung des Films im Genre der Tragikomödie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entstehung und Gestaltung der Komik in MODERN TIMES wissenschaftlich zu analysieren und aufzuzeigen, wie Chaplin soziale Missstände durch komische Mittel kritisch darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer komiktheoretischen Betrachtung (mit Schwerpunkt auf Henri Bergsons Mechanisierungsthese) und einer filmwissenschaftlichen Analyse der narrativen und symbolischen Strukturen des Werks.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Erzeugung von Komik in Fabrikszenen, die Analyse der Thematik von Hunger und Arbeitslosigkeit sowie eine Auseinandersetzung mit dem tragikomischen Charakter des Films.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Chaplins Humanismus im Kontrast zur Mechanisierung, der soziale Außenseiter als filmisches Motiv und die Verschränkung von Komik und Tragik.
Wie spielt die Ernährungsmaschine eine Rolle für das Verständnis des Films?
Die Ernährungsmaschine dient als zentrale Metapher für ein inhumanes, mechanisiertes System, an dem der Protagonist Charlie als Individuum zwangsläufig scheitern muss.
Warum wird Chaplin in dieser Arbeit als Tragikomiker bezeichnet?
Chaplin wird so bezeichnet, weil sein Film MODERN TIMES sowohl komische als auch zutiefst tragische Elemente miteinander verwebt, wobei die Komik oft erst auf den zweiten Blick den ernsten, existentiellen Rahmen offenbart.
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- Amdrea Henkel (Author), 2008, Mechanik und Widerstand in Charlie Chaplins "Modern Times", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264168