„Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch
und allein. Ich stamme aus einer der allerbesten Familien des
rechten Zürichseeufers. Ich bin bürgerlich erzogen worden und mein
ganzes Leben lang brav gewesen. Meine Familie ist ziemlich degeneriert,
und ich bin vermutlich auch ziemlich erblich belastet und milieugeschädigt.
Natürlich habe ich auch Krebs, wie es aus dem vorher
Gesagten eigentlich selbstverständlich hervorgeht.“1
So beginnt die Autobiographie eines Krebskranken. Sicherlich muß
bei dieser „Laientheorie“ berücksichtigt werden, daß Kranke häufig
nach dem „Sinn“ der Krankheit suchen und auch Umbewertungen
von Gedächtnisinhalten vornehmen.2 Und sicherlich wird heute auch
kein Wissenschaftler behaupten, daß ein bestimmter seelischer Faktor
Krebs direkt verursacht. Daß jedoch psychologische Aspekte
beim Prozeß der Krebsentstehung eine wichtige Rolle spielen können,
ist heute unter den meisten Krebsforschern unbestritten, zumal
die Medizin nach wie vor weit davon entfernt ist, Krebs vollständig
zu „verstehen“.
1 Zorn, 25.
2 Vgl. Geyer, 24.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Sozialmedizinische Grundlagen
- Sozioökonomische Betrachtung
- Krebs als verhaltensbedingte Krankheit
- Psychosomatische Betrachtung
- Zum Stand der Forschung
- Die Verlust - Depressions - Hypothese von Le Shan
- Das Modell von Bahnson
- Das metatheoretische Modell zur Entstehung von Depressionen von Cobb
- Das soziologische Erklärungsmodell der Depression nach Brown und Harris
- Die Modifikation des Modells von Brown und Harris durch Geyer
- Die Ergebnisse der Geyer - Studie
- Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen belastenden Lebensereignissen, depressiven Reaktionen und der Entstehung von Krebs. Sie analysiert die soziologischen und psychosozialen Faktoren, die eine Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen können. Der Fokus liegt auf dem Verständnis von Krebs als einer komplexen Erkrankung, die nicht nur durch biologische Faktoren, sondern auch durch psychologische, soziale und verhaltensbedingte Aspekte beeinflusst wird.
- Soziomedizinische Grundlagen von Krebserkrankungen
- Sozioökonomische Faktoren und ihre Rolle in der Krebsentstehung
- Krebs als verhaltensbedingte Krankheit: Auswirkungen von Lebensführung und Umweltfaktoren
- Psychosoziale Aspekte der Krebsentstehung: Die Rolle von Stress, Verlust und Depression
- Die Entwicklung und Bedeutung psychosomatischer Modelle zur Erklärung der Krebsentstehung
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel bietet eine Einleitung in die Thematik und skizziert die Bedeutung von psychologischen Aspekten im Zusammenhang mit Krebs. Das zweite Kapitel beleuchtet die soziomedizinischen Grundlagen von Krebserkrankungen und beleuchtet den Zusammenhang zwischen sozialen und medizinischen Faktoren. Das dritte Kapitel befasst sich mit sozioökonomischen Einflussfaktoren und zeigt, wie soziale Ungleichheit die Krebssterblichkeit beeinflusst. Das vierte Kapitel analysiert Krebs als verhaltensbedingte Krankheit und beleuchtet die Rolle von Lebensführung und Umweltfaktoren. Das fünfte Kapitel widmet sich der psychosomatischen Betrachtung von Krebs und behandelt verschiedene Modelle, die den Zusammenhang zwischen psychosozialen Faktoren und der Entstehung von Krebs beleuchten.
Schlüsselwörter
Krebserkrankungen, Belastende Lebensereignisse, Depression, Psychosomatik, Soziomedizin, Sozioökonomie, Verhaltensbedingte Krankheit, Verlust-Depressions-Hypothese, Lebensführung, Umweltfaktoren, Modellbildung.
Häufig gestellte Fragen
Können psychische Faktoren Krebs verursachen?
Wissenschaftler gehen nicht davon aus, dass Psyche Krebs direkt verursacht, aber psychologische Aspekte wie Stress und Depression können den Prozess der Entstehung beeinflussen.
Was ist die "Verlust-Depressions-Hypothese"?
Diese Hypothese von Le Shan besagt, dass schwere Verlusterlebnisse und daraus resultierende Depressionen das Immunsystem schwächen und so die Krebsentstehung begünstigen könnten.
Welchen Einfluss hat soziale Ungleichheit auf Krebs?
Sozioökonomische Faktoren beeinflussen die Krebssterblichkeit durch unterschiedliche Lebensführungen, Umweltbelastungen und den Zugang zu medizinischer Versorgung.
Gilt Krebs als verhaltensbedingte Krankheit?
Teilweise ja, da Faktoren wie Ernährung, Rauchen und Umweltbelastungen, die mit der Lebensführung verknüpft sind, das Risiko signifikant erhöhen können.
Was besagt das Erklärungsmodell von Brown und Harris?
Es ist ein soziologisches Modell, das den Zusammenhang zwischen belastenden Lebensereignissen, sozialen Schutzfaktoren und der Entstehung von Depressionen (und indirekt Krankheiten) erklärt.
- Quote paper
- Markus Laag (Author), 1998, Belastende Lebensereignisse, depressive Reaktionen und die Entstehung von Krebs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24182