Während Umweltschutz in der breiten Bevölkerung einen hohen Stellenwert einnimmt, so ist in Bezug auf den Emissionshandel ein deutliches Informationsdefizit sowohl bei den Unternehmen wie auch bei den Bürgern Europas festzustellen. „Der Wissensstand vieler Unternehmen über das Thema Emissionshandel ist sehr begrenzt, und ein Meinungsbil-dungsprozess zu diesem Thema hat bei vielen Unternehmen noch nicht stattgefunden.“ Nach einer Studie der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton haben derzeit nur 3 % der betroffenen Unternehmen den organisatorischen Aufbau entsprechender Teams oder Abteilungen für den Emissionhandel abgeschlossen.
Folgende Fragen sollen hier beantwortet werden:
- Wie funktioniert Emissionshandel grundsätzlich?
- Welche Erfahrungen wurden bisher im Emissionshandel gemacht und wie kann man daraus profitieren?
- Wie wird der Emissionshandel in der EU ablaufen? Welche Stärken und/
oder Schwächen hat das Konzept? Welche Punkte sind bisher ungeklärt?
- Welche Vorteile/Nachteile bietet der Emissionshandel gegenüber anderen
Instrumenten?
- Welche Entwicklung ist in Zukunft zu erwarten?
Da einige Punkte der Ausgestaltung des Emissionshandelssystems derzeit noch nicht abge-chlossen sind und deren Klärung teilweise erst bis zu Beginn des Handels zu erwarten ist – nicht zuletzt wegen des langwierigen Gesetzgebungsprozesses – können sie hier nicht abschließend behandelt werden. Um trotzdem eine ausreichende Aktualität zu gewährleisten, werden alle bis zum 29.02.2004 getroffenen Entscheidungen in dieser Arbeit berücksichtigt. Neben der Erwähnung der nicht geklärten Punkte wird der Verfasser seine Meinung zur sinnvollen Ausgestaltung kurz aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Erörterung der Fragestellung
1.3 Aufbau der Diplomarbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Rahmenbedingungen
2.1.1 Klimaveränderungen
2.1.2 Grundlagen des Treibhauseffektes
2.1.3 Antizipierte Auswirkungen des Treibhauseffektes
2.1.4 Besonderheiten der CO2-Emissionen
2.1.5 Das Kyoto-Protokoll
2.2 Ökonomische Theorien
2.2.1 Theorie der öffentlichen Güter
2.2.2 Theorie der externen Effekte
2.3 Theoretische Handlungsempfehlungen
2.3.1 Pigou-Steuer
2.3.2 Coase-Theorem
2.3.3 Zertifikatslösung
3 Bisherige Erfahrungen mit dem Emissionshandel
3.1 Erfahrungen in den USA
3.1.1 Die „Emissions Trading Policy“
3.1.2 Das „SO2 Allowance Trading Program“
3.1.3 Das „RECLAIM-Programm“
3.2 Erfahrungen in Europa
3.2.1 Schweiz
3.2.2 Dänemark
3.2.3 Vereinigtes Königreich
3.3 Zusammenfassung der bisherigen Erfahrungen und Schlussfolgerungen
4 Geplantes Verfahren in der EU
4.1 Zertifikateigenschaften
4.2 Erstvergabe der Lizenzen
4.3 Sekundärmarkt
4.4 Staatliche Aufsicht
4.5 Sonstige Inhalte des Programms
5 Mögliche Probleme von Emissionszertifikaten und Beurteilung gegenüber anderen Instrumenten
5.1 Der Zertifikathandel im Vergleich zu andern umweltpolitischen Instrumenten
5.1.1 Ökologische Effektivität
5.1.2 Ökonomische Effizienz
5.1.3 Dynamische Anreizfunktion
5.1.4 Aspekte der Wettbewerbspolitik
5.1.5 Aspekte der Ordnungspolitik
5.1.6 Gesellschaftliche Akzeptanz
5.1.7 Zusammenfassung
5.2 Kritikpunkte und Probleme am geplanten Programm der EU
6 Fazit und Ausblick
6.1 Zusammenfassung
6.2 Versuch eines Ausblickes auf die Klimaschutzpolitik und die zukünftige Entwicklung des Handels mit Emissionszertifikaten
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Funktionsweise und die ökonomischen Grundlagen des Emissionshandels vor dem Hintergrund der europäischen Klimaschutzpolitik. Zentrales Ziel ist es, die Effizienz des Emissionshandels zu bewerten, Erfahrungen aus bestehenden Systemen (insbesondere in den USA und Europa) zu analysieren und daraus Erkenntnisse für die Ausgestaltung des geplanten EU-Emissionshandelssystems abzuleiten.
- Theoretische Fundierung des Marktversagens und externer Effekte
- Analyse internationaler Erfahrungen mit Emissionshandelssystemen
- Darstellung des regulatorischen Rahmens und der Implementierung in der EU
- Vergleichende Beurteilung des Zertifikathandels gegenüber ordnungspolitischen Instrumenten
- Diskussion von Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Klimaschutzpolitik
Auszug aus dem Buch
2.2.2 THEORIE DER EXTERNEN EFFEKTE
Externe Effekte liegen vor, wenn das Handeln eines Individuums Nebenwirkungen auf andere hat und diese Nebenwirkungen nicht monetär vergütet werden. Beispielsweise ist die Abgasfreisetzung nicht das Ziel eines Automobiles, vielmehr ist sie ein Nebenprodukt der Fortbewegung durch die Nutzung des Verbrennungsmotors. Die Entsorgung der Abgase wird jedoch dem Autofahrer nicht in Rechnung gestellt, die Kosten hierfür trägt die Allgemeinheit. Da also die Kosten bzw. der Nutzen des externen Effektes nicht vom Verursacher sondern von anderen oder der Gesamtheit getragen werden, kommt es zu einer verzerrten Preisbildung des Gutes. Es liegt also ein Fall von Marktversagen vor. Es existieren positive und negative externe Effekte. Liegen positive externe Effekte vor (z.B. positiver Erholungseffekt für die Allgemeinheit durch die landwirtschaftliche Nutzung einer Fläche als Waldgebiet), so ist der Preis des hergestellten Gutes (Holz) zu hoch, da den Produktionskosten zu niedrige Erträge gegenüberstehen. Durch den niedrigeren Preis werden weniger dieser Güter hergestellt als eigentlich auf Grund von Angebot und Nachfrage bei vollständiger Berücksichtigung des Nutzens hergestellt werden würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Problemstellung der globalen Erwärmung und Einführung des Emissionshandels als neues umweltpolitisches Instrument der EU.
2 Theoretische Grundlagen: Erläuterung der ökologischen Rahmenbedingungen sowie ökonomische Analyse von Umweltverschmutzung und Handlungsempfehlungen.
3 Bisherige Erfahrungen mit dem Emissionshandel: Untersuchung bestehender Handelssysteme in den USA und Europa zur Ableitung von Best Practices.
4 Geplantes Verfahren in der EU: Detaillierte Darstellung der rechtlichen und organisatorischen Ausgestaltung des EU-Emissionshandelssystems.
5 Mögliche Probleme von Emissionszertifikaten und Beurteilung gegenüber anderen Instrumenten: Kritische Bewertung des Zertifikathandels hinsichtlich Effizienz, Wettbewerbspolitik und gesellschaftlicher Akzeptanz.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Vor- und Nachteile sowie ein Ausblick auf die künftige klimapolitische Entwicklung.
Schlüsselwörter
Emissionshandel, Klimaschutz, Treibhauseffekt, Kyoto-Protokoll, CO2-Zertifikate, Marktversagen, externe Effekte, ökonomische Effizienz, Emissionsreduktion, EU-Richtlinie, Zertifikatslösung, Umweltpolitik, Nachhaltigkeit, grandfathering, Allokationsplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Handel mit Emissionszertifikaten als umweltpolitisches Instrument zur Reduktion von Treibhausgasen, insbesondere CO2, in der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit deckt die theoretischen ökonomischen Grundlagen des Marktversagens ab, analysiert praktische Erfahrungen aus den USA und Europa und bewertet das geplante EU-Emissionshandelssystem im Vergleich zu anderen Instrumenten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Funktionsweise des Emissionshandels zu erläutern und zu untersuchen, unter welchen Bedingungen dieses Instrument ökologisch effektiv und ökonomisch effizient zur Erreichung der Klimaschutzziele eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literaturbasierte Analyse ökonomischer Theorien sowie eine deskriptive Auswertung von Erfahrungen mit realen Emissionshandelssystemen und des geplanten rechtlichen Rahmens der EU.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Allmendegüter, externe Effekte), die Aufarbeitung existierender Erfahrungen (USA, Schweiz, Dänemark, UK) sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der EU-Richtlinie und den spezifischen Herausforderungen bei deren Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Emissionshandel, Kyoto-Protokoll, CO2-Zertifikate, ökonomische Effizienz und marktwirtschaftliche Instrumente im Umweltschutz.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „grandfathering“ bei der Zuteilung?
Der Autor sieht das „grandfathering“ als eine politisch durchsetzbare Methode, die Planungssicherheit bietet, mahnt aber an, dass sie Neuemittenten benachteiligen kann, weshalb er modifizierte Ansätze wie Reservepools empfiehlt.
Wie schätzt der Autor die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland ein?
Der Autor prognostiziert langfristig positive Effekte für Deutschland durch die technologische Führung im Bereich emissionsfreier Energien, warnt jedoch vor kurzfristigen Strukturproblemen und empfiehlt eine gezielte steuerliche Behandlung der Zertifikate.
- Quote paper
- Stefan Rädler (Author), 2004, Der Handel mit Emissionszertifikaten - Erfahrungen und zukünftiger Einsatz in der EU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24994