Bei diachroner Betrachtung deutscher Verben ist ein deutliches Streben hin zu regelmäßigen Flexionsparadigmen zu verzeichnen. So ist die Gruppe der starken Verben im Laufe der vergangenen Jahre dramatisch geschrumpft, da ein Großteil ihrer Mitglieder zur schwachen Klasse übergegangen ist (vgl. bäckt/buk → backt/backte). Dieser Regularisierungsprozess ist nach wie vor in vollem Gange.
Nun lässt die oben genannte Beobachtung vermuten, dass es sich dabei um einen allgemeinen Vorgang handelt, der sich ausnahmslos durch die Reihen der (noch) starken Verben zieht. Doch das entspricht nicht ganz der Realität: Bei einer Hand voll Verben ist nämlich eine genau entgegengesetzte Entwicklung der Fall. Dies betrifft unter anderem auch das neuhochdeutsche Verb haben.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, das Phänomen der Irregularisierung am Beispiel von nhd. haben (bzw. ahd. habēn und mhd. hān/haben) zu analysieren und sinnvolle Gründe für diesen Prozess zu finden. Dabei werden die Natürlichkeitstheorie als Ausgangspunkt und die Ökonomietheorie als möglicher Lösungsansatz eine wichtige Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
1.0 Zielsetzung
2.0 Die Natürlichkeitstheorie
3.0 Diachrone Betrachtung von haben
3.1 Ahd. haben/haben
3.2 Mhd. han/haben
3.3 Nhd. haben in Standart- und Umgangssprache
4.0 Die Natürlichkeitstheorie auf dem Prüfstand
5.0 Irregularität
5.1 Die Entstehung von Irregularität
5.2 Frequenz- und relevanzgesteuerte Irregularität
5.3 Ausdruckskürze und Differenzierung
6.0 Die Ökonomietheorie
7.0 Zusammenfassung
8.0 Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter dem Regularisierungsprozess bei deutschen Verben?
Es ist das Streben hin zu regelmäßigen Flexionsparadigmen, wobei starke Verben zu schwachen Verben werden (z.B. buk -> backte).
Warum ist das Verb "haben" ein Sonderfall in der Sprachentwicklung?
Entgegen dem allgemeinen Trend zur Regularisierung zeigt das Verb "haben" eine Entwicklung hin zur Irregularisierung.
Welche Theorien werden zur Erklärung der Irregularität herangezogen?
Die Arbeit nutzt die Natürlichkeitstheorie als Ausgangspunkt und die Ökonomietheorie als möglichen Lösungsansatz für diesen Prozess.
Wie hat sich "haben" historisch verändert?
Die Untersuchung betrachtet die Formen im Althochdeutschen (habēn), Mittelhochdeutschen (hān/haben) und im heutigen Neuhochdeutschen.
Welche Rolle spielt die Frequenz bei der Entstehung von Irregularität?
Häufig gebrauchte Verben neigen eher dazu, unregelmäßige Formen beizubehalten oder zu entwickeln, da sie durch die hohe Relevanz im Sprachgebrauch gefestigt sind.
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- Marco Merten (Author), 2013, Fallbeispiel nhd. haben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231287