„Was ist Wahrheit?“, fragte Pilatus den Jesus, nachdem dieser recht großspurig behauptet hatte: „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.“ In diesem kleinen Dialog zwischen Pilatus, dem Heiden, und Jesus, dem Christen, ist bereits der große Konflikt angedeutet, der in der Spätantike zwischen Heiden und Christen entbrennen sollte. Denn von Anfang an trat das Christentum mit einem Anspruch auf Wahrheit und Auserwähltheit auf, der provozieren musste, da er zugleich alle anderen Religionen als Lüge und Täuschung diffamierte. Schon früh regte sich daher heidnische Kritik. Die drei umfassendsten, uns heute bekannten Polemiken gegen das Christentum stammen von zwei Philosophen (Kelsos, Porphyrios) und einem philosophisch gebildeten Kaiser (Julian): Ganz wie Pilatus traten jene Autoren kritisch an das Christentum heran, um es auf seine angebliche Wahrheit hin zu untersuchen. Ihre Vorgehensweise und ihre Ergebnisse sollen das Thema der vorliegenden Arbeit sein. Da die Kritik am Christentum heute wieder in einer Blüte steht, wie man sie wohl seit fast 2000 Jahren nicht mehr erlebt hat, möchte ich zudem die antiken Kritiker auf ihre Aktualität hin untersuchen: Können Kelsos, Porphyrios und Julian etwas zur heutigen Debatte beitragen? Inwiefern unterscheidet sich ihre von der derzeitigen Kritik am Christentum? Greifen sie Aspekte auf, die noch heute diskutiert werden? Solche Fragen sollen im Folgenden betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die antiken Autoren
2.1. Kelsos
2.2. Porphyrios
2.3. Julian
3. Die antike Kritik
3.1. Kritik am Alten Testament
3.1.1. Die menschliche Gestalt Jahwes
3.1.2. Der ungöttliche Charakter Jahwes
3.1.3. Das auserwählte Volk
3.1.4. Die Stellung des Menschen in der Welt
3.1.5. Die allegorische Auslegung des Alten Testaments
3.2. Kritik am Neuen Testament
3.2.1. Die Rolle der Vernunft
3.2.2. Falsche Propheten
3.2.3. Das Märchenhafte des Neuen Testaments
3.2.4. Widersprüche im Neuen Testament
3.2.5. Die Auferstehung der Toten
3.2.6. Ungenügende Zeugen für die Wundertaten Jesu
3.3. Kritik an den Christen
3.3.1. Christen als Staatsfeinde
3.3.2. Kritik am Märtyrertum
3.3.3. Christen vs. Christen
4. Zusammenfassung
5. Quellenverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wer waren die bedeutendsten antiken Kritiker des Christentums?
Die drei wichtigsten Kritiker waren die Philosophen Kelsos und Porphyrios sowie der römische Kaiser Julian („Apostata“).
Was kritisierte Kelsos am Christentum?
Kelsos griff vor allem den Exklusivitätsanspruch der Christen an und bezeichnete ihre Lehren als unvernünftig und ihre Schriften als märchenhaft.
Warum lehnten heiddische Philosophen das Alte Testament ab?
Sie kritisierten die allzu menschliche und oft rachsüchtige Darstellung Jahwes sowie die Vorstellung eines „auserwählten Volkes“, was ihrem philosophischen Gottesbild widersprach.
Welche Vorwürfe wurden gegen die Person Jesu erhoben?
Kritiker wie Porphyrios wiesen auf Widersprüche in den Evangelien hin und bezweifelten die Authentizität der Wunderberichte aufgrund ungenügender Zeugen.
Warum wurden Christen als „Staatsfeinde“ bezeichnet?
Durch ihre Weigerung, an den traditionellen Staatsopfern teilzunehmen, sahen heidnische Autoren wie Julian die religiöse und politische Stabilität des Römischen Reiches gefährdet.
Sind die antiken Kritiken heute noch aktuell?
Die Arbeit untersucht, inwieweit moderne religionskritische Debatten ähnliche Argumente wie Kelsos oder Porphyrios verwenden, etwa in Bezug auf Vernunft und historische Glaubwürdigkeit.
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- Linda Kahn (Author), 2012, Die antiken Kritiker des Christentums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231486