„Einem geschlossenen Weltbild, dem vermöchte sich ganz und gar nicht einmal ein orthodoxer marxistischer oder katholischer Schriftsteller unterzuordnen. Die Arbeit selbst ordnet ja mit jedem Satz, jedes Zusammentreffen von Worten, von Szenen ordnet etwas. Selbst wenn Unordnung gezeigt wird oder gezeigt werden will. Schreiben ist Ordnen, und die Komponenten, die ordnen, entspringen einem Prozeß, in dem die Subjekt-Objekt-Beziehung, die Beziehung Individuum-Gesellschaft, immer wieder Erschütterungen ausgesetzt ist.“
Laut Ingeborg Bachmann trägt jedes noch so kleine Wort zur Ordnung bei. In Texten, egal wie kurz sie auch sein mögen, findet sich ein gewisser Grad an Struktur wieder. Sei es der inhaltliche Aufbau oder die Textkomposition. Der Schreibprozess ist immer wieder auch ein Ordnungsvorgang. Solche Ordnungsverfahren lassen sich allerdings auch in größerem Umfang finden und zwar innerhalb einer jeden Gesellschaft. Ohne gesicherte und stabile Verhältnisse besteht die Möglichkeit, dass Chaos ausbricht. Um ein ruhiges Miteinander zu gewährleisten, bedarf es an Regeln, Gesetzen, moralischen Geboten und Verboten und vielem mehr. Immer ist Ordnung notwendig, um die Menschen abzusichern. Doch wie viel ist letztendlich wirklich nötig und vor allem gesund? Ab wann wird Ordnung selbst zu einer Gefahr?
Diesem Thema hat sich auch Ingeborg Bachmann in ihrem Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ gewidmet. Dort stellt sie einzelne Leben der Ordnung und der Gesellschaft gegenüber. Sie zeigt darin, wie die sogenannten „Erschütterungen“ innerhalb der „Beziehung Individuum-Gesellschaft“ aussehen können, die sie bereits im Interview mit Alois Rummel angesprochen hat. Die hier behandelte Thematik ist zudem äußerst komplex. Daher wird zusätzlich zu Ingeborg Bachmann verstärkt mit Jacques Derridas „Gesetzeskraft. Der »mystische Grund der Autorität«“ gearbeitet. Darin befasst sich der Autor ausführlich mit der Rechtsordnung, die besonders im Hörspiel eine wichtige Funktion einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziele, Methoden und Aufbau
3. Literaturbericht und Forschungsstand
4. Ein kleiner Einblick in die Welt des Hörspiels
4.1. Ingeborg Bachmann „ Der gute Gott von Manhattan “ Ein Hörspiel
5. Die Liebe Das Mittel zur Destruktion sozialer Ordnung
5.1. Der Schauplatz Manhattan
5.2. Die Liebe als Gefahr für Leben und Ordnung
5.3. Der Austritt aus aller Ordnung
5.3.1. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
5.4. Die Folgen der Ordnung für das Dasein der Liebenden
6. Dekonstruktion der Ordnung und des Rechts
6.1. Jacques Derrida und die Dekonstruktibilität der Rechtsordnung
6.1.1. Die Notwendigkeit von Entscheidungen
6.2. Der gute Gott Eine Figur voller Widersprüche
6.3. Die letzten drei Gerichtsszenen und ihre Bedeutungen
6.3.1. Mord als Rechtsbruch und Gefahr für die Ordnung
6.3.2. Die Liebe als Auslöser des Ausnahmezustandes
6.3.3. Das Schweigen des Richters
7. Schluss
8. Ausblick
9. Anhang
Literaturverzeichnis
Primärquellen
Sekundärquellen
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt die Ordnung im Schreibprozess laut Ingeborg Bachmann?
Laut Bachmann ist Schreiben ein Ordnen, bei dem jedes Wort zur Struktur beiträgt. Der Schreibprozess spiegelt die Erschütterungen der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft wider.
Wie wird das Thema Recht in Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ behandelt?
Das Hörspiel stellt das individuelle Leben der gesellschaftlichen Ordnung gegenüber und nutzt Gerichtsszenen, um die Funktion der Rechtsordnung und die Liebe als Gefahr für diese Ordnung darzustellen.
Welchen Beitrag leistet Jacques Derrida zu dieser Analyse?
Mit seinem Werk „Gesetzeskraft“ liefert Derrida die theoretische Basis für die Dekonstruktion der Rechtsordnung und die Untersuchung der Notwendigkeit von Entscheidungen innerhalb des Rechts.
Warum wird die Liebe im Kontext der Arbeit als destruktiv betrachtet?
Die Liebe wird als Mittel zur Destruktion der sozialen Ordnung analysiert, da sie einen „Austritt aus aller Ordnung“ darstellt und somit eine Gefahr für stabile gesellschaftliche Verhältnisse sein kann.
Was symbolisiert das Schweigen des Richters am Ende der Analyse?
Das Schweigen des Richters in den letzten Szenen deutet auf die Paradoxie und die Grenzen der Rechtsordnung hin, wenn sie mit dem Ausnahmezustand der Liebe konfrontiert wird.
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- Mareike Sesselmann (Author), 2012, Paradoxe Ordnung: Dekonstruktivismus des Rechts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231482