Wolfgang Klafki, der bekannteste Vertreter bildungstheoretischer Didaktik in den 1950/60er Jahren entwickelte seinen Ansatz kontinuierlich weiter, bis er Ende der 1970er Jahre sein Modell der kritisch-konstruktiven Didaktik erstmals veröffentlichte. Hierbei ließ er sich von anderen Theorien wie der Lehr-lerntheoretischen, kritisch-kommunikativen und lernzielorientierten Didaktik beeinflussen und stellte sich insbesondere der Kritik der Studentenbewegung der späten 1960er Jahre.
Stark verändert hat er vor allem die von ihm erstmals 1958 vorgestellte Didaktische Analyse, den von ihm so betitelten „Kern der Unterrichtsvorbereitung“.
Gerade im Rahmen eines Grundlagenseminars zur Didaktik, der Theorie des Unterrichts, erscheint es sinnvoll, den sich in der Thematik der Unterrichtsvorbereitung andeutenden Praxisbezug näher zu beleuchten und insbesondere die Entwicklung dieses didaktischen Modells in den vergangenen Jahrzehnten zu betrachten. Hierbei soll gesondert auf die Einflüsse anderer Theorierichtungen eingegangen werden.
Einführend wird zunächst der bildungstheoretische Ansatz Klafkis unter Berücksichtigung seiner Grundlagen und vorangegangenen Theorieansätzen vorgestellt und die wichtigsten Begrifflichkeiten werden geklärt, um dann auf der Grundlage des Begriffes der kategorialen Bildung die Didaktische Analyse vorzustellen.
Als nächsten Schritt soll die Kritik am bildungstheoretischen Ansatz kurz dargestellt werden, um dann die Weiterentwicklung zur kritisch-konstruktiven Didaktik zu erläutern und die Einflüsse anderer Theorien hervorzuheben.
Im Resümee erfolgt die abschließende Bewertung der Entwicklung der bildungstheoretischen Didaktik aus pragmatischer Perspektive.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Bildungstheoretische Didaktik
2.1 Der Bildungsbegriff materialer und formaler Theorien
2.2 Kategoriale Bildung
2.3 Didaktische Analyse
3. Von der bildungstheoretischen zur kritisch-konstruktiven Didaktik
3.1 Kritik am Modell der Didaktischen Analyse
3.2 Die Annahme der Kritik und ihre Integration in die kritisch-konstruktive Didaktik
3.2.1 Neubestimmung von Allgemeinbildung
3.2.2 Schlusselprobleme
3.2.3 Von der Didaktischen Analyse zum Perspektivenschema
4. Schlussreflexion
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der Bildungstheoretischen Didaktik nach Klafki?
Der Kern ist die "Didaktische Analyse", die Lehrkräften hilft, den Bildungsinhalt eines Themas zu bestimmen. Klafki unterscheidet dabei zwischen materialer Bildung (Wissen) und formaler Bildung (Methoden/Fähigkeiten).
Was versteht Klafki unter "Kategorialer Bildung"?
Kategoriale Bildung ist die Synthese aus materialer und formaler Bildung: Der Mensch erschließt sich eine Wirklichkeit (material) und wird gleichzeitig durch diese Erschließung selbst für die Welt geöffnet (formal).
Wie entwickelte sich die Didaktik zur "kritisch-konstruktiven" Variante weiter?
In den 1970er Jahren integrierte Klafki gesellschaftskritische Aspekte und legte mehr Wert auf Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität, um auf die Kritik der Studentenbewegung zu reagieren.
Was sind die "epochaltypischen Schlüsselprobleme"?
Das sind zentrale gesellschaftliche Herausforderungen (z.B. Umweltfrage, Krieg/Frieden, Ungleichheit), an denen sich moderne Allgemeinbildung laut Klafki orientieren muss.
Warum wurde die ursprüngliche Didaktische Analyse kritisiert?
Kritiker bemängelten eine zu starke Fixierung auf geisteswissenschaftliche Inhalte und eine Vernachlässigung der empirischen Lehr-Lern-Forschung sowie der gesellschaftlichen Machtverhältnisse.
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- Jule Ebbing (Author), 2009, Bildungstheoretische Didaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230447