I. Einführung
In meiner Diplomarbeit möchte ich einen kurzen Blick in die Welt der Höflichkeitsformen werfen. Zuerst habe ich vor, das Grundproblem, das Untersuchungsmaterial und die bei der Forschung verwendete Methode darzustellen. Im zweiten Kapitel werde ich dann eine Definition von Sprechakten einführen, und im Allgemeinen skizzieren, wo sich Sprechakte und Höflichkeitsformen innerhalb des Sprachsystems und der linguistischen Forschung befinden. Am Ende des zweiten Kapitels werde ich die für meine Untersuchung relevanten Sprechakte taxonomisch darstellen.
Ab dem dritten Kapitel behandele ich die konkreten Ergebnisse, die meine Untersuchung sowohl der deutschen als auch der japanischen Sprache ergeben hat. Die Ergebnisse gebe ich Schritt für Schritt an, von einem Sprechakt zum anderen, nach einer möglichen Definition des jeweiligen Sprechaktes. Anschließend möchte ich die Teillösungen zusammenfassen und eine Lösung auf das Grundproblem finden. Ich werde nach klaren Tendenzen suchen, und die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den Ausdrucksformen der Sprechakte im Deutschen und im Japanischen erläutern.
Im vorletzten Kapitel möchte ich dann eventuelle Konklusionen ziehen und weitere mögliche Fragenstellungen auflisten, die noch in diesem Bereich auftauchen und weiter erforscht werden können. Das letzte Kapitel enthält eine ungarische Zusammenfassung der Diplomarbeit.
Die Motivation zu meiner Themenwahl kam während meines einjährigen Studiums an der Universität Chiba in Japan im Jahre 2001-2002. In allen japanischen Klassen habe ich gemerkt, wie schwer es Ausländern fällt, sich mit japanischen Höflichkeitsformen vertraut zu machen, und sie in alltäglichen Situationen richtig zu verwenden. Ich nahm an, dass diese Schwierigkeit größtenteils dem Unterschied zwischen den zahlreichen Kulturen und dem der Ausdrucksweisen der für nötig gehaltenen Höflichkeit in bestimmten Situationen zuzuschreiben war. Hoffentlich kann diese Diplomarbeit einen Ansatz zur Beantwortung dieser Problematik darbieten.
Inhalt
I. Einführung
I.1 Das Grundproblem
I.2 Die Untersuchungsmethode
I.3 Das Untersuchungsmaterial
II. Sprechakte
II.1 Was sind Sprechakte?
II.2 Was für Sprechakttypen gibt es?
II.3 Welche Sprechakten werde ich unter die Lupe nehmen?
II.4 Höflichkeitsformen
II.4.1 Was sind Höflichkeitsformen?
II.4.2 Welche Arten von Höflichkeitsformen gibt es?
II.4.3 Wie werden Höflichkeitsformen im Deutschen ausgedrückt?
II.4.4 Wie werden Höflichkeitsformen im Japanischen ausgedrückt?
III. Untersuchungsergebnisse
III.1 Teilproblem 1 – Mitteilung
III.1.1 Japanische Beispiele
III.1.2 Deutsche Beispiele
III.1.3 Lösung des Teilproblems 1, Teilkonklusion
III.2 Teilproblem 2 – Kommentierung/Überzeugung
III.2.1 Japanische Beispiele
III.2.2 Deutsche Beispiele
III.2.3 Lösung des Teilproblems 2, Teilkonklusion
III.3 Teilproblem 3 – Dank
III.3.1 Japanische Beispiele
III.3.2 Deutsche Beispiele
III.3.3 Lösung des Teilproblems 3, Teilkonklusion
III.4 Teilproblem 4 – Aufforderung
III.4.1 Japanische Beispiele
III.4.2 Deutsche Beispiele
III.4.3 Lösung des Teilproblems 4, Teilkonklusion
IV.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
IV.2 Lösungsansatz, welche Tendenzen sind nachvollzuziehen?
V. Konklusion, weitere zu behandelnde Themen
VI. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kontrastiv die Verwendung von Höflichkeitsformen bei der Realisierung spezifischer Sprechakte im Deutschen und im Japanischen. Ziel ist es, sprachliche Unterschiede aufzudecken, die zeigen, wie kulturelle Konventionen und soziale Hierarchien die Kommunikation in Talkshows beeinflussen.
- Kontrastive Analyse von Sprechakten (Mitteilung, Kommentierung/Überzeugung, Dank, Aufforderung).
- Untersuchung von Höflichkeitsstrategien in japanischen und deutschen Medien.
- Identifikation illokutionärer Indikatoren in beiden Sprachen.
- Einfluss sozialer Faktoren und kultureller Konventionen auf die Ausdrucksweise.
- Vergleich von formeller versus informeller Kommunikation in Talkshow-Formaten.
Auszug aus dem Buch
II.4.4 Wie werden Höflichkeitsformen im Japanischen ausgedrückt?
Wir haben gesehen, dass Sprechakte sehr stark sozial verankert sind. Die japanische wird für eine stark kollektivistische Gesellschaft gehalten, worin die soziale Hierarchie und Respekt füreinander eine große Rolle spielen. Einige gesteinerte Höflichkeitsformen und –gebräuche sind im mittelalterlichen Feudalismus verankert, aber leben gewöhnlich fort.
Auch im Japanischen kann man Höflichkeit durch diverse grammatische und lexikale Mittel ausdrücken, aber es gibt wesentlich mehr grammatische Ausdrucksformen, als im Deutschen. Höflichkeit erscheint in zwei Richtungen, einerseits aufwärts, andererseits abwärts. Aufwärts in dem Sinne, dass man den höheren gesellschaftlichen Status (jemand höheren Ranges ist ein ‚meuenohito’), den höheren Alter des Gesprächspartners (jemand älter ist ein ‚senpai’) anerkennt, und ihn/sie demgemäß behandelt; abwärts in dem Sinne, dass man sich und die Mitglieder seiner inneren Gruppe (Familie, Kollegen etc.) abschätzt um dadurch indirekt die Position des Gesprächspartners zu verstärken oder zu erhöhen (der Sprecher ist hier eine Person niedrigeren Ranges, eine ‚meshitanohito’ oder jünger als sein Gesprächspartner, also ein ‚kouhai’).
Es gibt wenigstens vier Stufen der Höflichkeit im Japanischen, die meistens durch die Verbkonjugation ausgedrückt werden. Erstens gibt es die Form futsuukei,die am informellsten ist, wobei Verben auf –ru endigen z.B. taberu. Zweitens gibt es die kihonkei, die schon etwas formeller und allgemein gebräuchlich ist; in dieser Konjugation gehen Verben auf –masu aus, z.B. tabemasu. Drittens hat man die sonkeigo, die erste eigentlich formelle und höfliche Verbkonjugation, welche man in Fällen verwendet, wo man über die Handlungen oder den Zustand einer dritten Person vom höheren Rang (auf japanisch meuenohito) spricht, oder direkt mit ihr.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Die Einleitung umreißt das Grundproblem, die Methodik der Untersuchung anhand von Talkshow-Material und das Ziel, Sprechakte kontrastiv zu analysieren.
II. Sprechakte: Dieses Kapitel definiert Sprechakte und Höflichkeitsformen theoretisch und stellt die für die Untersuchung relevanten Typen sowie deren sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten im Deutschen und Japanischen vor.
III. Untersuchungsergebnisse: Das Hauptkapitel präsentiert die konkrete Analyse der vier Teilprobleme (Mitteilung, Kommentierung, Dank, Aufforderung) anhand von Beispielen aus Burijji und der Oliver Geissen Show.
IV. Zusammenfassung der Ergebnisse: Hier werden die Teilergebnisse zusammengeführt und die nachvollziehbaren Tendenzen im Vergleich der beiden Sprachen und Kulturen dargelegt.
V. Konklusion, weitere zu behandelnde Themen: Das Fazit bestätigt die Hypothese einer höheren Frequenz und Diversität an Höflichkeitsformen im Japanischen und benennt zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
VI. Bibliographie: Das Verzeichnis der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Sprechakte, Höflichkeitsformen, Japanisch, Deutsch, Kontrastive Linguistik, Pragmatik, Talkshows, Kommunikation, Soziale Hierarchie, Interaktion, Verbkonjugation, Indikatoren, Sprechsituation, Sprachgebrauch, Kulturelle Unterschiede.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche und japanische Sprecher in alltäglichen Gesprächssituationen Höflichkeitsformen einsetzen, um spezifische Sprechakte zu realisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die pragmatische Analyse von Sprechakten, der Vergleich kulturell geprägter Höflichkeitsstrategien und die Untersuchung sprachlicher Höflichkeitsindikatoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist ein kontrastiver Vergleich, um aufzuzeigen, wie unterschiedliche gesellschaftliche Konventionen die Wahl von Höflichkeitsformen in beiden Sprachen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine induktive Methode, bei der relevantes Material aus Talkshows (Burijji und Die Oliver Geissen Show) gesammelt und auf Basis linguistischer Definitionen analysiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden vier spezifische Teilprobleme behandelt: Mitteilungen, Kommentierungen/Überzeugungen, Dankesbezeugungen und Aufforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kontrastive Linguistik, Pragmatik, Höflichkeitsformen, Sprechakte und Interkulturelle Kommunikation charakterisiert.
Wie unterscheiden sich japanische und deutsche Aufforderungen laut der Autorin?
Die Autorin stellt fest, dass japanische Aufforderungen durch den Gebrauch von Interrogativsätzen in Kenjougo extrem höflich und gesichtsbeschützend sind, während im untersuchten deutschen Material direkte und oft gesichtsbedrohende Imperativsätze dominieren.
Welche Rolle spielt der soziale Status im japanischen Kontext?
Im japanischen Sprachgebrauch ist die Markierung des sozialen Status – wer "meue" (höherrangig) oder "meshita" (niederrangiger) ist – essenziell für die Wahl der Höflichkeitsstufe, eine Dimension, die im deutschen Sprachgebrauch der untersuchten Talkshow kaum eine Rolle spielt.
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- Anita Mester (Author), 2004, Höflichkeitsformen im Deutschen und Japanischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25643