Erst seit einigen Jahren wird die Rolle der Personalisierung von politischen Spitzenkandidaten in Deutschland von der Politikwissenschaft eingehender Betrachtet. Die zur Verfügung stehen Daten zu dieser Thematik sind allerdings noch sehr lückenhaft und Untersuchungen haben gezeigt, dass es gerade bei der Personalisierungsdebatte auch große Unterschiede bei den erhobenen Daten zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Hinterfragt werden im Bereich der Personalisierung von Spitzenkandidaten vor allem die Auswirkungen politischer Eigenschaften von Kandidaten auf das Wahlverhalten der Wähler. Inwieweit spielen Kandidatendimensionen wie rollennahe, auf die Politik bezogene Eigenschaften wie Kompetenz und Führungsqualität und rollenferne, unpolitische Eigenschaften, wie Sympathie, Aussehen, Privatleben oder Integrität in der Vorwahlzeit und im Entscheidungsprozess der Wähler eine Rolle.
In vielen Forschungstexten zum Thema Personalisierung politischer Spitzenkandidaten, auf meine Arbeit bezogen, der deutschen Kanzlerkandidaten, geht es um die Frage, ob die Personalisierung in den letzten Jahren zugenommen hat, und das deutsche System in Hinblick auf die Spitzenkandidaten immer mehr in Richtung einer „Amerikanisierung“ zuläuft. Amerikanisierung soll hier bedeuten, dass sich die Personalisierung immer mehr dem amerikanischen Wahlkampf angleicht und die Kanzlerkandidaten fast losgelöst von ihrer Partei präsentiert werden. Die Frage ist, ob sich die Wähler nicht mehr vordergründig für eine Partei entscheiden sollen, sondern für den präsentierten Kanzlerkandidaten und somit, zweitrangig, auch für die dazugehörige Partei. Des weiteren geht es um die Frage, ob eine verstärkte Personalisierung der politischen Spitzenkandidaten sich nachweisbar auf das Wahlverhalten der Bürger auswirkt und es den Parteien dadurch gelingt mehr Wähler für sich zu gewinnen. Untersuchungen zu diesem Punkt haben mehr oder weniger eindeutig gezeigt, dass Kandidateneffekte und die Personalisierung von Kanzlerkandidaten bei den Wahlentscheidungen in den letzten Jahren nicht zugenommen haben, wenn sie denn überhaupt bemerkbar vorhanden sind (Brettschneider 2002, S.207 ff.). Somit geht man davon aus, dass es in Deutschland in den letzten Jahren nicht zu einer erhöhten Personalisierung der Kanzlerkandidaten oder auch zu einer Amerikanisierung gekommen ist. Festzuhalten ist allerdings, dass es Personalisierung in der Politik gibt und dass dies kein neues Phänomen ist. Schon mit Deutschl
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Diversifikationsstrategien
- Kandidateneigenschaften
- Wahlkampf
- Medienberichterstattung
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Rolle der Personalisierung von Kanzlerkandidaten im deutschen Wahlkampf. Besonders im Fokus steht die Frage, ob die Personalisierung in den letzten Jahren zugenommen hat und ob es Tendenzen zur "Amerikanisierung" des deutschen Wahlkampfs gibt. Dabei werden die Auswirkungen von Kandidateneigenschaften, Wahlkampfstrategien und Medienberichterstattung auf das Wahlverhalten analysiert.
- Die Rolle der Personalisierung von Kanzlerkandidaten im deutschen Wahlkampf
- Die Auswirkungen von Kandidateneigenschaften auf das Wahlverhalten
- Die Strategien der Parteien im Hinblick auf die Personalisierung von Kanzlerkandidaten
- Die Rolle der Medienberichterstattung im Kontext der Personalisierung
- Mögliche Folgen der Personalisierung für das deutsche Wahlsystem
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz des Themas Personalisierung von Kanzlerkandidaten dar und beleuchtet die aktuelle Forschungssituation. Sie beleuchtet die Bedeutung des Kanzlerkandidaten im deutschen Wahlkampf und stellt die Hypothese auf, dass die Personalisierung einen positiven Effekt auf das Wahlverhalten hat.
- Diversifikationsstrategien: Dieses Kapitel analysiert die Gründe für den Rückgang der Parteiidentifikation und die daraus resultierenden Strategien der Parteien im Wahlkampf. Besonders im Fokus steht die Nutzung von Spitzenkandidaten zur Gewinnung neuer Wähler.
Schlüsselwörter
Personalisierung, Kanzlerkandidaten, Wahlkampf, Medienberichterstattung, Wahlverhalten, Kandidateneigenschaften, Diversifikationsstrategien, Parteiidentifikation, Amerikanisierung, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Personalisierung“ im Wahlkampf?
Personalisierung bedeutet, dass die Person des Spitzenkandidaten (z.B. Kanzlerkandidat) stärker in den Fokus rückt als die Inhalte der Partei. Eigenschaften wie Kompetenz, Sympathie und Führungsqualität werden entscheidend für die Wählergunst.
Gibt es eine „Amerikanisierung“ des deutschen Wahlkampfs?
Unter Amerikanisierung versteht man einen Wahlkampf, der fast ausschließlich auf die Person zugeschnitten ist, losgelöst von der Partei. Studien zeigen jedoch, dass dieser Trend in Deutschland weniger stark ausgeprägt ist als oft vermutet.
Welche Kandidateneigenschaften sind für Wähler am wichtigsten?
Man unterscheidet zwischen rollennahen Eigenschaften (Kompetenz, Führung) und rollenfernen Eigenschaften (Sympathie, Aussehen, Privatleben). Beide Dimensionen beeinflussen den Entscheidungsprozess der Wähler.
Hat die Personalisierung in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen?
Untersuchungen (z.B. von Brettschneider) deuten darauf hin, dass Kandidateneffekte bei Wahlentscheidungen in den letzten Jahren nicht signifikant zugenommen haben, obwohl die mediale Aufmerksamkeit für Personen hoch ist.
Gibt es Unterschiede bei der Personalisierung zwischen Ost- und Westdeutschland?
Ja, politikwissenschaftliche Daten zeigen, dass es bei der Wahrnehmung von Kandidaten und der Bedeutung der Personalisierung regionale Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern gibt.
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- Sandra Martel (Author), 2013, Personalisierung der Kanzlerkandidaten im Wahlkampf zum Deutschen Bundestag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263947