Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den petrarkistischen Elementen und den besonderen Innovation von Sibylle Schwarz' Liebeslyrik im Kontext der meist männlichen Barocklyrik. Die Arbeit gibt einen allgmeinen Überblick über den Petrarkismus und dessen Elemente im Barock und fokussiert dabei die lyrischen Innovationen einer Frau im männerdominierenden Barock anhand von zwei Gedichtanalysen und dem Aspekt der lesbischen Doppelcodierung.
Inhaltsverzeichnis
I. Biographischer Abriss
II. Petrarkismus
1. Liebesauffassung, Motive und Stilistik
2. Nachahmung der Petrarkisten
a) Die Imitatio Petrarcas
b) Martin Opitz' Stillehre und Liebesauffassung als mögliche Vorlage für die Liebeslyrik von Sibylle Schwarz
III. Petrarkismus im Werk von Sibylle Schwarz
1 „Ist Lieb ein Feuer, und kan das Eisen schmiegen[...]“
a) Interpretation und Analyse
b) Aspekt der Doppelcodierung
2 „Liebe schont der Götter nicht[...]“
IV. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Liebeslyrik der Barockdichterin Sibylle Schwarz unter dem Aspekt ihrer künstlerischen Emanzipation innerhalb der petrarkistischen Tradition. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und wie die Dichterin durch innovative Abweichungen von der männlich dominierten Norm und die Anwendung einer potenziellen Doppelcodierung eigene subjektive Gefühle im Rahmen der zeitgenössischen Konventionen ausdrücken konnte.
- Analyse des Petrarkismus als literarischer Kontext
- Einfluss der Poetik von Martin Opitz auf das Werk von Sibylle Schwarz
- Interpretation ausgewählter Sonette im Hinblick auf Motivik und Stilistik
- Untersuchung der "Doppelcodierung" als Camouflage für gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen
Auszug aus dem Buch
1 „Ist Lieb ein Feuer, und kan das Eisen schmiegen[...]“
Es soll nun analysiert werden, inwieweit im vorliegenden zweiten Sonett der Reihe titelloser „Klinggedichte“ die Liebesauffassung, Motivistik und Stilistik des Petrarkismus von Sibylle angewendet wurde.
Ist Lieb ein Feur / und kan das Eisen schmiegen / bin ich voll Feur / und voller Liebes Pein / wohrvohn mag doch der Liebsten Hertze seyn? wans eisern wär / so würd eß mir erliegen / wans gülden wär / so würd ichs können biegen durch meine Gluht; solls aber fleischern seyn / so schließ ich fort: Eß ist ein fleischern Stein: doch kan mich nicht ein Stein / wie sie / betriegen. Ists dan wie Frost / wie kalter Schnee und Eiß / wie presst sie dann auß mir den Liebesschweiß? Mich deucht: Ihr Herz ist wie die Loorberblätter / die nicht berührt ein starcker Donnerkeil / sie / sie verlacht / Cupido / deine Pfeil; und ist befreyt für deinem Donnerwetter.
Nach dem Muster von Opitz wird das Reimschema abba für die Quartette benutzt. Eine Abweichung besteht allerdings durch den alleinstehenden Paarreim cc und den Vierzeiler deed, den man auch als „drittes Quartett“ deuten kann. Somit entfällt das gängige Muster der zwei Terzette am Ende des Sonetts und es entsteht eine stilistisch-individualistische Strophenform durch Sibylle. Es bestätigt sich Ganzenmuellers Ansicht, dass sie sich zwar an Opitz orientierte, sich aber nicht allen Regeln verpflichtet sah.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Biographischer Abriss: Dieser Abschnitt beleuchtet die Lebensumstände von Sibylle Schwarz vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges und ihrer Ausbildung in einem wohlhabenden, bildungsnahen Elternhaus.
II. Petrarkismus: Es werden die theoretischen Grundlagen der petrarkistischen Liebesdichtung, die Bedeutung der Imitatio sowie der prägende Einfluss von Martin Opitz auf die deutsche Barocklyrik dargelegt.
III. Petrarkismus im Werk von Sibylle Schwarz: Die zentralen Gedichte werden detailliert analysiert, wobei besonders auf die Versmaße, die Abweichungen vom Standardsonett und die Hypothese der Doppelcodierung als Ausdrucksmittel eingegangen wird.
IV. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel wertet die Ergebnisse aus und betont Sibylle Schwarz' Rolle als innovative Dichterin, die durch eine subtile Aneignung männlicher Konventionen einen eigenen Ausdruck findet.
Schlüsselwörter
Sibylle Schwarz, Barocklyrik, Petrarkismus, Martin Opitz, Sonett, Liebesdichtung, Imitatio, Doppelcodierung, Homoerotik, Frauenliteratur, Antithetik, Sprachinnovation, Judith Tranck, Erlebnislyrik, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Lyrik von Sibylle Schwarz, einer Dichterin des 17. Jahrhunderts, und untersucht, wie sie die damals dominierende Form des Petrarkismus für ihre eigenen literarischen Zwecke nutzte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis zwischen Tradition und Innovation, die Rolle der Frau in der barocken Literaturszene und die Analyse von Liebesmotiven innerhalb starrer formaler Vorgaben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sibylle Schwarz durch gezielte formale Abweichungen und motivische Innovationen aus dem Schatten männlicher Vorbilder heraustritt und eine eigenständige, innovative Liebeslyrik schafft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert literaturhistorische Analysen mit werkimmanenten Interpretationen von Sonetten, ergänzt durch einen kritischen Abgleich mit der bestehenden Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Interpretation zweier spezifischer Sonette und diskutiert die Theorie der "Doppelcodierung", die es der Dichterin ermöglicht haben könnte, homoerotische Gefühle unter dem Deckmantel traditioneller Rhetorik zu artikulieren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Petrarkismus, Doppelcodierung, barocke Erlebnislyrik und die Emanzipation einer Dichterin in einer patriarchalischen Gesellschaft charakterisiert.
Wie geht die Autorin mit dem Vorwurf der "Kindlichkeit" in Schwarz' Gedichten um?
Die Autorin interpretiert die vermeintliche "Kindlichkeit" oder "Leichtigkeit" nicht als Mangel an Gelehrsamkeit, sondern als bewusste und gelungene Abweichung von der starren barocken Norm.
Inwiefern ist die Beziehung zu Judith Tranck für die Interpretation wichtig?
Die Beziehung dient als biografischer Kontext, um die Intensität und die mögliche gleichgeschlechtliche Ausrichtung der Liebeslyrik zu verstehen, ohne dabei jedoch in rein spekulative biografische Deutungen zu verfallen.
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- Michael Dahmen (Author), 2013, Petrarkistische Elemente und Innovationen in der Liebeslyrik von Sibylle Schwarz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230465