Die literarische Gattung des Kriminalromans ist heute international anerkannt und erfreut sich einer großen Beliebtheit. Auch in Spanien wuchs das Interesse an Kriminalgeschichten in den vergangenen Jahren. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Gattung ist Manuel Vázquez Montalbán, der mit seiner Krimireihe um den Protagonisten Pepe Carvalho zahlreiche Preise gewann.
Doch lange Zeit war es in Spanien nicht möglich so offen, wie es Montalbán in seinen Romanen macht, über die spanische Gesellschaft und vor allem über den Polizeiapparat zu schreiben. Unter der Diktatur von Francisco Franco konnte aufgrund des Zensursystems keine realistische, vom Verbrechen erzählende Literatur entstehen. Nur vereinzelt veröffentlichten Schriftsteller, wie Mario Lacruz, kriminalistische Romane, welche aber ständig im Fokus des Zensursystems standen.
In dieser Arbeit soll der spanische Kriminalroman zur Zeit der Diktatur und der Transición näher untersucht werden. Als Beispiel für einen Kriminalroman aus der Zeit des Franco-Regimes dient Mario Lacruzs „Steckbrief für einen Unschuldigen“ (spanisch El Inocente). Anhand dieser Kriminalgeschichte wird aufgezeigt, welche Umgehungsmöglichkeiten der Zensur Autoren dieser Zeit hatten. Vorab wird ein Überblick über das Zensursystem in Spanien in der Zeit von 1936 bis 1975 gegeben.
Mit dem Tod Francos beginnt in Spanien die sogenannte Zeit der Transición. Manuel Vázquez Montalbáns Roman „Die Meere des Südens“ (spanisch Los mares del sur) soll verdeutlichen, wie nach dem Ende der Diktatur mit der Aufarbeitung des Franco-Regimes in Romanen umgegangen wurde.
Die Analyse beider Kriminalromane soll aufzeigen, wie die Autoren die gegebenen sozialen und politischen Umstände ihrer Zeit im jeweiligen Roman verarbeitet haben. Im Ergebnis der Arbeit sollen die Unterschiede zwischen dem Schreiben in einer Diktatur und der in Zeit danach für den Leser erkennbar sein.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Geschichte des spanischen Kriminalromans: Vom 19. Jahrhundert bis Manuel Väzquez Montalbän
- Spanien unter Francisco Franco
- Geschichtlicher Überblick
- Das Zensursystem in Spanien von 1936 - 1975
- Umgehungsmöglichkeiten der Zensur am Beispiel von „Steckbrief für einen Unschuldigen" von Mario Lacruz
- Die Handlung
- Analyse der Handlung
- Spanien zur Zeit der Transiciön
- Geschichtlicher Überblick
- Die Nachwirkungen der Zensur
- Schreiben ohne die Zwänge der Zensur am Beispiel von „Die Meere des Südens" von Manuel Våzquez Montalbän
- Die Handlung
- Analyse der Handlung
- Zusammenfassung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des spanischen Kriminalromans während der Franco-Diktatur und der anschließenden Transiciön. Sie analysiert zwei Kriminalromane, „Steckbrief für einen Unschuldigen" von Mario Lacruz und „Die Meere des Südens" von Manuel Våzquez Montalbän, um die Auswirkungen des Zensursystems und die Veränderungen in der spanischen Gesellschaft auf die literarische Gattung zu beleuchten.
- Die Auswirkungen des Zensursystems auf den spanischen Kriminalroman
- Die Darstellung der spanischen Gesellschaft in den Kriminalromanen
- Die Rolle der Polizei und des Staatsapparates in den Romanen
- Die Themen der Freiheit, der Unterdrückung und der Suche nach Identität
- Die Unterschiede im Schreibstil und der Erzählweise zwischen den beiden Autoren
Zusammenfassung der Kapitel
Im ersten Kapitel wird ein Überblick über die Geschichte des spanischen Kriminalromans vom 19. Jahrhundert bis zur Zeit von Manuel Våzquez Montalbän gegeben. Es wird deutlich, dass sich die Gattung des Kriminalromans in Spanien erst nach dem Tod von Franco frei entwickeln konnte. Im zweiten Kapitel wird die Zeit der Franco-Diktatur beleuchtet, wobei die drei Phasen der Diktatur sowie das Zensursystem im Detail beschrieben werden. Das Kapitel endet mit einer Analyse von Mario Lacruzs Roman „Steckbrief für einen Unschuldigen", der als Beispiel für einen Kriminalroman aus der Zeit des Franco-Regimes dient. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Transiciön, dem Übergang von der Diktatur zur Demokratie in Spanien. Es werden die wichtigsten politischen Veränderungen und die Auswirkungen der Zensur auf die Kultur des Landes beschrieben. Abschließend wird Manuel Våzquez Montalbåns Roman „Die Meere des Südens" analysiert, der als Beispiel für einen Kriminalroman aus der Zeit der Transiciön dient. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse der Analyse der beiden Kriminalromane zusammengefasst. Es werden die Unterschiede im Schreiben während der Franco-Diktatur und der Transiciön herausgestellt, sowie die Bedeutung der beiden Autoren für die Entwicklung des spanischen Kriminalromans.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen den spanischen Kriminalroman, die Franco-Diktatur, die Transiciön, die Zensur, Mario Lacruz, Manuel Våzquez Montalbän, „Steckbrief für einen Unschuldigen", „Die Meere des Südens", Pepe Carvalho, die spanische Gesellschaft, die Polizei, die Freiheit, die Unterdrückung, die Identität, der Schreibstil und die Erzählweise.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist einer der bekanntesten Vertreter des spanischen Kriminalromans?
Manuel Vázquez Montalbán ist einer der bedeutendsten Autoren dieses Genres, bekannt vor allem durch seine Krimireihe um den Privatdetektiven Pepe Carvalho.
Warum konnte sich der Kriminalroman unter der Franco-Diktatur nicht frei entwickeln?
Das Zensursystem unter Francisco Franco verhinderte eine realistische Darstellung von Verbrechen und Kritik am Polizeiapparat, weshalb kaum gesellschaftskritische Kriminalliteratur entstehen konnte.
Welche Rolle spielt Mario Lacruz in der Geschichte des spanischen Krimis?
Mario Lacruz veröffentlichte mit „Steckbrief für einen Unschuldigen“ (El Inocente) einen der wenigen Kriminalromane während der Diktatur, der aufzeigt, wie Autoren versuchten, die Zensur zu umgehen.
Was versteht man unter der Zeit der Transición in Spanien?
Die Transición bezeichnet die Übergangsphase Spaniens von der Diktatur Francos (nach dessen Tod 1975) hin zur Demokratie.
Wie verarbeitete Manuel Vázquez Montalbán die Franco-Zeit in seinen Werken?
In seinem Roman „Die Meere des Südens“ nutzt Montalbán das Genre des Kriminalromans zur gesellschaftspolitischen Aufarbeitung der Diktaturfolgen in der Zeit der Transición.
Was sind die zentralen Unterschiede beim Schreiben während und nach der Diktatur?
Während Autoren unter der Diktatur die Zensur durch Metaphern oder Auslassungen umgehen mussten, konnten sie in der Transición offen über soziale Missstände, Korruption und den staatlichen Machtapparat schreiben.
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- Nadine Möller (Author), 2012, Der spanische Kriminalroman zur Zeit der Diktatur und der Transición, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262706