Wenn man Dimensionen geschlechtsspezifischer Leseförderung eruieren will, so ist
meines Erachtens in zwei Richtungen zu fragen. Einerseits ist eine genaue Kenntnis der
Genese von Leseverhalten bei Mädchen und Jungen nötig. Die Entwicklung von
Leseverhaltensmustern zu beleuchten ist Sache der Lesesozialisations- und
Lektürebiografieforschung. Darüber hinaus muss jede Konzeption von Leseförderung
notwendig einen bestimmten Begriff von Lesekompetenz zu Grunde legen, weil die
Lesekompetenz den Zielhorizont von Leseförderung markiert. In der vorliegenden
Seminararbeit möchte ich deshalb nach der Darstellung empirischer Ergebnisse zu
Unterschieden im Leseverhalten der Geschlechter (Kapitel 2) zunächst mit der
Darstellung geschlechtsspezifischer Lesesozialisationsverläufe (Kapitel 3) Bedingungen
und mit der Diskussion des Lesekompetenzbegriffs (Kapitel 4) Voraussetzungen
geschlechtsdifferenzierender Leseförderung deutlich machen. Aus dem Spannungsfeld
von Lesesozialisationsstruktur und Lesekompetenzkonstrukt lassen sich dann
Dimensionen geschlechtsdifferenzierender Leseförderung ableiten, die in Kapitel 5
angesprochen werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung: Problemaufriss
- 2 Unterschiede im Leseverhalten der Geschlechter
- 2.1 Die Studien der Bertelsmann Stiftung
- 2.2 Geschlechtsspezifische Leseunterschiede in der PISA-Studie
- 2.3 Zusammenfassung der Unterschiede
- 3 Lesesozialisation
- 3.1 Der Begriff der Lesesozialisation und der literarischen Sozialisation
- 3.2 Lektürebiografien
- 3.3 Die psychoanalytische Perspektive: Lesen als Austragungsort der Pubertät
- 3.4 Die Rolle der Familie als Instanz der Lesesozialisation
- 4 Lesekompetenz
- 5 Dimensionen geschlechtsdifferenzierender Leseförderung
- 6 Schlussbemerkung: Offene Fragen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit den Bedingungen und Voraussetzungen für geschlechtsspezifische Leseförderung. Ziel ist es, empirische Ergebnisse zu Unterschieden im Leseverhalten von Mädchen und Jungen darzustellen und die Bedeutung von Lesesozialisation und Lesekompetenz für die Gestaltung der Leseförderung zu beleuchten.
- Empirische Ergebnisse zu geschlechtsspezifischen Leseverhaltensunterschieden
- Der Einfluss von Lesesozialisation auf das Leseverhalten
- Der Begriff von Lesekompetenz als Zielhorizont von Leseförderung
- Dimensionen geschlechtsspezifischer Leseförderung
- Offene Fragen und Herausforderungen in der Leseförderung
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 analysiert empirische Studien zu Unterschieden im Leseverhalten von Mädchen und Jungen. Die Studien der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass Mädchen häufiger und länger lesen als Jungen und auch emotional stärker an der Lektüre beteiligt sind. Die PISA-Studie bestätigt den Geschlechterunterschied im Bereich Lesen und weist auf Unterschiede in den Teilbereichen "Reflektieren und Bewerten", "Informationen ermitteln" und "Textbezogenes Interpretieren" hin.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Lesesozialisation, dem Prozess der Entwicklung von Leseverhalten. Es werden verschiedene Perspektiven auf die Lesesozialisation beleuchtet, darunter die Rolle der Familie, die Bedeutung von Lektürebiografien und die psychoanalytische Perspektive, die das Lesen als Austragungsort der Pubertät betrachtet.
Kapitel 4 diskutiert den Begriff der Lesekompetenz und seine Bedeutung für die Gestaltung von Leseförderung. Es werden die verschiedenen Facetten der Lesekompetenz und ihre Relevanz für das Verständnis von Leseverhalten und Leseförderung beleuchtet.
Kapitel 5 leitet aus dem Spannungsfeld von Lesesozialisationsstruktur und Lesekompetenzkonstrukt Dimensionen geschlechtsspezifischer Leseförderung ab. Es werden verschiedene Ansätze und Möglichkeiten für die Förderung des Lesens bei Mädchen und Jungen vorgestellt, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Interessen der Geschlechter eingehen.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter der Arbeit sind: Lesesozialisation, Leseverhalten, Geschlecht, Lesekompetenz, Leseförderung, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Empirische Forschung, PISA-Studie, Bertelsmann Stiftung.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es Unterschiede im Leseverhalten von Jungen und Mädchen?
Ja, empirische Studien zeigen, dass Mädchen häufiger, länger und emotional intensiver lesen als Jungen, was sich auch in der PISA-Studie widerspiegelt.
Was versteht man unter Lesesozialisation?
Lesesozialisation ist der Prozess, in dem Kinder durch Familie, Schule und Medien den Umgang mit Texten erlernen und ihre Lesegewohnheiten entwickeln.
Welche Rolle spielt die Familie beim Lesen?
Die Familie ist die primäre Instanz; Vorlesen und der Zugang zu Büchern im Elternhaus prägen die spätere Lesekompetenz maßgeblich.
Was ist das Ziel geschlechtsdifferenzierender Leseförderung?
Ziel ist es, Fördermaßnahmen so zu gestalten, dass sie die spezifischen Interessen und Bedürfnisse (z.B. von Jungen) ansprechen, um deren Lesemotivation zu steigern.
Wie beeinflusst die Pubertät das Leseverhalten?
Aus psychoanalytischer Sicht kann Lesen in der Pubertät als Rückzugsort oder als Raum zur Identitätsfindung dienen, wobei sich die Vorlieben der Geschlechter oft trennen.
- Quote paper
- Christian Apfelbacher (Author), 2003, Geschlechtsdifferenzierende Leseförderung. Bedingungen - Voraussetzungen - Dimensionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23787