„Berlin zittert vor Spannung.“ So beschrieb Joseph Goebbels in seinem Tagebuch die Tage um die Remilitarisierung des Rheinlandes im März 1936. Es war Hitlers zweiter „Wochenendecoup“ und politisch äußerst gewagtes Manöver nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht 1935 und der zweite bedeutende Verstoß gegen die Versailler Verträge. Die Remilitarisierung war bereits Jahre zuvor von Hitler als Ziel ausgegeben worden, jedoch wollte er einen günstigen Zeitpunkt abwarten. Trotz des Erfolges infolge des Nichteinschreitens der übrigen europäischen Mächte Großbritannien, Frankreich und Italien war die Remilitarisierung im Vorfeld innerhalb der Führungsriege der Nationalsozialisten sehr umstritten. Obwohl man sich größtenteils darüber einig war, dass das Rheinland wieder in das Reichsgebiet eingegliedert werden sollte, warfen vor allem hochrangige Militärs Hitler vor, dass es sich eben im März 1936 um den Akt eines Hasardeurs handeln würde. Die internationale Situation war keineswegs derartig gelagert, dass sicher davon ausgegangen werden konnte, dass sich die oben genannten Parteien in Zurückhaltung üben würde. Verschiedene Aspekte führten allerdings dazu, dass es nur bei Protestbekundungen blieb und ein militärischer Konflikt ausblieb. Mit Großbritannien hatte in den Jahren zuvor eine Annäherung stattgefunden, die im Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 ihren Höhepunkt fand. Die britische Regierung war der Meinung, Hitler und das dritte Reich über weitreichende Bündnisse, die dem Flottenabkommen folgen sollten, im Zaum halten zu können. Darüber hinaus war die Aufrechterhaltung der entmilitarisierten Zone des Rheinlandes für Großbritannien nicht von großer Bedeutung, wie bereits aus Beratungen der britischen Regierung im Frühjahr 1935 hervorgeht.
Gliederung
1. Einleitung:
2. Die Entwicklung der Deutsch-Italienischen Beziehungen zwischen 30. Januar 1933 und Mai 1936
2.1 Die europäische Grundordnung vor der Remilitarisierung:
2.2 Beginn der Beziehungen:
2.3 Putschversuch in Österreich:
2.4 Die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die Stresa-Front:
2.5 Der Abessinienkonflikt und der Wandel in den Deutsch-Italienischen Beziehungen:
2.6 Die Remilitarisierung des Rheinlands:
3. Schlussbetrachtungen:
Häufig gestellte Fragen
Wann fand die Remilitarisierung des Rheinlandes statt?
Die Remilitarisierung erfolgte im März 1936 durch Adolf Hitler.
Gegen welchen Vertrag verstieß dieser Akt?
Es war ein bedeutender Verstoß gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages und der Verträge von Locarno.
Warum griffen Frankreich und Großbritannien nicht militärisch ein?
Gründe waren unter anderem die britische Appeasement-Politik, die Konzentration auf den Abessinienkonflikt und die Fehleinschätzung Hitlers Absichten.
Welche Rolle spielte Italien in dieser Zeit?
Die Arbeit beleuchtet den Wandel der deutsch-italienischen Beziehungen vom Putschversuch in Österreich bis zur Annäherung infolge des Abessinienkrieges.
War die Remilitarisierung innerhalb der NS-Führung unumstritten?
Nein, hochrangige Militärs warnten vor dem Risiko eines militärischen Konflikts und bezeichneten Hitlers Vorgehen als das eines „Hasardeurs“.
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- Stefan Schmidt (Author), 2012, Remilitarisierung des Rheinlandes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230748