Die Beschneidung gehört zum Leben vieler afrikanischer Gemeinschaften wie bei uns die Kommunion oder Konfirmation. Obwohl das Thema ein großes Tabu ist, sehnen viele Mädchen den Tag ihrer Beschneidung herbei und sind danach stolz darauf endlich zu der Gemeinschaft dazu zu gehören.4
Lange Zeit war auch bei uns dieses Thema ein Tabu. Aus Bequemlichkeit, sich mit dieser grausamen Praxis nicht auseinandersetzen zu müssen, wurde es meistens mit der Begründung ,, Genitalverstümmelungen sind traditionelle und kulturelle Praktiken, über die wir uns kein Urteil erlauben können und in die wir uns mit unserem europäischen Blick besser nicht einmischen sollten"5 abgetan. Erst in den letzten Jahren änderte sich diese Einstellung grundlegend. Mittlerweile werden Genitalverstümmelungen als Politikum verstanden und als Menschenrechtsverletzung und Gewalt gegen Frauen definiert.6 Wer sich in der Bundesrepublik Deutschland an der Verstümmelung weiblicher Genitalien beteiligt, macht sich nach den §§ 223 ff des Strafgesetzbuches strafbar und muss damit rechnen, wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstraffe bis zu fünf Jahren verurteilt zu werden7.
Das Ziel unserer Arbeit ist es durch Vermittlung von Grundlagenkenntnissen einen Überblick über die weibliche Genitalverstümmelung zu verschaffen, vor allem für diejenigen, die noch keine Möglichkeit hatten, sich mit diesem Thema auseinander zusetzen.
Im Folgenden beginne ich mit Erläuterung der Definition der genitalen Verstümmelung dann komme ich zu der historischen Entwicklung dieses Brauches. Damit möchte ich dem Leser einen Einstieg in das Thema bieten und eine Grundlage für ein besseres Verständnis dieses Rituals geben. Von dem historischen Hintergrund komme ich zu der Situation heute und so werde ich in diesem Teil meiner Arbeit die geografische Verteilung dieses Rituals darstellen und die unterschiedlichen Beschneidungsarten nennen und erläutern (Kapitel 1- 4).
Für den weiteren Teil der Hausarbeit ist meine Kollegin Dagmar Gapski zuständig (Kapitel 5- 11). Hier erläutert sie die Prozedur, nennt deren Gründe und weist auf die körperlichen und psychischen Probleme hin.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition der weiblichen Genitalverstümmelung
3. Die historische Entwicklung der weiblichen Genitalverstümmelung
3.1 Die Herkunft des Rituals
3.2 Die Rolle der Religion
3.3 Geschichte der weiblichen Genitalverstümmelung in der westlichen Welt
3.4 Fazit
4. Genitale Verstümmelung der Frauen in Afrika heute
4.1 Geografische Verteilung
4.2 Beschneidungsarten
5. Die Prozedur
5.1 Verschiedene Gründe sprechen für eine frühzeitige Beschneidung
5.2 Die Ausführung
6. Der Versuch einer Erklärung - Gründe der Beschneidung
6.1 Die Bedeutung der Klitoris in diesem Zusammenhang
6.2 Weitere Gründe, die für die Beschneidung afrikanischer Frauen aufgeführt werden
6.3 Fazit
7. Die körperlichen und psychischen Probleme nach der Genitalverstümmelung
7.1 Die körperlichen Probleme
7.2 Die psychischen Probleme
8. Die Entschädigung
9. Die Beschneidung und das Gesetz
10. Der Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit vermittelt grundlegende Kenntnisse über die weibliche Genitalverstümmelung (FGM), um Lesern, die bisher wenig Berührungspunkte mit dem Thema hatten, einen informativen Überblick zu verschaffen. Dabei werden sowohl die historischen Ursprünge und die geografische Verbreitung als auch die Prozeduren, zugrunde liegende Motive und die gravierenden körperlichen sowie psychischen Folgen für betroffene Mädchen und Frauen beleuchtet.
- Historische Herleitung und religiöse Einordnung der Praxis
- Geografische Verteilung und verschiedene Formen der Verstümmelung
- Die psychologischen und sozialen Gründe für die Durchführung des Rituals
- Physische und psychische Auswirkungen auf die betroffenen Frauen
- Die Problematik staatlicher Verbotsgesetze und deren Umsetzung
Auszug aus dem Buch
5.2 Die Ausführung
Ein kleines Mädchen wird vollkommen nackt ausgezogen. Es wird auf einen Fels, oder eine runde Palmmatte, deren Mitte herausgetrennt wurde, über einem frisch gegrabenen Loch liegend, von wenigstens drei Frauen (oder auch mehr) festgehalten. Eine Frau greift mit ihren Armen fest um die Brust des Kindes; zwei weitere Frauen ziehen die Beine des Kindes gewaltsam auseinander, um die Vulva weit zu öffnen. Die Arme des Kindes sind hinter seinem Rücken fest zusammengebunden, oder werden von weiteren Personen gehalten. Häufig wird dem Kind ein Stück Wurzel zwischen die Zähne gesteckt, zum Draufbeißen bei zu heftigen Schmerzen.
Manchmal folgt jetzt ein kurzes Gebet, bevor die Person, häufig eine Zigeunerin, die die Prozedur durchführt, ihre alte, zum Teil noch mit Blut verschmierte, stumpfe Rasierklinge oder Schere oder Glasscherbe herausholt und die Klitoris damit abschneidet. Dann folgt die Infibulation, d. h. die Zigeunerin schneidet die inneren Schamlippen von oben nach unten ab und schabt das Fleisch von der Innenseite der äußeren Schamlippen. Dies macht sie beidseitig der Vulva. Man nennt es auch: „Die Mädchen sauberkratzen“.
Das Kind schreit und windet sich vor Schmerzen, obwohl es mit viel Kraft festgehalten wird. Die Frau wischt das Blut aus der Wunde, und die Mutter und ihre Gäste begutachten die „Arbeit“, indem sie ihre Finger in die Wunde legen. Wie viel von den äußeren Schamlippen abgeschnitten wird, hängt von den „technischen Fähigkeiten“ der „Operateurin“ ab. Die übrige Haut wird zusammengezogen. Es werden zwei Dornen im rechten Winkel zur Wunde „angebracht“. An deren Enden Fäden oder Stoffstreifen befestigt sind, um die Dornen dort zu belassen, wo sie platziert sind. (Frische Akaziendornen rufen Taubheit hervor, wenn sie die Haut durchbohren).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der weltweit verbreiteten weiblichen Genitalverstümmelung ein und definiert diese als Menschenrechtsverletzung.
2. Definition der weiblichen Genitalverstümmelung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff FGM und die Hintergründe der begrifflichen Abgrenzung zur männlichen Beschneidung.
3. Die historische Entwicklung der weiblichen Genitalverstümmelung: Es wird die fragwürdige Herkunft des Rituals sowie dessen Geschichte in der westlichen Welt zur Behandlung vermeintlicher Krankheiten untersucht.
4. Genitale Verstümmelung der Frauen in Afrika heute: Dieses Kapitel beschreibt die geografische Verbreitung sowie die verschiedenen medizinisch kategorisierten Beschneidungsformen.
5. Die Prozedur: Hier wird der gewaltsame Ablauf der Verstümmelung, von der Fixierung bis zur Wundversorgung, detailliert und ungeschönt geschildert.
6. Der Versuch einer Erklärung - Gründe der Beschneidung: Es werden die kulturellen, sozialen und religiösen Mythen dargelegt, die zur Aufrechterhaltung dieser Tradition führen.
7. Die körperlichen und psychischen Probleme nach der Genitalverstümmelung: Dieses Kapitel dokumentiert die verheerenden unmittelbaren und langfristigen gesundheitlichen sowie psychischen Langzeitschäden.
8. Die Entschädigung: Es wird thematisiert, wie das erlittene Trauma durch soziale Integration und die Hoffnung auf den Status der „Frau“ kompensiert wird.
9. Die Beschneidung und das Gesetz: Dieses Kapitel beleuchtet das Scheitern von gesetzlichen Verboten und die soziokulturelle Komplexität bei deren Durchsetzung.
10. Der Ausblick: Ein kurzer Rückblick auf die Arbeit und ein Ausblick auf weiterführende Themen wie Menschenrechte und Asylfragen.
Schlüsselwörter
Weibliche Genitalverstümmelung, FGM, Afrika, Tradition, Menschenrechtsverletzung, Infibulation, Klitorisbeschneidung, Beschneidungsarten, Patriarchat, Frauengesundheit, soziale Kontrolle, Trauma, Kultur, Aufklärung, Scham.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der weiblichen Genitalverstümmelung, ihre Hintergründe, Durchführungsformen und die weitreichenden negativen Auswirkungen auf Frauen in Afrika.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, den kulturellen Begründungsmustern, der physischen und psychischen Traumatisierung sowie der schwierigen rechtlichen Lage in betroffenen Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die komplexe Thematik zu schaffen und über die grausamen Hintergründe sowie die gesundheitliche Dimension aufzuklären.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen und statistischen Daten, um den Status quo der Verstümmelungspraktiken zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Ursprünge, die geografische Verteilung in Afrika, die spezifischen Prozeduren, die angeführten Erklärungsgründe und die medizinischen sowie psychischen Spätfolgen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Menschenrechtsverletzung, Tradition, patriarchale Kontrolle, Klitorisbeschneidung, Infibulation und Frauengesundheit beschreiben die Essenz der Arbeit am besten.
Warum spielt der Begriff der „Integration“ eine so wichtige Rolle im Text?
Integration in die Gemeinschaft der Frauen ist für die Betroffenen das zentrale Motiv, das den Schmerz der Verstümmelung als „Eintrittskarte“ für den gesellschaftlichen Status als Frau rechtfertigen soll.
Wie bewerten die Autoren die Rolle von Gesetzen gegen die Verstümmelung?
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Gesetze zwar eine moralische Unterstützung bieten, aber oft an der sozialen Realität und der tief verwurzelten Tradition scheitern, was bei misslungenen Eingriffen sogar zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann.
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- Dorota Gräbel (Author), Dagmar Gapski (Author), 2002, Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2530