Der Holzschnitt, vor allem der Flächenholzschnitt in Langholz, wird als die herausragende Leistung der Kunst des deutschen Expressionismus gesehen. So bezeichnete Paul Westheim bereits 1921 den Holzschnitt als „die Leidenschaft der jungen Künstlergeneration“, für Wolf-Dieter Dube ist er „die Essenz dessen, was man unter ‚Expressionismus‘ zu verstehen hat.“ Durch die Vereinfachung und Reduzierung auf elementare Formen sowie eine flächige Farbgebung weist der Holzschnitt der „Brücke“-Künstlergemeinschaft die Hauptmerkmale des Expressionismus auf. Die Expressionisten wehrten sich gegen die klassische Formensprache der Akademiekunst, weil sie ihnen nicht natürlich und zu realitätsfern erschien. Sie wollten „den harten Tatsachen unserer Existenz ins Auge schauen“ und klarstellen, dass es „unaufrichtig und verlogen wäre, immer nur die erfreulichen Seiten des Lebens darzustellen.“
Der Holzschnitt hatte im 19. Jahrhundert an Bedeutung verloren, weil sich vielseitigere und effektivere Druckverfahren entwickelt hatten. Er wurde zu jener Zeit beinahe ausschließlich für Reproduktions- und Illustrationszwecke verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr er jedoch mit dem Hauptvertreter Albrecht Dürer eine neue Blütezeit, die durch die Künstler der „Brücke“- Gemeinschaft fortgeführt wurde. Dube bezeichnet sie aus diesem Grund als die „Begründer des neuen Holzschnitts“, Eberhard Roters nennt sie die „Erneuerer des deutschen Holzschnitts“
Im Folgenden soll zunächst das druckgraphische Oeuvre der „Brücke“-Künstler vor dem sozialgeschichtlichen Hintergrund beleuchtet werden, um auf ihre Motivwahl und die Art ihres Schaffens Rückschlüsse zu ziehen. Anschließend werden die Holzschnitte der Künstlergruppe in Bezug zu anderen, teilweise als Vorbild dienenden Werken gesetzt sowie analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Anfänge der „Brücke“ – Dresden
2.1 Die Gründung der „Brücke“-Künstlergemeinschaft
3 Das Programm
4 Vorbilder und Anregungen
5 Die Entwicklung der „Brücke“ in den Jahren bis zur Auflösung 1913
5.1 Weiterwirken nach dem Krieg
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
8 Anlagen
8.1 Abbildungsverzeichnis
8.2 Abbildungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das druckgraphische Gesamtwerk der Künstlergemeinschaft „Brücke“ vor dem Hintergrund sozialgeschichtlicher Einflüsse, um deren spezifische Motivwahl und künstlerische Arbeitsweise zu analysieren und in einen kunsthistorischen Kontext zu setzen.
- Analyse des Holzschnitts als zentrales Medium des deutschen Expressionismus.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte und des künstlerischen Programms der „Brücke“.
- Einordnung der stilistischen Vorbilder (z.B. Jugendstil, Symbolismus, Edvard Munch).
- Darstellung der Entwicklung der Gruppe bis zur Auflösung 1913 und ihres weiteren Wirkens.
- Erforschung der Bedeutung von Natur, Großstadtleben und Literatur für das Schaffen.
Auszug aus dem Buch
Die Anfänge der „Brücke“ – Dresden
Dresden, die Gründungsstadt der Künstlergemeinschaft „Brücke“, war um die Jahrhundertwende eine königliche Residenzstadt. Die Bildenden Künste waren durch die offizielle Kulturpolitik stark reglementiert: Es herrschte die sogenannte akademische Dogmatik der „Ewig-Nazarener“, die vornehmlich religiöse und geschichtliche Kunst schätzten und jegliche Auseinandersetzung mit aktuellen oder sozialkritischen Themen vermieden. Infolgedessen fand sich die Künstlerjugend zu Oppositionen zusammen, die sich gegen die orthodoxen Kunstauffassungen wehrten und eine klare Distanzierung zu der konventionellen Kunst der Zeit suchten. Nennenswerte Künstlervereinigungen waren vor allem die Sezessionen in München (1892 gegründet), Dresden und Berlin (jeweils 1893 gegründet), die neue Sammelstätten gegen die sozio-kulturelle Situation bildeten.
Vor diesem Hintergrund schlossen sich vier Architekturstudenten zu einer Künstlergruppe zusammen, die unter dem Namen der „Brücke“ den deutschen Expressionismus entscheidend prägen sollte. Es vereinte sie der Grundgedanke, sich gegen das stagnierende Kunstschaffen in Dresden aufzulehnen und neue Wege der Kunst aufzuzeigen. Gegründet wurde die Künstlergemeinschaft am 07. Juni 1905, ihre Anfänge nahm sie jedoch schon einige Jahre vorher. Die Freundespaare Erich Heckel/Karl Schmidt und Fritz Bleyl/Ernst Ludwig Kirchner lernten sich an der Technischen Universität Dresden kennen, wo sie ein Architekturstudium aufnahmen. Jene vier Studenten werden als Gründungsmitglieder der „Brücke“-Künstlergemeinschaft bezeichnet. Abgesehen von den von Kirchner besuchten Kursen über den künstlerischen Holzschnitt im Wintersemester 1903/04 an der Technischen Hochschule München und einer nur wenige Monate andauernden Schulung im Landschafts- und Aktzeichnen hatten die jungen Studenten keine Vorkenntnisse in der bildenden Kunst, sie sind also als Autodidakten zu bezeichnen. Wie Kirchner erklärte, sei „in den Schulen [...] nur wenig Anregendes zu finden“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Holzschnitts für den deutschen Expressionismus und skizziert die methodische Vorgehensweise zur Analyse des Oeuvres der „Brücke“.
2 Die Anfänge der „Brücke“ – Dresden: Dieses Kapitel thematisiert die Gründung der Künstlergruppe im Jahr 1905 vor dem Hintergrund der ablehnenden Haltung gegenüber der akademischen Kunst in Dresden.
2.1 Die Gründung der „Brücke“-Künstlergemeinschaft: Hier wird der studentische Ursprung der vier Gründungsmitglieder und deren autodidaktischer Ansatz zur künstlerischen Erneuerung detailliert beschrieben.
3 Das Programm: Das Kapitel erläutert die programmatische Ausrichtung der Gruppe, die durch den Wunsch nach Neuanfang und künstlerischer Freiheit geprägt war.
4 Vorbilder und Anregungen: Hier werden die künstlerischen Einflüsse von Renaissance, Barock, Jugendstil, Symbolismus sowie die Bedeutung von Edvard Munch und japanischen Holzschnitten analysiert.
5 Die Entwicklung der „Brücke“ in den Jahren bis zur Auflösung 1913: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel der Mitgliederstruktur, die Bedeutung von Naturaufenthalten und den Übergang zu großstädtischen Motiven bis zur offiziellen Auflösung der Gemeinschaft.
5.1 Weiterwirken nach dem Krieg: Der Abschnitt betrachtet die stilistische Entwicklung der ehemaligen Gruppenmitglieder in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.
6 Fazit: Das Fazit fasst den entscheidenden Einfluss der „Brücke“ auf die Moderne und die Bedeutung des Holzschnitts als ausdrucksstarkes Medium zusammen.
7 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.
8 Anlagen: Dieses Kapitel enthält das Verzeichnis der verwendeten Abbildungen sowie die dazugehörige visuelle Dokumentation.
8.1 Abbildungsverzeichnis: Detaillierte Liste der behandelten Kunstwerke.
8.2 Abbildungen: Anschauliche Präsentation der analysierten Holzschnitte.
Schlüsselwörter
Brücke, Künstlergemeinschaft, Expressionismus, Holzschnitt, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Jugendstil, Symbolismus, Edvard Munch, Moderne, Druckgraphik, Aktzeichnung, Dresdner Kunst, Avantgarde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das druckgraphische Schaffen der Künstlergruppe „Brücke“ und deren stilistische Entwicklung von der Gründung bis zur Auflösung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abkehr vom akademischen Kunstbetrieb, der Einfluss des Jugendstils und Symbolismus sowie die Darstellung von Akt und Natur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Untersuchung des druckgraphischen Werks Rückschlüsse auf die Motivwahl und die künstlerische Intention der Gruppe zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunsthistorische Analyse der Werke vor ihrem sozialgeschichtlichen Hintergrund angewendet, ergänzt durch vergleichende Bildbetrachtungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung der Gruppe, ihrem Programm, den stilistischen Vorbildern und der Entwicklung bis zur Auflösung 1913.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Brücke, Expressionismus, Holzschnitt, Moderne und die Namen der zentralen Künstler wie Kirchner und Heckel.
Welche Bedeutung hatte der Holzschnitt für die „Brücke“?
Der Holzschnitt wurde zum zentralen Medium, da er durch seine harten Kontraste und die Einbeziehung der Holzmaserung die geforderte Unmittelbarkeit und Ursprünglichkeit ideal verkörperte.
Warum kam es 1913 zur Auflösung der Künstlergemeinschaft?
Die Auflösung war das Ergebnis wachsender persönlicher Spannungen, insbesondere durch den Ausschluss Pechsteins und interne Meinungsverschiedenheiten über eine gemeinsame Chronik.
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- Hannah Gerten (Author), 2013, Der Holzschnitt der Künstlergemeinschaft "Brücke", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232083