Kommunikation zwischen Erwachsenen und Heranwachsenden war und ist immer auch mehr oder weniger stark von Unsicherheiten und Missverständnissen geprägt. Gerade bei kleinen Kindern, die gerade erst die sozialen Interaktionsmuster ihrer Mitmenschen begreifen lernen, ist der Erwachsene häufig gezwungen, Äußerungen der Kinder auf ihre lexikalischen wie auch artikulatorischen Merkmale hin zu interpretieren, zu werten und das Gespräch durch Rückmeldungen an das Kind aufrecht zu erhalten. In natürlichen Gesprächen wird er dies in den seltensten Fällen durch direktes Aussprechen seiner Wertung ‚richtig’ oder ‚falsch’ tun. Insbesondere seitdem die Psychologie die Mechanismen der Ausbildung eines positiven oder negativen Selbstkonzeptes und Selbstbewusstseins aufzudecken beginnt, werden Eltern und Erzieher dazu angehalten, nicht durch direkte Korrekturen und Aufforderungen zum Nachsprechen eines Wortes in die Sprachentwicklung ihrer Kinder einzugreifen.
Angeregt durch das Seminar „Prosodie im Gespräch“, in dem die Wichtigkeit prosodischer Merkmale für die reibungslose Kommunikation klar heraus gearbeitet wurde, möchte ich mit dieser Arbeit eine eigene kleine Untersuchung zu diesem Thema vorstellen und die in meinem Material gefundenen Merkmale denen von Claire Tarplee in „Working on young childrens`s utterances: prosodic aspects of repetition during picture labelling“ beschriebenen gegenüber stellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Prosodische Merkmale von Ein-Einheiten-Turnkonstruktionen, konversationellen Fragen und Wiederholungen
2.2. Clare Tarplees Untersuchung
2.3. Transkriptionsinventar: GAT und die phonetische Umschrift
3. Das untersuchte Material
3.1. Bedingungen der Materialgewinnung
3.2. Makroskopische Merkmale
3.3. Detailanalysen
3.3.1. Parallele Tonhöhenverläufe der Turns von Erwachsenem und Kind
3.3.2. Kontrastive Tonhöhenverläufe der Turns von Erwachsenem und Kind
3.3.3. Pausen im Erwachsenen-Turn als Chance zur Selbstkorrektur des Kindes
4. Vergleich mit Tarplees Material und Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung prosodischer Merkmale in natürlichen Gesprächen zwischen Erwachsenen und Kleinkindern im Rahmen einer Bilderbuchbetrachtung. Ziel ist es, zu analysieren, wie Erwachsene durch Tonhöhenverläufe und Pausen die Sprachentwicklung unterstützen und wie diese Muster im Vergleich zu den Forschungsergebnissen von Clare Tarplee zu bewerten sind.
- Analyse prosodischer Interaktionsmuster
- Untersuchung von Tonhöhenverläufen als Feedback-Mechanismus
- Rolle von Wiederholungssequenzen in der Kommunikation
- Bedeutung von Pausen für die kindliche Selbstkorrektur
- Vergleich der beobachteten Daten mit der Theorie nach Tarplee
Auszug aus dem Buch
Parallele Tonhöhenverläufe der Turns von Erwachsenem und Kind
Die mit Abstand am häufigsten auftretende Tonhöhenkontur ist die von mittel nach tief fallende, die sehr oft vom Kind produziert wird, um eine Aussage zu einer Abbildung zu machen und anschließend von der erwachsenen Person imitiert wird:
(016)
001 E: WAS macht der teddybär hier.
002 A: ABwaschen.
003 E: ABwaschen. RICHtig. (.)
Diese imitierende Äußerung der erwachsenen Person kann turnbeendend wirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen in der Kommunikation mit Kleinkindern und den Einfluss prosodischer Merkmale auf die Interaktion, motiviert durch eigene Erfahrungen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erörtert die Konzepte der Ein-Einheiten-Turnkonstruktionen, konversationeller Fragen sowie Wiederholungen und stellt die Untersuchung von Clare Tarplee sowie das GAT-Transkriptionssystem vor.
3. Das untersuchte Material: Hier werden die Rahmenbedingungen der Materialgewinnung, die Auswahl der Kinder und die Vorgehensweise bei der Analyse des Gesprächsmaterials beschrieben.
4. Vergleich mit Tarplees Material und Zusammenfassung der Ergebnisse: Dieses abschließende Kapitel setzt die eigenen Beobachtungen in Bezug zu Tarplees Forschungsergebnissen und diskutiert die Universalität der prosodischen Phänomene.
Schlüsselwörter
Prosodie, Sprachdidaktik, Kleinkindforschung, Interaktionsanalyse, Tonhöhenverlauf, GAT, Gesprächsanalyse, Spracherwerb, Wiederholungssequenzen, Bilderbuchbetrachtung, verbale Kommunikation, Eltern-Kind-Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht prosodische Merkmale, insbesondere Tonhöhenverläufe und Pausen, in natürlichen Dialogen zwischen Erwachsenen und Kleinkindern während der gemeinsamen Betrachtung von Bilderbüchern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Dynamik zwischen kindlichen Äußerungen und der Reaktion der Erwachsenen, wobei die Konzepte von Expansion, Wiederholung und interaktionaler Steuerung im Zentrum stehen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Rolle prosodische Parameter bei der Aufrechterhaltung des Gesprächsflusses spielen und wie sie zur Förderung der kindlichen Sprachentwicklung beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine gesprächsanalytische Untersuchung durchgeführt, die auf dem GAT-System basiert und die Ergebnisse der eigenen Datenerhebung mit der Theorie von Clare Tarplee vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Detailanalysen zu Tonhöhenverläufen (parallel vs. kontrastiv) sowie die Bedeutung von Pausen als Feedback-Instanz für die Selbstkorrektur von Kindern analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Prosodie, Gesprächsanalyse, Spracherwerb und interaktionale Phänomene definieren.
Warum spielt die Rolle der Tagesmutter eine besondere Rolle im Datenmaterial?
Die Tagesmutter agiert im untersuchten Material als zentrale Bezugsperson, die durch gezielte, melodische Tonhöhensteuerung und den Verzicht auf direkte Korrekturen den Sprechanreiz der Kinder fördert.
Wie unterscheidet sich die vorliegende Untersuchung von Clare Tarplees Ansatz?
Während Tarplee in ihrem Material häufiger direkte Aufforderungen zur Korrektur findet, zeigt die vorliegende Analyse, dass im untersuchten Gruppengespräch subtilere Methoden der Bestätigung durch den Erwachsenen dominieren.
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- Manuela Wolf (Author), 2003, Prosodische Merkmale von natürlichen Gesprächen zwischen Erwachsenen und Kleinkindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24830