Betrachtet man die europäische Entwicklungspolitik in der Vergangenheit, so ist auffällig, dass die EG und spätere EU ihr Engagement bei der Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit stark einseitig auf die sogenannten AKP- Staaten konzentriert hat. Gemeint sind damit die ehemaligen afrikanischen-, karibischen- und pazifischen Kolonien der früheren europäischen Kolonialmächte. Diesen Staaten versuchte man nach Gründung der EWG durch finanzielle Hilfe und Handelspräferenzen eine positive Entwicklung zu ermöglichen. Europäische Entwicklungspolitik fand auch für andere Entwicklungsregionen in der Welt statt, so zum Beispiel in Osteuropa, den Mittelmeeranrainerstaaten, sowie in Asien und Lateinamerika. Die Verteilung der finanziellen Mittel für die einzelnen Regionen spiegelt die Interessenlage Europas bezüglich der Entwicklungszusammenarbeit wieder. Wie Tabelle 1) 1 im Anhang zeigt, dominierte die Politik gegenüber den AKP-Staaten zumindest bis Ende der neunziger Jahre die europäische Entwicklungspolitik. Diese Zusammenarbeit, die seit 1975 in den vier Abkommen von Lomé vertraglich geregelt wird und mehrfach angepasst und modifiziert wurde, galt lange Zeit als ein besonders vorbildliches Modell von Nord- Süd-Entwicklungszusammenarbeit. In der vorliegenden Arbeit sollen sowohl die Hintergründe für die Art der europäischen Entwicklungshilfe herausgearbeitet werden, als auch versucht werden die Prioritätensetzung der EG/ EU nachzuvollziehen. Zu diesem Zweck wird in Abschnitt 2 die Vorgeschichte der europäischen Entwicklungspolitik skizziert, um dann im Verlauf sukzessive die Lomé- Abkommen I- IV mit deren konkreten Maßnahmen und Instrumenten vorzustellen und einer Beurteilung zu unterziehen. Im Rahmen des festzustellenden Wandels in der europäischen Entwicklungspolitik wird die aktuelle Lage beschrieben, sowie auch versucht wird Perspektiven der Lomé- Zusammenarbeit und deren bisherige Erfolge aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Vorgeschichte der europäischen Entwicklungspolitik
- Die Lomé- Abkommen I- IV
- Maßnahmen und Instrumente
- Perspektiven der Lomé- Kooperation
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der europäischen Entwicklungspolitik und untersucht insbesondere die Vorgeschichte, Umsetzung und Perspektiven der Lomé-Abkommen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit der EG und späteren EU gegenüber den AKP-Staaten, den ehemaligen afrikanischen, karibischen und pazifischen Kolonien der europäischen Kolonialmächte. Die Arbeit analysiert die Hintergründe für die Art der europäischen Entwicklungshilfe und versucht die Prioritätensetzung der EG/EU nachzuvollziehen.
- Die Entwicklung der europäischen Entwicklungspolitik vor den Lomé-Abkommen
- Die Lomé-Abkommen als Modell der Nord-Süd-Entwicklungszusammenarbeit
- Die Umsetzung der Lomé-Abkommen und deren Instrumente
- Die Herausforderungen und Perspektiven der Lomé-Kooperation
- Die Bedeutung der AKP-Staaten für die europäische Entwicklungspolitik
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die europäische Entwicklungspolitik im Kontext der Beziehung zu den AKP-Staaten vor und erläutert die Bedeutung der Lomé-Abkommen. Im zweiten Kapitel wird die Vorgeschichte der europäischen Entwicklungspolitik skizziert, wobei die Entwicklung von den einzelnen Länderpolitiken hin zur gemeinsamen Politik der EWG und der Einfluss der ehemaligen Kolonien auf die Zusammenarbeit im Vordergrund stehen.
Kapitel 3 beleuchtet die Lomé-Abkommen I-IV und analysiert deren konkrete Maßnahmen und Instrumente. Hierbei werden die Ziele, die Umsetzung und die Ergebnisse der Abkommen im Detail untersucht.
Im vierten Kapitel werden die Perspektiven der Lomé-Kooperation und deren bisherige Erfolge dargestellt.
Schlüsselwörter
Europäische Entwicklungspolitik, Lomé-Abkommen, AKP-Staaten, Entwicklungshilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Nord-Süd-Kooperation, Handelspräferenzen, finanzielle Hilfe, technische Hilfe, politische Integration.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die AKP-Staaten in der EU-Entwicklungspolitik?
AKP steht für Afrika, Karibik und Pazifik. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Staaten, die größtenteils ehemalige Kolonien europäischer Mächte sind und mit denen die EU besondere Abkommen pflegt.
Was regelten die Lomé-Abkommen?
Die Lomé-Abkommen (I bis IV) waren Verträge zwischen der EG/EU und den AKP-Staaten über finanzielle Zusammenarbeit, technische Hilfe und Handelspräferenzen, um die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder zu fördern.
Warum konzentrierte sich die EU so stark auf die AKP-Regionen?
Dies lag vor allem an den historischen Bindungen durch die Kolonialzeit und dem Interesse der europäischen Staaten, stabilen Handel und politischen Einfluss in diesen Regionen zu sichern.
Was sind Handelspräferenzen im Kontext der Entwicklungshilfe?
Handelspräferenzen ermöglichen Entwicklungsländern den Export ihrer Waren in die EU zu niedrigeren Zöllen oder ganz zollfrei, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Gilt das Lomé-Modell heute noch als vorbildlich?
Lange Zeit galt es als Musterbeispiel der Nord-Süd-Zusammenarbeit, wurde jedoch später aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Erfolge und der Umstellung auf die Cotonou-Abkommen kritisch hinterfragt.
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- Benjamin Siegert (Author), 2003, Die europäische Entwicklungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24193