Julian gehört ohne Zweifel zu den „griechischsten“ Kaisern, die das Römische Imperium je regiert haben. Ein stolzes Philhellenentum durchzieht all seine Schriften und viele seiner politischen Handlungen. Schon in seiner Jugend war er ein begeisterter Homer-Leser und ein glühender Verehrer Platons gewesen. So berichtet Libanios, wie der junge Julian – des Hochverrats gegen Konstantios angeklagt und in Gefangenschaft gehalten – nur einen sehnlichen Wunsch hegte: Studieren in Athen. [...]
Libanios stellt Julian als Philhellenen par excellence dar: Nicht nur liebt er Griechenland an und für sich (ἐρῶν τῆς Ἑλλάδος καὶ μάλιστα δὴ [...] τῶν Ἀθηνῶν), sondern er liebt den gesamten geistig-griechischen Lebensstil, die Philosophie und das Streben nach Wissen. In Athen und an seinen anderen Studienorten erwarb sich Julian somit nicht nur Wissen, sondern auch ein ziemlich exaktes Bild davon, wie ein Grieche zu leben und zu denken habe: Als der junge Mann schließlich Kaiser des Römischen Imperiums wurde, versuchte er umfassend, diese griechischen Idealvorstellungen auch politisch umzusetzen. Gerade hierin liegt meines Erachtens auch der Reiz, sich mit Julians Hellenismus zu beschäftigen: Wenn der Privatmann Julian über „den wahren Hellenen“ sinniert, so ist das ideengeschichtlich bereits interessant, doch noch spannender ist es zu beobachten, wie der Kaiser Julian das Hellenentum auf die politische Tagesordnung setzt, wie er versucht, es gegen das Christentum zu instrumentalisieren, wie er versucht, sein konservatives Griechentum gegen den Trend der Zeit durchzusetzen – und wie er mit alldem letzten Endes kläglich scheitert.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- yέvos? - Griechentum außerhalb Griechenlands
- παιdɛíα kaì ápετη - Das Griechentum des Caesars
- Das Griechentum des Augustus
- De professoribus, contra Galilaeos - Das Rhetorenedikt
- θεῶν ἱερὰ
- AVTIÓXIKOS - Julians Hellenismus vs. Realität
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Griechentum im Denken und Wirken Kaiser Julians. Sie untersucht, wie Julian sein Philhellenentum in seinen Schriften und politischen Handlungen zum Ausdruck brachte und welche Rolle die griechischen Ideale in seiner Regierungszeit spielten. Die Arbeit analysiert Julians Verhältnis zum Heidentum und zum Christentum sowie seine Bemühungen, das Hellenentum gegen den Trend der Zeit zu verteidigen.
- Julians Philhellenentum und dessen Ausprägung in seinen Schriften und Handlungen
- Das Verhältnis zwischen Griechentum und Heidentum in Julians Denken
- Julians politische Strategien zur Förderung des Hellenismus im Römischen Reich
- Der Konflikt zwischen Julians Hellenismus und der christlichen Weltanschauung
- Die Rolle der Bildung (παιdɛíα) in Julians Konzeption des Griechentums
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Der Autor stellt Julian als einen der „griechischsten“ Kaiser des römischen Reiches vor und beschreibt dessen frühe Faszination für die griechische Kultur. Julian strebte nach Wissen und Bildung in Athen und sah darin den Schlüssel zum Glück.
- yέvos? - Griechentum außerhalb Griechenlands: Julian definiert das Griechentum nicht nur über ethnische Herkunft, sondern auch über geistige und kulturelle Identifikation. Er sieht sich selbst als Griechen, obwohl er aus thrakischer Abstammung ist, da er sich dem griechischen Lebensstil und den griechischen Idealen verpflichtet fühlt.
- παιδεία καὶ ἀρετή - Das Griechentum des Caesars: In diesem Kapitel wird Julians Auffassung vom Griechentum anhand seiner Trostschrift über den Weggang des Salustios erläutert. Julian betrachtet die „wahren Griechen“ als Menschen, die sich durch Tugenden wie Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit und Bildung auszeichnen. Er betont die Rolle der griechischen Rhetorik und Philosophie als zentrale Elemente der griechischen Kultur.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert sich auf die folgenden zentralen Themen und Begriffe: Griechentum, Hellenismus, Julian, Heidentum, Christentum, Bildung (παιdɛíα), Rhetorik, Philosophie, Politische Strategien, Ideengeschichte, Antike.
Häufig gestellte Fragen
Warum wird Kaiser Julian als „Philhellene“ bezeichnet?
Julian war ein glühender Verehrer der griechischen Kultur, Philosophie (insb. Platon) und Literatur (Homer) und versuchte, diesen Lebensstil politisch im Römischen Reich zu verankern.
Wie definierte Julian das „Griechentum“?
Für Julian war Griechentum keine Frage der ethnischen Herkunft, sondern eine der geistigen Bildung (Paideia), der Tugend und der kulturellen Identifikation.
Was war das Ziel von Julians Rhetorenedikt?
Mit dem Edikt wollte er christlichen Lehrern untersagen, griechische Klassiker zu unterrichten, da er eine Unvereinbarkeit zwischen christlichem Glauben und griechischer Bildung sah.
In welchem Konflikt stand Julian mit dem Christentum?
Julian versuchte, das traditionelle Heidentum zu stärken und den Hellenismus als ideologische Gegenbewegung zum aufstrebenden Christentum zu instrumentalisieren.
Warum scheiterte Julian mit seinen Reformen?
Sein konservatives Griechentum stieß auf die Realität einer bereits stark christlich geprägten Welt, und sein früher Tod beendete die Versuche einer heidnischen Renaissance.
- Quote paper
- Linda Kahn (Author), 2013, Das Griechentum im Denken und Wirken Kaiser Julians, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231489