Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Thematik des Begriffs der „Begegnung“ nach Bollnow auseinandersetzen, der in der Gegenüberstellung von Existenzphilosophie und Pädagogik eine entscheidende Rolle übernimmt und daran den reformpädagogischen Gedanken der Freinetschule aufgreifen und diesen auf die Förderung eben genau dieses „Begegnungsmoments“ überprüfen.
Während in der Existenzphilosophie die Annahme um einen tiefen, inneren, nicht stetig veränderbaren Kern des Menschen jegliche Form von Pädagogik erstmals als überflüssig, auf Grund der nicht möglichen dauerhaften Einflussnahme, erscheinen lässt, versucht Bollnow genau hier eine mögliche Erweiterung der Pädagogik zu ermöglichen. Bollnow relativiert diese Annahme des Unveränderbaren am inneren Kern des Menschen und sieht diesen in erster Linie als eine Art inneres Gesetz, inneres Ziel, nach dem bzw. zu dem hin sich der Mensch entwickelt.
Um dieser Annahme von dem inneren Kern des Menschen und dessen Entwicklung in pädagogischen Handlungsfeldern gerecht werden zu können, leitet Bollnow den Begriff der „Begegnung“ aus einem möglichen pädagogischen Handlungsrahmen für Lehrkräfte ab, die die Begegnung nach Bollnow für den Schüler fördern kann. Hierbei steht der Lehrer nicht mehr alleine in der Funktion des Wissensvermittler zur Verfügung, sondern vielmehr als Bereiter des Weges zur Erkenntnis, als Pfleger des Entwicklungsprozess des Schülers, nicht aber als alleiniger „Bearbeiter“ oder „Produzent“ dessen Bildung, welche hier auch in erster Linie als Mittel zur Voraussetzung einer möglichen Begegnung gesehen wird.
Das Bereiten und Begleiten der persönlichen Entwicklung eines Schülers ist in der Reformpädagogik ein zentraler Bestandteil und bezieht sich eben genau auf die Idee der Existenzphilosophie und des benannten, unbewussten inneren Kern des Schülers, nach dessen Gesetzen und Zielen sich dieser zu entwickeln und zu entfalten vermag. Dieser Kern gibt den Rahmen der möglichen „Begegnungen“ nach Bollnow für den Schüler in der Reformpädagogik vor und kann so tiefer gehende Bildung bzw. ein ggf. unstetiges oder sogar stetiges Verändern des inneren Kerns im Kontrast zum bloßen Bildungsbegriff ermöglichen. Hierbei ist es fundamental, dass der Schüler keine engen und allgemeinen Schablonen aufgelegt bekommt, sondern einen großen Freiraum innerhalb einer anregenden Umgebung erhält, in der er sich durch eigenes Interesse an verschiedenen Thematiken tiefer und interessierter bilden kann.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Fragestellung
- Der Begriff der Begegnung nach Bollnow
- Kernpunkte der Begegnung, Grund für ein Erstreben der Begegnung
- Gedanken der Reformpädagogik, vertieft am Beispiel der Freinetschule
- Bezug zur Fragestellung: In wie weit wird der Begriff der Begegnung in der Reformpädagogik Freinets besonders angesprochen?
- Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht den Begegnungsbegriff nach Bollnow im Kontext der Reformpädagogik, insbesondere der Freinetschule. Sie analysiert, ob und inwiefern sich der Begegnungsbegriff im reformpädagogischen Konzept der Freinetschule wiederfinden lässt.
- Die Bedeutung des Begegnungsbegriffs nach Bollnow
- Die Rolle der Existenzphilosophie in der Pädagogik
- Reformpädagogische Ansätze in der Freinetschule
- Der Zusammenhang zwischen Begegnung und Reformpädagogik
- Die Förderung von Begegnung in der Freinetschule
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit stellt die Thematik des Begegnungsbegriffs nach Bollnow in der Reformpädagogik, speziell in der Freinetschule, vor. Sie beleuchtet den Gegensatz zwischen der Annahme einer unveränderlichen inneren Kern des Menschen in der Existenzphilosophie und der Möglichkeit der pädagogischen Einflussnahme.
- Fragestellung: Die Arbeit formuliert die Frage, ob der Begegnungsbegriff nach Bollnow durch reformpädagogische Ansätze der Freinetschule besonders gefördert werden kann.
- Der Begriff der Begegnung nach Bollnow: Dieses Kapitel erläutert Bollnows Begegnungsmodell im Kontext der Existenzphilosophie und zeigt auf, wie der Begriff in den pädagogischen Rahmen eingebunden werden kann.
- Gedanken der Reformpädagogik, vertieft am Beispiel der Freinetschule: Dieses Kapitel untersucht den Zusammenhang zwischen der Reformpädagogik, speziell der Freinetschule, und dem Begegnungsbegriff. Es wird analysiert, ob und wie die Freinetschule den Begegnungsgedanken in ihrer Pädagogik umsetzt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Begegnung, Existenzphilosophie, Reformpädagogik, Freinetschule, Pädagogische Handlungsrahmen, Bildung, innere Kern des Menschen, Entwicklung des Menschen.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Bollnow unter dem Begriff der „Begegnung“?
Begegnung ist ein pädagogisches Moment, das eine tiefere Veränderung des inneren Kerns eines Schülers ermöglicht und über bloße Wissensvermittlung hinausgeht.
Wie setzt die Freinetschule den Begegnungsbegriff um?
Durch eine anregende Umgebung und großen Freiraum können Schüler eigenen Interessen folgen, was die Wahrscheinlichkeit für echte "Begegnungsmomente" erhöht.
Welche Rolle hat der Lehrer in Bollnows Konzept?
Der Lehrer fungiert nicht als reiner Wissensvermittler, sondern als Wegbereiter zur Erkenntnis und Pfleger des persönlichen Entwicklungsprozesses des Schülers.
Was ist der "innere Kern" des Menschen in der Existenzphilosophie?
Es ist ein tiefer, stabiler Kern, der laut Bollnow als inneres Gesetz oder Ziel fungiert, nach dem sich der Mensch individuell entwickelt.
Wie unterscheidet sich Bildung von bloßem Wissen in der Reformpädagogik?
Bildung wird als Mittel zur Voraussetzung einer möglichen Begegnung gesehen, die eine ganzheitliche Entfaltung der Persönlichkeit zum Ziel hat.
- Quote paper
- Maximilian Möhring (Author), 2013, Der Begegnungsbegriff nach Bollnow im reformpädagogischen Konzept der Freinetschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263104