"Punk's not dead!" In den 70er Jahren stand die Punkbewegung in voller Blüte, heute hat sich der Punk im Spektrum der Subkulturen fest etabliert. Denn Punk bedeutet nicht nur Musik, er ist auch Ausdruck einer Haltung und Protestschrei, kann Ideologie und Philosophie zugleich sein.
Dieses Buch untersucht die Entstehungsgeschichte von Punk als Subkultur, als Musik- und Lebensstil sowie als Weltanschauung. Es zeichnet seine Entwicklungslinien nach - von den Ursprüngen in England über Westdeutschland und der Punkbewegung in der ehemaligen DDR.
Aus dem Inhalt:
Entstehung einer Subkultur; Punk und Hardcore; Punkrevolution in England; Philosophie und politische Motivation des Punk; Anarchiebewegung; Tierrechtsbewegung; Frauenbild im Punk; Punk im Lichte der Foucaultschen Macht- und Diskurstheorie
Inhaltsverzeichnis
Katharina Bergmaier (2006): Analyse von Aspekten der Subkultur Punk vor dem Hintergrund der Lebensstilforschung
Einleitung
Zu den Begriffen „Lebensstil“ und „Subkultur“
Was ist Punk?
Wann und warum ist „Punk“ entstanden?
Kurze Geschichte der beiden Musikstile Punk und Hardcore
Zu den Themen Sexismus, Feminismus, Anarchie und Tierrechtsbewegung
Schlusswort
Anne Nennstiel (2003): Punk als Weltanschauung. Wurzeln, Aspekte und Transformation: Die frühen Entwicklungen in England und Westdeutschland
Einleitung
Begriffsbestimmung
Von England nach Deutschland? Eine Skizze zweier Punkszenen
Die sozialen und weltanschaulichen Wurzeln und Aspekte des Punk in England und der BRD: Punk-Populismus vs. Avantgarde-Punk
Schlussbemerkungen
Katrin Wissentz (2006): Unabhängige Kulturszene ab Ende der 1970er Jahre. Die Punkbewegung in der DDR
Einleitung
Entstehungsgeschichte
Erste Phase (1977-1980)
Zweite Phase (1981-83)
Dritte Phase
Schlussbetrachtung
Ingo Teichert (2001): Punk im Lichte der Foucaultschen Macht- und Diskurstheorie
Einleitung
Zentrale macht- und diskursanalytische Thesen und Begriffe
Was ist Punk?
Punk in der Bundesrepublik Deutschland - Von Hansaplast zu den Chaos-Tagen in Hannover
Punk in der DDR - ein Sonderfall?
Machtstrategien und -praktiken im Umgang mit Punk
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegenden Arbeiten untersuchen das Phänomen Punk unter verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven, wobei der Fokus auf seiner Rolle als Subkultur, Weltanschauung, musikalischer Ausdrucksform und seinem Verhältnis zu Machtstrukturen liegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den sozialen Wurzeln, der Transformation des Punk von England nach Deutschland (BRD und DDR) sowie den Mechanismen der gesellschaftlichen und staatlichen Reaktion auf diese Bewegung.
- Lebensstilforschung und soziologische Einordnung der Subkultur Punk
- Vergleich der Punkszenen in England und Deutschland
- Die Entwicklung der DDR-Punkszene im Kontext staatlicher Repression
- Analyse von Machtstrategien und Diskurskontrolle nach Foucault am Beispiel des Punk
- Die kommerzielle und politische Transformation von Punk und New Wave
Auszug aus dem Buch
Die soziale und weltanschauliche Verortung des Punk
Wenn man nach Erklärungen und Theorien bezüglich der Entstehungsvoraussetzungen von Punk in England sucht, trifft man auf zwei Hauptkonzepte, welche die Autoren vertreten: Eine weitverbreitetes Konzept der Theoretiker kann mit „Punk-Populismus“ oder ‚Arbeitslosenrock’ überschrieben werden. Hier geht man davon aus, dass in erster Linie die soziale Situation Englands Ende der Siebziger Jahre für die Entstehung der Punkszene ausschlaggebend gewesen sei, die sich vor allem im Milieu der Arbeiterklasse entwickelt hätte. Untersucht man die Texte der ‚Sex Pistols’ oder der ‚Clash’, so wie es Peter Marsh getan hat, der dieses Konzept vertritt, ist festzustellen, das diese tatsächlich eine Identifikationsfläche für jugendliche Arbeitslose boten, deren trostloser Alltag dort beschrieben sein könnte:
Now I’m in the subway/ Looking for the flat./ This one leads to the block/ And this one leads to that./ The wind howls though the empty blocks/ Looking for a home./ But I run through the empty stone/ Because I’m alone.
Marsh schlussfolgert aus diesen Interpretationen, dass es den englischen Punk nur innerhalb des Milieus der ‚Working-Class’ gab. Wobei der Erfolg eine Punkband zerstört habe, da sie dann aus ihrem Milieu gerückt und dadurch unglaubwürdig geworden sei. Betrachtet man die soziale und wirtschaftliche Situation Englands um 1975, so kann man nach Tricia Henry folgendes feststellen:
Great Britain in 1975 had one of its highest unemployment rates since World War II. The steadily rising cost of living made economic progress difficult even for those who did have jobs. Working-class white youth were hit partculary hard by the bleak economic situation.
Zusammenfassung der Kapitel
Analyse von Aspekten der Subkultur Punk vor dem Hintergrund der Lebensstilforschung: Die Arbeit setzt Punk in Bezug zu soziologischen Theorien über Lebensstile und untersucht die Ursprünge sowie Themen wie Anarchie und Feminismus innerhalb der Szene.
Punk als Weltanschauung. Wurzeln, Aspekte und Transformation: Die frühen Entwicklungen in England und Westdeutschland: Diese Untersuchung vergleicht die britische Punkszene mit der Entwicklung in der BRD und analysiert die Polarität zwischen „Punk-Populismus“ und „Punk-Avantgarde“.
Unabhängige Kulturszene ab Ende der 1970er Jahre. Die Punkbewegung in der DDR: Das Kapitel dokumentiert die Entwicklung der Punkszene in der DDR unter staatlichem Druck, von der Randgruppenerscheinung bis hin zum Versuch der Politisierung und Integration.
Punk im Lichte der Foucaultschen Macht- und Diskurstheorie: Hier wird der Umgang mit Punk als Macht- und Diskursstrategie analysiert, wobei besonders die Mechanismen von Eingrenzung und Disziplinierung sowohl in der BRD als auch in der DDR beleuchtet werden.
Schlüsselwörter
Punk, Subkultur, Lebensstil, DDR, BRD, Machttheorie, Michel Foucault, Anarchie, Jugendkultur, Musikindustrie, Avantgarde, Arbeiterklasse, Diskursanalyse, Rebellion, Punk-Populismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesen Arbeiten?
Die Arbeiten analysieren das kulturelle und soziale Phänomen Punk als Ausdruck einer subkulturellen Weltanschauung, die sich in den 1970er Jahren von England aus international verbreitete und dabei in der BRD sowie der DDR auf jeweils spezifische gesellschaftliche Bedingungen traf.
Welche Themenfelder sind zentral?
Im Mittelpunkt stehen die sozialen Ursprünge des Punk, seine Funktion als Protestkultur gegen bürgerliche Normen, die Interaktion mit staatlichen Kontrollmechanismen sowie die künstlerische Transformation der Bewegung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, die Entwicklung der Punkszene historisch und soziologisch zu verstehen – insbesondere, warum Punk in verschiedenen politischen Systemen unterschiedlich rezipiert wurde und wie Machtstrukturen auf diese "Gegenkultur" reagierten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen vorwiegend soziologische Ansätze der Lebensstilforschung, historische Analysen sowie diskursanalytische Methoden (nach Michel Foucault) zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Die Hauptteile differenzieren zwischen den Einflüssen der Musikszene, der künstlerischen Avantgarde und der politischen Instrumentalisierung des Punk durch den Staat sowie der Reaktion der Punks auf diese Prozesse.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Punk-Populismus, Avantgarde, Subkultur, Machtpraktiken, Disziplinierung, DDR-Kulturpolitik und Diskurskontrolle.
Wie unterscheidet sich der Punk in der DDR von dem der BRD?
In der DDR stand Punk unter massivem staatlichem Verfolgungsdruck und wurde zur "politischen" Opposition stilisiert, während er in der BRD stärker als kommerzialisierbare Jugend-Mode und kulturelle Bewegung wahrgenommen wurde, die sich jedoch auch durch politisierte Gruppen (Chaos-Tage) auszeichnete.
Welche Rolle spielte der Situationismus für den Punk?
Der Situationismus, insbesondere durch Manager wie Malcolm McLaren vermittelt, beeinflusste die ästhetische und subversive Taktik des Punks, um gegen die Langeweile und Konventionen der Konsumgesellschaft zu kämpfen.
Warum wird Punk als Foucaultsches Machtphänomen gedeutet?
Weil Punk nicht bloß "gegen" die Macht stand, sondern in ihrem "Spiel" integriert war; die Kategorisierung als "Punk" durch Medien und Staat ermöglichte erst die Kontrolle und Zensur, während die Punks selbst durch ihre "normabweichende" Kleidung und das Verhalten neue Disziplinierungsmaßnahmen provozierten.
- Quote paper
- Katharina Bergmaier (Author), Anne Nennstiel (Author), Katrin Wissentz (Author), Ingo Teichert (Author), 2013, Forever Punk! Punk als Musikstil, Protestkultur und Weltanschauung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231627